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    Serie: Denker und Lenker – Seidensticker

    DAS KOMMT AUS BIELEFELD

    „Wir haben eine klare Unternehmensvision vor Augen“

    Frank Seidensticker, geschäftsführender Gesellschafter der Textilkontor Walter Seidensticker GmbH & Co. KG, über aktuelle Herausforderungen, die Chancen der Digitalisierung und Visionen für die Zukunft.

     

     

    Frank Seidensticker: „Die Digitalisierung ist in vollem Gange. Diese Entwicklung profitabel für uns zu nutzen, ist entscheidend für die erfolgreiche Zukunft unseres Unternehmens.“
    Foto: Seidensticker

    Herr Seidensticker, was fasziniert Sie an Ihrem Unternehmen bzw. was erfüllt Sie an Ihrer Tätigkeit?

    Frank Seidensticker: Der Name Seidensticker steht für unsere Familie, unser fast 100-jähriges Unternehmen und unsere erfolgreichste Marke. Dieser sehr besondere Dreiklang erfüllt mich mit Stolz und bildete schon früh ein starkes Verantwortungsgefühl aus. Die Zukunft dieses Unternehmens zu gestalten und Herausforderungen als Chance zu sehen, treiben mich bei meiner täglichen Arbeit an. Besonders die Dynamik, die unsere Mitarbeiter aufgenommen haben, um den Wandel, den wir gerade erleben, mitzutragen und selbst aktiv mitzugestalten, begeistert mich. Dabei gilt das Credo meines Großvaters und Unternehmensgründers: „Alles was ich anfasste, wurde zu Hemden“, mehr denn je, denn als Spezialist liegt unser Fokus heute klar auf Hemden und Blusen.

    Welche Herausforderungen begegnen Ihnen in Ihrem Arbeitsalltag?

    Frank Seidensticker: Die Bekleidungsbranche befindet sich gerade in einer der größten Umbruchphasen seit der Industrialisierung. Die Chancen, die die Digitalisierung mit sich bringt, zu erkennen und erfolgreich zu nutzen, zählen sicherlich zu den aktuell größten Herausforderungen für die Seidensticker Group. Eine konsequente Markenführung und stringente Konzentrierung auf die Bedürfnisse unserer Kunden stehen dabei im Mittelpunkt. Den Konsumenten auf allen heute möglichen Kanälen zu erreichen und ihm auf schnellstem Weg sein Wunschprodukt zur Verfügung zu stellen, ist dabei unser erklärtes Ziel. Daran arbeiten wir sehr intensiv und investieren aktuell auch viel in diesen Bereich.

    Welche bedeutenden Entscheidungen und Veränderungen gab es in den letzten Jahren in Ihrem Unternehmen, um Wachstum zu generieren?

    Frank Seidensticker: Mein Cousin und ich haben mit dem Generationswechsel 2004 die weitreichende Entscheidung getroffen, uns vertikaler aufzustellen und in eigene Produktionen und Geschäfte zu investieren. Bis heute nutzen wir die gesamte Wertschöpfungskette – vom Stoffballen bis zur Ladentheke. Die konsequente Markenbereinigung sowie die Re-Positionierung unserer Marken Seidensticker und Jacques Britt, mit der wir bereits 2015 begonnen haben, war ein weiterer wichtiger Meilenstein für den langfristigen Erfolg unseres Unternehmens, der uns heute eine sehr klare Profilschärfe verleiht.

    Wo sehen Sie die besonderen Stärken bzw. Alleinstellungsmerkmale Ihres Unternehmens?

    Frank Seidensticker: Wir feiern 2019 unser 100-jähriges Firmenjubiläum, was uns sehr stolz macht. Seit Generationen haben wir gezeigt, dass wir uns immer wieder auf veränderte Marktbedingungen einstellen konnten und diese erfolgreich für uns genutzt haben. Die Verbindung aus Tradition und Spezialistentum einerseits und Innovation andererseits prägt Seidensticker in ganz besonderer Weise und zeichnet uns aus. Dabei haben wir bei aller Internationalität, für die das Unternehmen heute steht, den Spirit und Charme des ostwestfälischen Familienunternehmens nie verloren.

    Was tun Sie, um Ihr Unternehmen für Mitarbeiter und zukünftiges Personal attraktiv zu gestalten?

    Frank Seidensticker: Was Seidensticker in diesem Punkt auszeichnet ist, dass wir selbst jungen Mitarbeitern schnell Verantwortung übertragen, wenn wir die Befähigung dazu sehen. Zu führen, aber gleichzeitig auch loslassen zu können – mit diesem Ansatz schaffen wir von innen heraus Exzellenzen und motivieren damit unsere Mitarbeiter. Wir gehen daneben aber auch gezielt auf die externe Suche nach Mitarbeitern für Fachgebiete, die wir intern nicht abdecken können. Flexible Arbeitszeiten, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, beispielsweise durch eine Kindertagespflege direkt auf unserem Betriebsgelände in Bielefeld, sind dabei wichtige Elemente, um uns als Arbeitgeber attraktiv zu machen. Die Strahlkraft unserer Marken – Seidensticker ist die bekannteste Hemdenmarke Deutschlands – hilft uns natürlich zusätzlich, fähige Mitarbeiter zu gewinnen.

    Was zeichnet den Wirtschaftsstandort Bielefeld aus? 

