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    Was macht die Region Westfalen für Gründer attraktiv?

    Gute Rahmenbedingungen fördern die Gründerbereitschaft

    Die WFM Wirtschaftsförderung Münster GmbH, wfc Wirtschaftsförderung Kreis Coesfeld GmbH, WESt Wirtschaftsförderungs- und Entwicklungsgesellschaft Steinfurt mbH, gfw Gesellschaft für Wirtschaftsförderung im Kreis Warendorf mbH und wfg Wirtschaftsförderungsgesellschaft für den Kreis Borken mbH, über die Gründungsaktivitäten in ihrem Kreisen und ihr Engagement in der Gründerförderung.

     

    m&w: Eine aktuelle IfM-Studie hat herausgefunden, dass seit etwa zwei Jahren die Zahl der Existenzgründungen leicht zugenommen hat. Dennoch werden die Regionen Südwestfalen, Ostwestfalen-Lippe und das Münsterland in Bezug auf die Gründungsintensität als schwach bezeichnet. Woran liegt das?

    Im Kreis Coesfeld hat sich das Gründungsgeschehen auf niedrigerem Niveau stabilisiert. Ein bedeutender Grund ist vermutlich die gute Arbeitsmarktlage. Die Arbeitslosenzahlen sind so gering wie nie zuvor, im Juli lag die Arbeitslosenquote bei 2,8 Prozent. Die Qualität der Gründungen im Beratungsgeschehen hat deutlich zugenommen. Das angeblich „schwache“ Gründungsgeschehen lässt sich mit der guten wirtschaftlichen Situation im Kreis Steinfurt erklären. Wir haben nahezu Vollbeschäftigung.

    Im Kreis Warendorf spüren wir eine steigende Nachfrage nach Existenzgründungsberatungen. Besonders verstärkt hat sich das Interesse von Gründungsinteressierten, die sich ergänzend zu einer sozialversicherungspflichtigen Hauptbeschäftigung – mit Perspektive zur Vollselbständigkeit – selbständig machen möchten. IT.NRW hat 2017 erstmals analysiert, wie nachhaltig Unternehmensgründungen in NRW sind. Das Münsterland schneidet im NRW-weiten Vergleich gut ab. Im Kreis Warendorf sind im Mittel fünf Jahre nach Gründung 41,3 Prozent der Unternehmen erfolgreich am Markt tätig.

    Im Vergleich zu 2016 hat der Kreis Borken 2017 wieder einen kleinen Anstieg der Gewerbeanmeldungen verzeichnen können. So verbleibt auch entgegen dem bundesweiten Trend ein kleiner positiver Gründungssaldo. Wenn die Konjunktur gut läuft und der Arbeitsmarkt boomt, ist die Zahl der Existenzgründungen rückläufig oder stagniert. Im Kreis Borken ist der Rückgang der Gründungen nicht so hoch wie im Bundesdurchschnitt – trotz sehr niedriger Arbeitslosenzahlen, was darauf hindeuten könnte, dass vermehrt auch die gute Konjunktur Anstoß für eine Existenzgründung sein könnte. Indizien dafür sind die steigende Zahl der Gründungen mit wirtschaftlicher Bedeutung, aber auch die vermehrte Kreditnachfrage nach den Gründungsdarlehen.

    Die WFM hat diese Frage nicht beantwortet, aber die Situation ist wie in den anderen Kreisen, wobei die Gründerszene in Münster natürlich als Metropole der Region reger ist als in den Kreisen. Insgesamt ist die Arbeitslosenquote im Münsterland immer sehr niedrig – aktuell 4,2 %. Der Kreis Coesfeld hat dazu traditionell die niedrigste Quote.

    m&w: Was tun Sie, um wirtschaftsfreundliche Rahmenbedingungen (z.B. Verwaltung, Personal, Infrastruktur, etc.) insbesondere für Gründer zu schaffen, um Gründungsinteressierte an den Standort zu binden und die „Startphase“ zu erleichtern?

     Die Wirtschaftsförderung Kreis Coesfeld (wfc) bietet als zertifiziertes Startercenter neben der Einzelgründungsberatung sechs Mal im Jahr Informationsveranstaltungen für Gründungsinteressierte an. Zusammen mit Netzwerkpartnern bekommen Gründungsinteressierte Basiswissen für eine Gründung oder eine Übernahme vermittelt.

