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    Kolumne: Warum immer mehr übers Gründen reden, aber immer weniger es tun

    Tristan Niewöhner ist Gründer und Geschäftsführer von persomatch. Foto: persomatch

    Start-ups und Entrepreneurship sind in aller Munde. Die Medien berichten darüber, unzählige Initiativen von Unternehmen, Universitäten, Stiftungen, etc. nehmen sich des Themas an. Es ist ein regelrechter Hype entstanden. Wie bei jedem Hype ist es wichtig, einen klaren Blick auf die nüchternen Fakten zu behalten, eine Fähigkeit, die man vielleicht uns Ostwestfalen besonders nachsagt. Die Anzahl der Unternehmensgründungen in Deutschland ist seit Jahren rückläufig! De facto wird also immer weniger gegründet.

    Woran liegt das? Kann und sollte man etwas dagegen tun?

    Weltweit, und natürlich auch in Deutschland und ganz besonders hier in Ostwestfalen, brummt die Wirtschaft. Es herrscht vielerorts Fachkräftemangel, es ist im Vergleich zu den letzten Jahren einfacher geworden, einen Job zu finden. Die Arbeitgeber überbieten sich dementsprechend gegenseitig im Wettkampf um die besten Talente mit flexiblen Arbeitszeitregelungen, Elternzeit, Sabbatjahr, hohem Gehalt usw. Arbeitnehmer zu sein, hat viele Vorzüge, die in den letzten Jahren oft noch größer geworden sind. Mit einer Unternehmensgründung geht man natürlich ein Risiko ein und verzichtet u.U. auch (im Idealfall nur eine gewisse Zeit) auf ein höheres Einkommen. Insofern ist es absolut nachvollziehbar, nicht zu gründen.

    Aber ist das überhaupt ein Problem? Jede Marktwirtschaft lebt davon, dass es Unternehmen gibt, die natürlich auch Arbeitsplätze schaffen können. Wir haben in Deutschland schon viele großartige Unternehmen, aber um im globalen Wettbewerb bestehen zu können, müssen wir immer neue Innovationen liefern, die oft von Start-ups geschaffen werden. Neue junge Unternehmen sorgen für neue frische Ideen, aus denen dann neue Produkte oder Dienstleistungen entstehen, die die Wettbewerbsfähigkeit der gesamten Volkswirtschaft erhalten und steigern können.

    Es gibt viele Initiativen, die sich der Steigerung der Gründungsaktivität verschrieben haben. Es geht darum, Menschen dafür zu begeistern und auch zu befähigen, Unternehmen zu gründen. Auch die Landes- und Bundespolitik widmet sich zunehmend diesem Thema. Es werden viele wichtige Impulse in die richtige Richtung gegeben. Dabei darf man nicht vergessen, dass eine Unternehmensgründung eine höchst individuelle Entscheidung ist. Es soll niemand zum Gründen verleitet werden, weil es gerade „cool“ oder „in“ ist. Aber ich bin davon überzeugt, dass eine Unternehmensgründung eine Chance sein kann, individuelle Freiheit, kreative Entfaltung und persönliche Weiterentwicklung zu erreichen. Eine Gründung ist sicher nicht der einzige Weg dorthin und auch nicht für jeden das Richtige. Aber ich glaube, dass es für mehr Menschen das Richtige ist, als nur für diejenigen, die es wirklich in die Tat umsetzen.

    Unternehmer kommt von unternehmen! – Start up now! Bis zum nächsten Mal.