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    Mediation in Unternehmen

    Ungelöste Konflikte kosten Geld und die Gesundheit

    Gaby Schramm, Mediatorin M.A., BM®, über den Nutzen eines frühzeitig aufgebauten, innerbetrieblichen Konfliktmanagements und Wirtschaftsmediationen.

    Unternehmensberaterin Gaby Schramm ist Expertin für Mediation und Konfliktmanagement in Unternehmen, Supervisorin sowie Inhaberin des Instituts Schramm für Beratung und Strategie

    Die Zahlen sind alarmierend: Eine Führungskraft verbraucht, laut einer Untersuchung der Unternehmensberatung KPMG (2015), durchschnittlich 30 bis 50 Prozent der wöchentlichen Arbeitszeit mit Reibungsverlusten, Konflikten oder Konfliktfolgen. Also zwei bis drei Tage pro Woche! Etwa ein Prozent der Mitarbeiterkosten pro Jahr gehen für unverarbeitete Konflikte verloren. Die Kosten pro Mobbingfall betragen ca. 60.000 Euro. In Betrieben bis zu 100 Mitarbeitern entstehen jährlich Konfliktkosten von 100 bis 500 Tausend Euro. Die Kosten des Verlusts eines Mitarbeiters und die Neubesetzung der Stelle können bis zu 150 Prozent des Jahresgehalts des Betroffenen betragen.

    Konflikte in der Praxis

    Konfliktverläufe zeigen sich u.a. dadurch, dass Veränderungen in immer kürzeren Abständen kommen, Mitarbeiter abgebaut werden und die Mehrbelastung die „Zurückbleibenden“ erkranken lässt. Ständige Erreichbarkeit erhöht den Druck. Die Beschäftigten fühlen sich hilflos in der Bewältigung der Aufgaben und suchen vergeblich nach Sinn. Da Teams oft auseinandergerissen werden, schwindet das Gefühl der Dazugehörigkeit, der Selbstwirksamkeit bis hin zur Identität. Die Bitte um Erklärungen und Antworten, um verstehen zu können, bleibt unerfüllt, da Führungskräfte in Sandwichpositionen oft selber keine Antworten haben.

    Konfliktkosten berechnen

    Immer mehr Entscheidern in Unternehmen ist klar, dass Konflikte, die nicht produktiv bearbeitet werden und überwiegend negative Folgen für das Unternehmen und die MitarbeiterInnen haben, Geld kosten:

    • Kosten, die direkt aus dem Konflikt entstehen (Materielle Schäden, Arbeitszeit, Kosten für juristische Auseinandersetzung),
    • Kosten, die indirekt aus dem Konflikt entstehen (Ausfälle, nicht erledigte Aufgaben, Verlust von Aufträgen und Arbeitszeit im Team oder Umfeld),
    • Kosten, die langfristig aus einem Konflikt entstehen (Auswirkungen auf Arbeitsklima, Motivation, Image, notwendige Veränderungsprozesse).

    Die dazu passende Formel lautet:
    Arbeitszeit x Entgelt pro Arbeitszeit x Mitarbeiter oder  Arbeitszeit x erwarteter Umsatz pro Zeiteinheit x Mitarbeiter

    Wege aus dem Konflikt

    Ein frühzeitig aufgebautes, innerbetriebliches Konfliktmanagement und Wirtschaftsmediationen können Konflikte lösen und Folgekosten vermeiden. Dazu gehören Maßnahmen, wie Deeskalationstrainings, Supervisionen, Konfliktcoachings, Konfliktklärungen und Mediationen. Mediation, als strukturiertes Streitbeilegungsverfahren, unterstützt auf den Ebenen Personal, Struktur und Kultur den Umgang mit Konfliktpotenzialen und die Lösungsfindung bei bereits bestehenden Konflikten. Sie minimiert damit die Auswirkungen krankmachender Vorfälle oder lässt sie erst gar nicht aufkommen.

    Konfliktmanagement ist Führungsaufgabe

    Führungskräfte haben in Konfliktsituationen die besondere Rolle, negative Folgen von Konflikten auf das Unternehmen zu verhindern. Ein guter Schritt in diese Richtung ist, geeignete Führungskräfte in Betrieben durch Schulungen mit mediativer Kompetenz auszustatten. So wird die heilende Wirkung von alternativer, strukturierter Streitbeilegung in Unternehmen verbreitet und eine signifikante Senkung der Krankheits- und Kostenquote wäre eine echte Option. Die nächste berufsbegleitende Qualifizierung in Konfliktmanagement mit Zertifikatslehrgang zum/zur (innerbetrieblichen) Mediator/in (BM®) startet am 14. März 2019. Informationsveranstaltung: 15. Dezember, 15 Uhr, Neue Schmiede, Bielefeld-Bethel

    Weitere Informationen: www.institut-schramm.de

    Ungelöste Konflikte kosten Geld


    Ein Know-how-Träger kündigt, da er sich gemobbt fühlt. Der Betriebsrat fordert die Kündigung des Vorgesetzten und droht mit rechtlichen Schritten. Der Vorgesetzte erklärt sich bereit das Unternehmen zu verlassen, wenn ihm eine Abfindung gezahlt wird.

    Kosten für Personen

    Fluktuation: 40.000 € (Know-how-Träger) + 100.000 € (Vorgesetzter): 140.000 €

    Krankheits- und Fehltage des Teams: 7.500 €

    Kontraproduktives Verhalten im Team: 150.000 €

    Kosten für Neugewinnung v. Kunden und entgangene Gewinne

    Kunden/Lieferanten: 6.000 €

    Mängel bei Projektarbeit: 30.000 €

    Entgangenen Aufträge: 5.000 €

    Rechtsanwaltskosten für Streit mit Betriebsrat, Abfindungskosten für Vorgesetzten

    Über- und Unterregulierung: 30.000 €

    Anreiz- und Gehaltssysteme: 5.000 €

    Arbeitsrechtliche Maßnahmen: 60.000 €

    Kosten für den Gesamtzeitraum (Zeitverlauf bis zu drei Jahren): 433.500 €