    Darüber hinaus bietet die wfc die im Rahmen des Beratungsprogramms Wirtschaft NRW erfolgreichen Zirkelberatungen an. Gründer lernen in einer kleinen Gruppe (3-6 Personen) unter Anleitung von einem zertifizierten Unternehmensberater alle Bausteine eines Businessplanes kennen.

    Mit der Gründerschmiede Ascheberg im Kreis Coesfeld, Teil des überregionalen Projektes Gründergeist@Münsterland, bietet die wfc Gründungsinteressierten ein sechsmonatiges intensives Coaching auf ihrem Weg in die Selbständigkeit an. Dabei holt sie Gründungsinteressierte bereits bei der Suche nach der geeigneten Gründungsidee ab. In einem Team von ca. sechs Personen  erlernen sie wichtiges Gründungswissen von Vertrieb, Buchführung und Steuern, Finanzamt, Investitions- und Finanzierungsplanung, Kreativitätstechniken, Pitch-Training, Zeitmanagement bis zum Businessplan. Im Rahmen der deutschlandweiten Gründerwoche organisiert die wfc immer aktiv diverse Veranstaltungen, Workshops und Seminare zum Thema Gründung und Nachfolge. Einmal im Jahr findet das chancenforum, ein Event für Gründer und Nachfolger, statt.
    Zur Unterstützung von Gründungen bietet die WESt Wirtschaftsförderungs- und Entwicklungsgesellschaft Steinfurt mbH neben ausführlichen Einzelberatungen die Formate „Gründung vor Ort“ und „GründungKompakt“ an. Weiterhin gibt es die Projekte Gründergeist@Münsterland und Innovationslabor. Zum Erfahrungsaustausch zwischen Existenzgründern und etablierten Unternehmen sei auf die Startup2Business-Meetings hingewiesen.

    Gründungsinteressierte sind im Kreis Warendorf gut aufgehoben. Als einziges zertifiziertes STARTERCENTER. NRW im Kreis Warendorf bietet die gfw-Gesellschaft für Wirtschaftsförderung im Kreis Warendorf mbH allen Gründungsinteressierten und Jungunternehmern Starthilfe an.

    Mit der Gründerschmiede Beckum im Kreis Warendorf, Teil des überregionalen Projektes Gründergeist@Münsterland, bietet die gfw Gründungsinteressierten ein sechsmonatiges intensives Coaching auf ihrem Weg in die Selbständigkeit an. In einem Team von zehn bis 15 Gleichgesinnten erlernen sie wichtiges Gründungswissen von Vertrieb, Buchführung und Steuern, Finanzamt, Investitions- und Finanzierungsplanung, Kreativitätstechniken, Pitch-Training, Zeitmanagement bis zum Businessplan. Interessierte und engagierte Unternehmerinnen und Unternehmer aus dem Kreis Warendorf stehen als Mentoren zur Verfügung. Auch junge Menschen werden auf ihrem Weg in die Selbständigkeit begleitet. Durch eine Zusammenarbeit mit dem bundesweiten Netzwerk Start-up Teens werden sie frühzeitig sensibilisiert und unterstützt.

    Weiterhin verfügt die gfw über ein großes Netzwerk im und außerhalb des Kreises Warendorf. Vertreterinnen und Vertreter aus Städten und Gemeinden, den Ministerien des Landes NRW, den Hochschulen der Region, den Banken und Sparkassen im Kreis Warendorf sowie Kammern und Institutionen stehen als Ansprechpartner zu den unterschiedlichsten Themen zur Verfügung. Gründungsinteressierte und Unternehmen können von diesem Fachwissen jederzeit profitieren.

