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    Was beschäftigt Sie…? Dr. Birgit Vemmer

    Dr. Birgit Vemmer, Unternehmensberaterin und Mentorin

     „Mein Schlüssel zu den Menschen liegt in meinem tiefen Interesse an ihnen“

    m&w: Frau Dr. Vemmer, Sie sind gerade als Mentorin des Jahres 2018 ausgezeichnet worden. Was waren, aus Ihrer Sicht, die entscheidenden Kriterien, die die Jury überzeugt hat, Ihnen den Preis zu verleihen?

    Dr. Birgit Vemmer, Unternehmensberaterin und Mentorin.
    Foto: privat

    Dr. Birgit Vemmer: Ja, das ist eine schöne Auszeichnung, die mich hocherfreut hat. Ich bin Mentorin aus voller Überzeugung und mit großer Leidenschaft – und das schon seit vielen Jahren. Weil ich weiß, dass man mit Mentoring etwas Bewegen und Verändern kann, und weil es Freude macht, zu erleben, wenn sich Menschen entwickeln. Darum bringe ich mich aktiv in verschiede- nen Mentoringprogrammen ein und trage zu deren Weiterentwicklung bei.  Aber das Wesentlichste ist natürlich das Feedback und der Erfolg meiner Mentees, die ich im Laufe der Jahre gefördert habe. Und da erhalte ich immer wieder die Rückmeldung, wie wertvoll das Mentoring für die persönliche und berufliche Entwicklung ist. Bei der Preisverleihung wurde meine Rolle als Vorbild für weibliche Karrieren, die Weitergabe von Erfahrungen und meine Beratungskompetenzen im Mentoring für Potenzialträgerinnen hervorgehoben.

    Sie engagieren sich besonders in der Nachwuchsförderung junger Frauen. Warum haben es Frauen auch heute noch immer schwer, trotz bester Qualifikationen, sich in bestimmten Berufen bzw. Positionen zu behaupten?

    Dr. Birgit Vemmer: Die Förderung weiblicher Potentialträgerinnen liegt mir tatsächlich sehr am Herzen. Weil ich in den mehr als 25 Jahren meiner beruflichen Laufbahn erlebt habe, wie erfolgreich Führungs- und Managementgremien mit einem guten Gendermix sein können. Leider ist es bei uns noch immer nicht „normal“, dass man auf allen Ebenen Frauen antrifft. Die Gründe dafür sind vielschichtig. Sie sind in der Gesellschaft, den einzelnen Unternehmen, den Rahmenbedingungen aber natürlich auch bei den einzelnen Personen zu finden. Insbesondere fehlt es in meinen Augen nach wie vor an dieser „Selbstverständlichkeit“, dass Frauen in Top-Positionen sind. Damit fehlen die Vorbilder für weibliche Nachwuchskräfte, an denen sie sich orientieren können. Gerade Cross-Mentoringprogramme, wie das CrossMentoring OWL, eignen sich ausgezeichnet zur Förderung von Frauen, da sie an verschiedenen Stellen ansetzen und so nachhaltig wirken.

    m&w: Im Projekt CrossMentoring OWL sind Sie seit Jahren aktiv. Was bedeutet dieses Engagement für Sie persönlich und welche Ziele verfolgen Sie damit?

    Dr. Birgit Vemmer: Mein Hauptziel ist es, die jungen Frauen und damit auch die Unternehmen zu fördern. Dafür bringe ich mich gerne ein, mit meiner Zeit, all meiner Kompetenz und Erfahrung. Dieses Programm, das vor vielen Jahren von Barbara Tigges-Mettenmeier entwickelt wurde, ist hoch professionell aufgesetzt und fördert weibliche Potentialträgerinnen in der Region. Darüber hinaus sensibilisiert es für das Thema in den Unternehmen, da neben den Mentees und Mentorinnen auch die Führungskräfte und die Personalabteilungen involviert sind. Dieses Projekt ist darüber hinaus eine hervorragende Plattform zur nachhaltigen Vernetzung von Führungskräften und Unternehmen in der Region, aus dem schon vieles entstanden ist. Aber es gibt auch einen persönlichen, individuellen Wert für mich als Mentorin. Mit jedem Einsatz reflektiere ich auch mich selbst und erfahre spannende Perspektiven und Impulse für die eigene Arbeit und für meine innere Haltung.

    m&w: Sie sagen von sich selbst, dass es Ihnen Freude macht, Menschen zu motivieren und zu fördern: Wie gelingt Ihnen das bzw. über welche besonderen Fähigkeiten verfügen Sie?

    Dr. Birgit Vemmer: Zu meinem Fundament gehören eine fast unerschütterliche Zuversicht, mein analytischer Background als Mathematikerin und ein solides Methodenwissen. Doch mein Schlüssel zu den Menschen liegt wohl in meinem ehrlichen und tiefen Interesse an Menschen, die ich begleite und auch mal stütze, wenn es darauf ankommt. Denn sich weiter zu entwickeln, kann ja vorübergehend Verunsicherung mit sich bringen. Über sich hinauszuwachsen und trotzdem bei sich zu bleiben, das ist ein Balanceakt jeder Weiterentwicklung, der neu austariert werden will. Im Endeffekt geht es immer wieder darum, den Menschen Mut zu machen, an sich zu glauben, sich zu zeigen und nach vorne zu gehen. Oder auch mal einen Schritt zurück, wenn es die Situation erfordert.

    m&w: Sie können auf über mehr als 20 Jahre Führungs- und Managementerfahrung in Unternehmen zurückblicken: Inwiefern haben sich die Herausforderungen für Führungsverantwortliche in den letzten Jahren verändert?

    Dr. Birgit Vemmer: Führung ist in meinen Augen sehr individuell, komplex und unglaublich dynamisch geworden. Die Führungskräfte von heute haben es neben den Anforderungen von innen und außen mit ganz unterschiedlich geprägten Generationen und inzwischen auch Kulturen mit ihren entsprechenden Mentalitäten zu tun.  Das erfordert, sich höchst individuell mit den Bedürfnissen der Menschen auseinanderzusetzen. Hinzu kommt die breite Vernetzung und damit auch die externen Einflüsse, die ein großes Maß an Agilität verlangen. Das bietet viele Chancen, bedeutet jedoch zugleich große Anforderungen an Führungskompetenz.

    Kontext

    Dr. Birgit Vemmer ist Unternehmensberaterin und Mitglied des Aufsichtsrates der CEWE-Stiftung sowie stellvertretende Vorsitzende des Aufsichtsrates der Porta Unternehmensgruppe. Zuvor war die studierte und promovierte Mathematikerin unter anderem Geschäftsführerin der itelligence AG. Zu ihren besonderen Anliegen gehört die Förderung von Frauen im beruflichen Kontext, in Verbänden und Vereinen.