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    Interview über Hochschulen als Innovationsfaktor

    „Hochschulen haben das Potenzial als Wissensknoten zu wirken“

    Nick Wagner, Wissenschaftlicher Referent beim Stifterverband, über Hochschulen als Innovationsfaktor für eine Region, Kooperationen mit der Wirtschaft und die Bedeutung einer nachhaltigen Gründungskultur.

    Warum ist eine Stärkung der Hochschulen als Wirtschafts- und Innovationsfaktor notwendig?
    Nick Wagner: Wertschöpfung findet heute in global-vernetzten, dynamischen Innovationssystemen statt. Hochschulen sind ein wichtiger Teil dieser Innovationssysteme. Sie stellen neues Wissen und Fachkräfte bereit. Je schneller dieses Wissen verfügbar gemacht wird, je geringer die Hürden zwischen Wissenschaft und Wirtschaft sind, desto stärker kann die Gesellschaft insgesamt profitieren. Insbesondere im regionalen Kontext haben Hochschulen das Potenzial, als Wissensknoten zu wirken und sich mit Erkenntnis- und Wissenstransfer noch mehr der Gesellschaft und Wirtschaft zu öffnen.

    Nick Wagner

    Nick Wagner: „Es darf nicht nur um einen bloßen Wissenstransfer in die Gesellschaft gehen, sondern um bidirektionale Interaktionsformen zwischen Hochschulen und externen Partnern, die Mehrwert für alle Beteiligten schaffen.“
    Foto: Stifterverband, David Ausserhofer

    Ein Ziel Ihres Engagements ist die Förderung und der Ausbau von Kooperationen zwischen Wirtschaft und Wissenschaft. Welches Konzept verbirgt sich hinter Ihrer Initiative „Innovationsfaktor Hochschule“?
    Nick Wagner: Die Initiative umfasst ein ganzes Bündel an Programmen und Veranstaltungen, welche wir gemeinsam mit der Heinz Nixdorf Stiftung realisieren. Da sind zum einen unsere Analysen: Im Hochschul-Barometer erfassen wir regelmäßig die Stimmung an den Hochschulen, identifizieren Trends und aktuelle Entwicklungen. Mit dem Gründungsradar erforschen wir die Gründungskultur an Hochschulen. Zum anderen veranstalten wir Tagungen, um mit Entscheidungsträgern und Experten aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft gemeinsam Handlungsbedarfe zu diskutieren und so Rahmenbedingungen, wo es nötig ist, weiterzuentwickeln. Aber wir gehen auch ganz konkret an Hochschulen, um in Rahmen von Audits diese dabei zu unterstützen, sich bestmöglich im Transferbereich aufzustellen.

    Welche (regionalen) Wertschöpfungspotenziale sollen mit dieser Initiative gefördert werden?
    Nick Wagner: In erster Linie geht es erst einmal darum, ein breites Bewusstsein für die Potenziale von Kooperationen zwischen Hochschulen und Wirtschaft zu schaffen. Nur wenn alle Beteiligten die Chancen gleichermaßen sehen und bereit sind, in solche Partnerschaften auch zu investieren, dann können auch Wertschöpfungspotenziale gehoben werden. Wollen die Partner aus Wissenschaft und Wirtschaft vor Ort ihre Zusammenarbeit ausbauen, dann unterstützen wir sie bei der Entwicklung ihrer Kooperationsstrukturen und Strategien.

    Welche neuen Impulse versprechen sich die Hochschulen z.B. für ihre Forschung und Lehre davon?
    Nick Wagner: Es darf nicht nur um einen bloßen Wissenstransfer in die Gesellschaft gehen, sondern um bidirektionale Interaktionsformen zwischen Hochschulen und externen Partnern, die Mehrwert für alle Beteiligten schaffen. Mögliche Kooperationsformen gehen von Abschlussarbeiten und Praktika in Unternehmen, über Gastvorträge und duale Studiengänge bis hin zu strategischen Kooperationen. Hochschulen erwarten sich durch diese Kooperationen eine praxisnahe und am Bedarf orientierte Lehre und eine Forschung, die durch Anforderungen von Unternehmen zu neuen Fragen und Lösungen kommt. Besonders spannend ist, wenn Grundlagenforschung auf ein konkretes Anwendungsfeld trifft und dann als Ausgründung unternehmerisch begleitet wird.

    Das Potenzial für Kooperationen ist noch lange nicht ausgeschöpft, zumal bislang nur weniger als zehn Prozent der Hochschulbudgets und weniger als zwei Prozent der gesamten FuE-Ausgaben von Unternehmen in Kooperationsprojekte fließen. Woran liegt das?
    Nick Wagner: Wesentlich war in den letzten Jahren, die Forschungsexzellenz und internationale Wettbewerbsfähigkeit von Hochschulen zu erhöhen. Politik und Hochschulen haben ihr Engagement entsprechend ausgerichtet und dementsprechend Erfolge erzielt. Weniger im Fokus steht die Rolle der Hochschulen als Innovationsfaktor an der Schnittstelle zu Wirtschaft und Gesellschaft. Wir begrüßen daher die jüngste Förderinitiative „Innovative Hochschule“ des Bundesforschungsministeriums. Sie lenkt den Blick auf die dritte Mission der Hochschulen: Transfer und Innovation.

    Besonders spannend ist, wenn Grundlagenforschung auf ein konkretes Anwendungsfeld trifft und dann als Ausgründung unternehmerisch begleitet wird.

    Neben Kooperationen mit etablierten Unternehmen sind auch die Neugründungen aus der Hochschule heraus ausbaufähig. Wo muss hier der Hebel angesetzt werden, um dieses Potenzial zu fördern?
    Nick Wagner: Die Gründungskultur entwickelt sich insgesamt positiv. Das EXIST-Programm des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie hat sich als Hebel herausgestellt, der Gründungsaktivitäten signifikant stärkt. Der Stiftverband empfiehlt darüber hinaus eine hochschulinterne Verknüpfung von Gründungslehre, -beratung und -forschung. Auch wirken sich die frühzeitige Vernetzung mit externen Partnern und eine Verankerung des Themas auf Ebene der Hochschulleitung positiv auf das Gründungsgeschehen aus. In Richtung der Unternehmen lässt sich sagen: Seien Sie offen, gehen Sie auf Hochschulen, Wissenschaftler und Studierende zu. Es gibt inzwischen eine Vielzahl von Möglichkeiten Wissen zu tauschen, gemeinsam Ideen zu entwickeln oder Partner zu finden.

     

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