    Die wfg Wirtschaftsförderungsgesellschaft für den Kreis Borken mbH bietet verschiedene Module für eine optimale Vorbereitung der Existenzgründung an. Für eine erste Orientierung der Gründungswilligen werden regelmäßig Informationsveranstaltungen durchgeführt. Gründungsinteressierte können die mindestens einmal pro Monat stattfindenden Erstinformationsveranstaltungen nutzen. Dabei gibt es klassische Erstinformationsveranstaltungen und Themenworkshops. Darauf aufbauend kann in individuellen Beratungsgesprächen das Gründungsvorhaben besprochen und das weitere Vorgehen geplant werden. Die Vorstellung und Prüfung der Voraussetzungen von Förderprogrammen sind ebenso häufig Inhalt der Beratungsgespräche. Entscheiden sich Gründer oder Gründerinnen für die Inanspruchnahme von privatwirtschaftlichen Beratern, so erfolgt in vielen Fällen die Unterstützung bei der Beantragung von Beratungskostenzuschüssen durch den jeweiligen WFG-Ansprechpartner.

    Das STARTERCENTER NRW der WFG ist eine klassische Erstberatungseinrichtung, d.h. dass ein Teil der Ratsuchenden nimmt wieder von der Geschäftsidee Abstand oder gründet erst später. Der Anteil der Frauen an den Beratungsgesprächen lag bei 35 Prozent, der Anteil der Frauen, die an den Veranstaltungen teilgenommen haben, lag 2017 mit rund 59 Prozent erfreulich hoch. Dieser hohe Wert ist im Wesentlichen auf die besondere Ansprache von Frauen bei den mit den Gleichstellungsbeauftragten organisierten Erstinformationsabenden für Frauen zurückzuführen.

    Die WFG ist sehr gut vernetzt. Regelmäßige Veranstaltungen mit dem VdU (Verband deutscher Unternehmerinnen, Compentia und dem UFH (Unternehmerfrauen im Handwerk), IHK Nordwestfalen, Handwerkskammer Münster, AIW etc. tragen dazu bei, für das Thema Gründungen zu sensibilisieren.

    Gründungsinteressierte sind in Münster gut aufgehoben, weil sie das ganze Jahr über in dem engmaschigen Netzwerk münster gründet! zahlreiche Ansprechpartner haben. Diese unterstützen individuell, geben Überblick und Orientierung, zeigen Chancen und Perspektiven am Markt auf, vermitteln Wissen und Skills, begleiten fachkundig und laden zum Austausch unter Gleichgesinnten ein. Denn der Austausch unter Gründern und Gründern und Jungunternehmern ist für angehende Selbstständige wertvoll. Und: Die Beratungsgespräche sind kostenfrei.

    Darüber hinaus laden die Akteure von münster gründet ganzjährig zu Veranstaltungen ein, die gründungsrelevante Themen behandeln. Einmal im Jahr sogar gebündelt. Mehr als 40 Seminare und Veranstaltungen bietet die Gründungswoche im November. Die Wirtschaftsförderung Münster GmbH und Technologieförderung Münster GmbH unterstützen Gründer auch bei der Suche passender Räumlichkeiten und beim Aufbau ihrer Geschäftstätigkeit, unter anderem durch das Einbinden in Netzwerke oder auf dem Gebiet der Fördermittelberatung.

    Mit der Gründergarage will das Netzwerk „gruenden-aus-hochschulen“, dem die münsterischen Partner Technologieförderung Münster GmbH (TFM), Westfälische Wilhelms-Universität und Fachhochschule Münster angehören, sein Angebot zur Gründungsvorbereitung in Münster erweitern. Die TFM fungiert als Träger des Projekts, Hauptsponsor ist Aschendorff Digital. Gründerteams stehen in der Gründergarage Arbeitsplätze plus Internet, Schließfächer und eine Postadresse für die Realisierung innovativer Geschäftsideen zur Verfügung. Die „Gründergarage“ konzentriert sich vor allem auf die Unterstützung bei der Planung des Unternehmenskonzepts sowie den Kompetenzaufbau des potentiellen Gründers bzw. Gründerteams. In regelmäßigen Abständen wird es zudem offene Themenabende für Gründungsinteressierte geben, wobei das Netzwerken auch mit Externen eine wichtige Rolle spielt.

    m&w: Welchen Einfluss hat das Gründungsgeschehen auf das regionale Wirtschaftswachstum (z.B. Arbeitsplätze) bzw. auf die wirtschaftliche Entwicklung in Ihrer Stadt?