    Frank Seidensticker: Den Bielefeldern sagt man eine gewisse Bescheidenheit nach, die gerade, wenn es um den Wirtschaftsstandort geht, unangebracht ist. Ostwestfalen-Lippe ist eine der stärksten deutschen Wirtschaftsregionen mit rund 140.000 Unternehmen und einer Million Beschäftigten. Die hohe Dichte an Familienunternehmen ist sicherlich ein weiterer Punkt, der gerade Bielefeld attraktiv macht. Die Region zählt daneben zu den Top fünf der deutschen Innovationsregionen. Zumal OWL und speziell Bielefeld mit seiner Universität und Fachhochschule ein großes Potential an zukünftigen Leistungsträgern ausbildet. Zudem entwickelt sich in Bielefeld, beispielsweise mit der Founders Foundation, eine lebendige Start-up-Szene, die junges und innovatives Unternehmertum in die Stadt bringt. Nicht zu vergessen, dass Bielefeld zu den grünsten Großstädten Deutschlands zählt, mit dem Teutoburger Wald mitten in der Stadt und Wohnraum, der im Vergleich zu vielen anderen Großstädten noch bezahlbar erscheint. Die Lebensqualität, die Bielefeld zu bieten hat, ist also durchaus beachtlich.

    Das Thema Digitalisierung ist in der Wirtschaft angekommen. Welche Bedeutung haben digitale Arbeits- und Geschäftsprozesse für Ihr Unternehmen?

     Frank Seidensticker: Die Digitalisierung ist nicht nur angekommen – sie ist bereits in vollem Gange. Kein Stein bleibt auf dem anderen. Prozesse und Arbeitsmethoden verändern sich rasant auf allen Ebenen und entlang unserer gesamten Wertschöpfungskette – vom Stoff bis hin zum fertigen Produkt, das in einem unserer Stores oder im Handel bzw. online verkauft wird. Diese Entwicklung profitabel für uns zu nutzen, ist entscheidend für die erfolgreiche Zukunft unseres Unternehmens. Dabei liegt unser Fokus ganz klar auf dem Endkonsumenten – und zwar kanalübergreifend. Wir investieren stark in IT- und Digitalisierungs-Prozesse, denn darin sehen wir eindeutig die Zukunft.

    Wo sehen Sie Ihr Unternehmen zukünftig? Wie sehen die Weichenstellungen für die nächsten Jahre aus?

    Frank Seidensticker: Wir haben eine klare Unternehmensvision vor Augen, die unser fester Ansporn ist. Darin bekennen wir uns zu unserem Geschäftsmodell, das auf drei Säulen steht (Marken, Lizenz, Private Label). Unser Ziel ist es, ein gesundes Unternehmen mit führender Rolle im europäischen Modemarkt sowie die Marktführerschaft der Marke Seidensticker in Deutschland zurückzuerobern und in die Zukunft zu führen. Daran arbeiten bei Seidensticker alle mit vereinten Kräften. Die vierte Generation steht in den Startlöchern und wir als Inhaberfamilie stellen gemeinsam die Weichen für deren Eintritt ins Unternehmen.

    Weitere Informationen: www.seidensticker.com

    Kontext

    Die Textilkontor Walter Seidensticker GmbH & Co. KG mit Sitz in Bielefeld vertreibt die eigenen Marken Seidensticker und Jacques Britt und in Master-Lizenz alle Fashionprodukte von camel active. Die Unternehmensleitung liegt in den Händen von Frank Seidensticker (geschäftsführender Gesellschafter), Gerd Oliver Seidensticker (geschäftsführender Gesellschafter) sowie Dr. Silvia Bentzinger und Martin Friedrich. Im Geschäftsjahr 2016/17 erzielte das Unternehmen Gesamterlöse von 203 Millionen Euro, die Umsatzerlöse lagen bei 198,8 Millionen Euro. Die Exportrate betrug bei 44 Prozent. Seidensticker beschäftigt 2.600 Mitarbeiter an 15 Standorten und betreibt 43 eigene Stores.

     

    Der Beitrag ist Teil unserer Serie „Das kommt aus Bielefeld“, die in Kooperation mit der WEGE erscheint.

    In der Serie Denker und Lenker – Das kommt aus Bielefeld sind bisher erschienen:

    acocon Gruppe: „Digitalisierung ist das, was wir atmen“

    Druckhaus Gieselmann: „Wir müssen immer einen Schritt schneller und besser sein“

    nexus product design: „Wir müssen uns darauf konzentrieren, vorauszuahnen, wovon die Menschen träumen werden“

    Böllhoff: Der Glaube an Innovationen und kontinuierliche Verbesserung

    Oltrogge: Mutig und modern

    Diamant Software: „Unser Innovationsprozess ist konsequent auf den Kunden ausgerichtet“

    HLB Stückmann: Progressives Arbeiten und Denken für sehr gute Ergebnisse

    Mitsubishi HiTec Paper Europe:  „Wir investieren konsequent in unsere Mitarbeiter“

    bsb bentlage: „Das Besondere ist unsere Stärke“

    Height-Tech: „Wir leisten täglich Pionierarbeit“

    Dr. Freist Automotive: „Wir verstehen uns als Ideen- und Innovationsschmiede“

    Mitsubishi HiTec Paper Europe: Wir verstehen uns als Innovationsführer

    Böllhoff: Mit den Kunden neue Produkte entwickeln

    Hymmen: Neuentwicklungen sind Gegenstand des Tagesgeschäfts

    Carolinen: Das Ohr am Herz des Verbrauchers