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MSF-Vathauer Antriebstechnik

„Wir arbeiten mit Start-ups zusammen, um Synergieeffekte zu nutzen“

Das Detmolder Unternehmen MSF-Vathauer Antriebstechnik nimmt im aktuellen Digitalisierungsindex der FHM einen vorderen Platz ein. Untersucht wurde der  Digitalisierungsstand bei kleinen und mittleren Unternehmen in NRW in den Branchen Industrie, Handwerk und industrienahe Dienstleistungen. Die beiden Geschäftsführer Karl-Ernst Vathauer und Marc Vathauer erklären, warum sie das Thema Digitalisierung bereits seit einigen Jahren auf der Agenda haben. Mit Erfolg. 

Die Geschäftsführer Marc Vathauer und Karl-Ernst Vathauer

Die Geschäftsführer Marc Vathauer und Karl-Ernst Vathauer (v.l.). Foto: MSF Vathauer

Sie haben bei der Umsetzung des Digitalisierungsprozesses laut Digitalisierungsindex die Nase vorn. Dafür ist aber auch „gutes“, sprich qualifiziertes Personal notwendig. Wie rekrutieren Sie Ihr Personal?
Karl-Ernst Vathauer: Zunächst einmal muss man zwischen interner und externer Digitalisierung unterscheiden. Im Bereich der internen Digitalisierung, d.h. innerhalb unseres Unternehmens, haben wir intern nach fähigen und interessierten Mitarbeitern gesucht und schnell gefunden. Sie haben sich der Thematik gewidmet und durch Schulungen und Fachinformationen den bestehenden Arbeitsbereich um das Feld der Digitalisierung erweitert.
Im Bereich der externen Digitalisierung, d.h. der Schaffung von IoT-Lösungen für unsere Kunden, sind wir natürlich auf den aktuellen Bewerbermarkt angewiesen. Fachpersonal rekrutieren wir aus Studierenden, die in unserem Unternehmen Bachelor- oder Masterarbeiten schreiben und die wir in den entsprechenden Sparten einsetzen. Wir bilden unsere angestellten Entwickler selbstverständlich intern weiter, um die neuesten Techniken realisieren zu können. Jedoch muss auch fähiges Fachpersonal von den Universitäten und Hochschulen ausgebildet und praktisch geschult werden – da klafft immer noch eine große Lücke zwischen Angebot und Nachfrage. Der Digitalisierungsprozess verläuft dynamisch und muss kontinuierlich nach vorne gebracht werden. Vorhandenes Personal ist zu schulen und mit digitalen Technologien vertraut zu machen. Auch ist es für KMU hilfreich, mit den zur Verfügung stehenden Forschungseinrichtungen eng zusammen zu arbeiten. Daraus ergeben sich im Idealfall weitere Möglichkeiten, Fachpersonal zu rekrutieren. Dieses ans Unternehmen langfristig zu binden und Perspektiven zu schaffen, ist die Basis einer guten Firmenkultur.