    Der Kreis Coesfeld ist stark mittelständisch geprägt und ein sehr geschätzter Wirtschaftsstandort für Unternehmensansiedlungen. Neue Marktbeteiligte sind wichtig, um die Leistungsfähigkeit der hiesigen Wirtschaftsstruktur zu sichern und nachhaltig zu stärken.

    Da der Kreis Steinfurt, wie auch andere Regionen des Münsterlandes, geprägt ist durch eine heterogene mittelständische Wirtschaftsstruktur, vielfach aus Existenzgründungen hervorgegangen, besitzt die Gründungsthematik nach wie vor einen hohen Stellenwert bei kommunalen und regionalen Wirtschaftsförderungsaktivitäten.

    Der Kreis Warendorf ist stark mittelständisch geprägt. Viele der „Hidden Champions“ sind als kleine Unternehmen gestartet und immer noch geprägt durch die Gründerfamilien. Von ihrer Verantwortung und ihrem Engagement profitiert der gesamte Wirtschaftsstandort. Um die Stärke und Agilität der Wirtschaft im Kreis Warendorf zu sichern, ist es wichtig, neue Unternehmen bei ihrem Markteintritt zu unterstützen.

    Die flächendeckende Versorgung des Kreises Warendorf mit Glasfaserinfrastruktur bietet allen Unternehmen eine hervorragende Möglichkeit, Potenziale der Digitalisierung zu heben und umzusetzen. Digitalisierung beeinflusst das Kundenverhalten, ändert Geschäftsfelder und bringt neue Wettbewerber hervor. Die gfw-Gesellschaft für Wirtschaftsförderung im Kreis Warendorf mbH bietet gezielte, auf die Bedarfe des Mittelstandes ausgerichtete Beratung an. Wirtschaftliche Potenziale der Digitalisierung werden dadurch sowohl in Industrie- als auch in Handwerksunternehmen erkannt und umgesetzt.

    Auch der Kreis Borken ist stark mittelständisch geprägt. Viele der „Hidden Champions“ sind als kleine Unternehmen gestartet und immer noch geprägt durch die Gründerfamilien. Von ihrer Verantwortung und ihrem Engagement profitiert der gesamte Wirtschaftsstandort.

    Die Verfügbarkeit und Qualität von Infrastrukturen trägt stark zur Attraktivität eines Standorts bei. Deshalb ist die Bereitstellung von leistungsfähigen Infrastrukturen ein wichtiges Thema der WFG im Hinblick auf die Unterstützung der regionalen Wirtschaft. Die WFG setzt sich nah an den Bedürfnissen der heimischen Wirtschaft für den Ausbau einer leistungsfähigen Infrastruktur ein.

    Im Kreis Borken besteht besonderer Handlungsbedarf: Im technischen Bereich stellt die Versorgung mit leistungsfähigen Kommunikations- und Datennetzwerken eine besondere Herausforderung für den ländlichen Raum dar. Die Realisierung und Weiterentwicklung des Breitbandkonzeptes zeichnet den Kreis Borken schon heute als mittelstandsfreundlichen und wirtschaftsnahen Standort aus. Die WFG hat sich das Thema Digitalisierung auf die Fahne geschrieben und bietet gezielte, auf die Bedarfe des Mittelstandes ausgerichtete Beratung an. Wirtschaftliche Potenziale der Digitalisierung werden dadurch sowohl in Industrie- als auch in Handwerksunternehmen erkannt und umgesetzt. Diese Rahmenbedingungen sind wichtig, um u.a. das Gründungsgeschehen im Kreis Borken weiter voranzutreiben.

    Münster ist ein gutes Pflaster für Gründer und innovative Ideen: Der wachsende mittelstandsgeprägte Standort führt zu gesteigerter Nachfrage in verschiedenen Branchen. Zudem zeichnet die Stadt eine hohe Akzeptanz und Aufgeschlossenheit gegenüber neuen Gründungsideen aus. Die Gründungskultur in Münster ist vielfältig. Schon lange stehen nicht mehr nur traditionelle Branchen im Mittelpunkt (u.a. Handwerk, Handel). Vielmehr werden auch neue Wirtschaftszweige, zum Beispiel unternehmensbezogene Dienstleistungen, Gesundheit, Pflege, Wellness und Medien/IT, werden fokussiert.