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    Kunststoffe

    Faszinierender Werkstoff 

    Ostwestfalen-Lippe zählt mit über 500 kunststofftechnischen Unternehmen und mehr als 17.000 Beschäftigten zu den führenden Kunststoffregionen. Das kommt nicht von ungefähr: Mit der Möbelindustrie und dem Maschinenbau prägen zwei starke Branchen die Region, die die kunststoffverarbeitende Industrie positiv beeinflussen. 

    Im Wettbewerb um die Materialien Glas, Metall und Holz punkten Kunststoffe gleich mehrfach. Deshalb werden sie zu ganz unterschiedlichen Produkten verarbeitet (Foto: Pixabay)

    „Es gibt kaum noch Produkte, die ausschließlich aus Metall hergestellt werden“, beschreibt Stefan Schmedding, Vorsitzender des Vereins Kunststoffe in OWL e.V., den Wandel des Marktes. „Die Entwicklung von Formen ist die Basis für die Kunststoffverarbeitung. Die Qualifikation für deren Herstellung liegt in der Metallverarbeitung. Auch hier verfügen wir über sehr gutes Know-how“, weiß der Vereinsvorsitzende. Seit 2012 ist der Verein aktiv, um die Strahlkraft des Werkstoffs zu erhöhen und seine Vorzüge in den Fokus zu stellen. Die Zusammenarbeit von Unternehmen mit Forschungseinrichtungen in der Region und die Förderung des Innovations- und Kompetenztransfers liegen dem Verein besonders am Herzen. „Technologisch haben die Unternehmen hier die besten Voraussetzungen, durch eigene Forschungszentren und Kooperationen mit den Hochschulen in Lemgo, Paderborn und Bielefeld die aktuellen Herausforderungen anzugehen“, sagt Stefan Schmedding. Zusätzlich geht es dem Verein darum, das Image der branchenspezifischen Berufsbilder zu verbessern, um junge Menschen für eine Ausbildung zu gewinnen. Parallel steht auch die regelmäßige Qualifizierung von Mitarbeitern auf der Agenda, die u.a. durch Kooperation mit dem Institut für Kunststoffwirtschaft (ikuowl) umgesetzt wird. Der Bedarf ist groß. Die Betriebe in der Region klagen zunehmend über zu wenige Auszubildende, auch Fachkräfte werden händeringend gesucht. „Die derzeitige Situation hemmt weiteres Wachstum“, betont der Vereinsvorsitzende.
    Die Faszination des Werkstoffs zu kommunizieren und in die Breite zu tragen, ist ein weiteres Ziel des Vereins. Die Chancen durch neue Verfahren und Werkstoffkombinationen zu innovativen Entwicklungen zu gelangen, so dass neue Produktmöglichkeiten entstehen, sind ein Grund dafür, dass jährlich der Kunststoff-Innovationspreis verliehen wird. „Wir prämieren junge Menschen, die sich in der Aus- oder Weiterbildung besonders hervorgetan haben. Im vergangenen Jahr erhielt ein Absolvent Universität Paderborn für seine Entwicklung eines Multimaterialrohrträgers mit umspritzten metallischem Einleger den Nachwuchspreis“, so Schmedding.
    Zusätzlich zeichnet der Verein ein Unternehmen aus, das durch Entwicklungen auf dem Gebiet der Kunststofftechnik, die Arbeitsprozesse nennenswert vereinfacht oder verbessert hat. Im letzten Jahr ging der Industriepreis an die Plasmatreat GmbH für ihre Entwicklung einer (stoff-)schlüssigen Verbindung zwischen Metall und Kunststoff mit der Bezeichnung Plasma-SealTight.
    „Neben der Würdigung des Einsatzes von Menschen und Unternehmen möchten wir so die Innovationskraft der Branche zeigen. Letztlich trägt diese auch entscheidend dazu bei, dass die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen gestärkt wird. Zusätzlich sollen auch Anwender aus der Industrie auf diese jeweilige Technik aufmerksam gemacht werden“, beschreibt Stefan Schmedding die Motivation.

    KONTEXT
    Im Wettbewerb um die Materialien Glas, Metall und Holz punkten Kunststoffe gleich mehrfach. Deshalb werden sie zu ganz unterschiedlichen Produkten verarbeitet. Technische Teile für die Elektro- und Automobilindustrie sowie Produkte für die Möbel- und Bauindustrie sind typische Erzeugnisse dieses Wirtschaftszweiges. Beispiel Automobilindustrie: Etwa 15 Prozent eines Autos werden aus Kunststoff gefertigt, Anfang der 70er Jahre waren es lediglich fünf Prozent. Die vielseitigen Eigenschaften von Polymeren sowie ihre vergleichsweise einfache Verarbeitung bei geringen Temperaturen erlauben ihren Einsatz in zahlreichen Gebieten des Fahrzeugbaus. Auch hier lassen Kunststoffe ihr ökologisches Potenzial spielen und tragen auf unterschiedlichen Wegen dazu bei, z.B. den Kraftstoffverbrauch zu senken. Extrem glatte Oberflächen, optimierte cw-Werte und natürlich ein geringeres Gewicht gehen maßgeblich auf den Einsatz von Polymeren zurück. Kunststoffe bieten auch ideale Voraussetzungen für den Einsatz in der Elektro- und Elektronikindustrie: Sie haben exzellente Isoliereigenschaften und sind darüber hinaus flexibel und widerstandsfähig.

    Weitere Informationen zum Thema und zum Verein Kunststoffe in OWL e.V.: www.kunststoffe-in-owl.de

    Foto: Pixabay