„Durch die Digitalisierung fallen viele Arbeitsplätze weg“. Diese nicht selten zu hörende Meinung verunsichert viele Arbeitnehmer. Wie sehen Sie das nach Ihren bisherigen Erfahrungen?
Marc Vathauer: Bei uns definitiv nicht – eher im Gegenteil. Aufgrund unserer intern digitalisierten Wertschöpfungsprozesse haben wir die Prozesslaufzeiten zwar nahezu halbiert, jedoch dient die Digitalisierung unserer Abläufe nicht dem Stellenabbau, sondern der optimalen Unterstützung und Förderung der Mitarbeiter. Die durch die Digitalisierung entstandene Prozesssicherheit unterstützt unsere Mitarbeiter im Produktionsprozess und in der Herstellung. Die Digitalisierung sollte definitiv als Chance zur Arbeitsoptimierung gesehen und genutzt werden. Mit den richtigen Tools kann sie das Arbeitsleben erleichtern und dank Automatisierung vereinfachen. Nicht immer bedeutet Digitalisierung gleich auch den Verlust von Arbeitsplätzen, sondern nur eine Änderung der Arbeitsplätze. Selbstverständlich bringt das Arbeiten mit digitalen Betriebsmitteln und die Nutzung von digitalen Kommunikationseinrichtungen  Veränderung mit sich, denen mit Weiterbildung und Akzeptanz der Technologie begegnet werden muss.
Natürlich werden durch die Digitalisierung simple und recht triviale Arbeiten zukünftig weniger. Was sich positiv für den Arbeitnehmer darstellt, denn neue, komplexe und interessante Arbeitsfelder werden entstehen. Als Arbeitgeber sind wir in der Pflicht, vorauszudenken und die neuen Chancen, die sich auftun, den Arbeitnehmern zugänglich zu machen. Dazu gehört ebenfalls die Aus- und Weiterbildung aller Mitarbeiter, um die zukünftigen Veränderungen im Umfeld der Digitalisierung gemeinsam zu meistern. Jedoch haben sich nicht nur die Unternehmen auf die vierte technische Evolution/Revolution einzustellen. Auch die Infrastruktur, die von Unternehmen genutzt wird, muss sich anpassen. Der schnelle Ausbau von Breitbandkommunikation ist mehr als dringend erforderlich. Das ist momentan der Flaschenhals und gleichzeitig Bremse der Technologie.

Was tun Sie für Ihre Fachkräfte, um deren Wissen und Know-how aktuell zu halten?
Karl-Ernst Vathauer: Wir bieten unseren Mitarbeitern Weiterbildungen und fachspezifische Schulungen an, die je nach Themengebiet und Arbeitsfeld des Mitarbeiters angepasst werden. Facharbeiter benötigen freie Entfaltung ihrer Kompetenz. Die Mitgestaltung des gesamten Teams, bei der Know-how transformiert wird, ist ein wesentlicher Punkt und in erster Line der Vorteil eines KMU. Das trägt zur Know-how-Erhaltung bei.

Einige Unternehmen kooperieren z.B. mit technologieorientierten Start-ups, die über das notwendige Digital-Know-how verfügen. Ist das für Sie keine Option?
Marc Vathauer: Start-ups werden wir in Zukunft benötigen, denn Hochschulabsolventen, aber auch Facharbeiter, die sich in die Selbstständigkeit wagen, sind eine gute Ergänzung zu den etablierten Unternehmen. Hinter Start-ups stehen doch in erster Linie Personen, die sich mit einer Idee selbstständig machen möchten oder bereits gemacht haben. Eine Idee ist aber noch keine Innovation! Die Idee muss zum Produkt, zum Unternehmen und seiner künftigen Ausrichtung passen. Wir arbeiten bereits mit Start-ups zusammen, um mannigfache Synergieeffekte zu nutzen, wobei die „Win-Win-Situation“ immer im Vordergrund steht. Uns geht es dabei ganz konkret um die Umsetzung einer Idee in eine Innovation. Der Kontakt zu Start-up-Netzwerken wie der Garage33 oder Founders Foundation wird unsererseits bereits intensiviert. Es sind definitiv gute Optionen, jedoch müssen der Zeitpunkt und die Technologie passen.
Außerdem kooperieren wir im Bereich Neu- und Weiterentwicklung mit verschiedenen namhaften Instituten und weiteren Partnern, u.a. mit Fraunhofer IEM, Fraunhofer ENAS, Fraunhofer IOSB-INA. Wir sind auch in vielen Netzwerken aktiv, u.a. bei it’s OWL, OWL Maschinenbau, InnoZent OWL und arbeiten eng mit lokalen Universitäten und Hochschulen in den Bereichen Technologie und Vertrieb zusammen. So können Skills und Ressourcen sowie Know-how optimal genutzt und ausgetauscht werden. Davon machen wir stetig Gebrauch und sehen darin auch einen Teil des Schlüssels zum Erfolg, um am Markt beständig zu bleiben und auch ein Stück Vorreiter zu sein.