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    Interview: „Führung hat etwas mit der eigenen Persönlichkeit zu tun“

    Nicole Kreie, Leiterin des Bereichs Projektservice International bei der WAGO Kontakttechnik GmbH & Co. KG in Minden, über mehr Frauen in Führungspositionen, die Herausforderung erfolgreicher Führung und wie Frauen für die MINT-Berufe begeistert werden können.

     

    Frau Kreie, wie lange sind Sie bei WAGO in einer Führungsposition und für wie viele Mitarbeiter tragen Sie Verantwortung?

    Nicole Kreie: „Führung ist keine einfache Aufgabe, hier sollte es an Zielorientierung und Klarheit in der eigenen Rolle nicht fehlen.“ Foto: WAGO

    Nicole Kreie: Ich bin seit 17 Jahren bei WAGO beschäftigt. Nach meinem Einstieg in das Unternehmen als Projektingenieurin für Elektrotechnik habe ich für WAGO das internationale Projektgeschäft über die Jahre aufgebaut und leite diesen Bereich mittlerweile seit dem Jahr 2006. Insbesondere durch die stetig steigenden Anforderungen an Systeme wächst linear auch mein Team – derzeit sind wir insgesamt 22 Personen.

    Führen Sie anders als Ihre männlichen Kollegen? Wie macht sich dieses bemerkbar?

    Nicole Kreie: Führung hat etwas mit der eigenen Persönlichkeit zu tun. Hier spielen die eigenen Wertvorstellungen und die gelebte Kultur im Team eine große Rolle. Mir ist ein Miteinander auf Augenhöhe und Wertschätzung jedes einzelnen Mitarbeiters sehr wichtig. Mein Team beschreibt mich als zielorientiert und fair, als entscheidungsstark und sehr loyal. Ich bemühe mich, einen modernen Führungsstil zu wahren und die Mitarbeiter über Motivation zu führen.

    Aus Ihrer Erfahrung: Was empfehlen Sie Frauen, die eine Führungsposition anstreben?

    Nicole Kreie: Entscheidend in einer Führungsrolle ist der Spaß im Umgang mit Menschen. Führung ist keine einfache Aufgabe, hier sollte es an Zielorientierung und Klarheit in der eigenen Rolle nicht fehlen. Ich habe enorm viel Energie und möchte viel bewegen, dadurch habe ich meine eigene Marke geprägt und arbeite konsequent darauf hin, meine Ziele umzusetzen. Die Glaubwürdigkeit der Marke ist entscheidend.

    Haben Sie das Gefühl, dass heute die Chancen für Frauen, eine Führungsaufgabe zu übernehmen, besser geworden sind? Woran machen Sie das fest?

    Nicole Kreie: In OWL sind viele kompetente und tolle Frauen in Führungspositionen, die Persönlichkeit und Professionalität leben. Und die Tendenz ist deutlich steigend. Es ist ein Stück weit selbstverständlicher geworden, eine Frau in Führung zu sein. Hierdurch steigt die Sichtbarkeit von führenden Frauen und wir füllen eine Vorbildrolle aus. Diese ist notwendig, um weitere Frauen zu motivieren und zu unterstützen, denselben Weg zu gehen. Dennoch könnte die Zahl der Führungsfrauen deutlich höher sein. Frauen sind ein fester Bestandteil der Arbeitswelt – auch in den technischen Berufen – als Resultat sollten Frauen ein fester und vor allem selbstverständlicher Bestandteil der Führungsebene sein.

    Was unternimmt Ihr Arbeitgeber konkret, um Frauen zu fördern und welche Maßnahmen gibt es, um Beruf und Familie miteinander vereinbaren zu können?

    Nicole Kreie: WAGO hat unterschiedliche Programme, um junge Mitarbeiter zu fördern. So gibt es bei uns ein Nachwuchsführungskräfte- und ein Projektmanagement-Entwicklungsprogramm. In diesen Programmen werden junge talentierte Menschen entwickelt, ausgebildet und gefördert, um anschließend eine verantwortungsvolle Position zu übernehmen. Wir setzen auch stark auf die Methode des Mentorings und nehmen an den Programmen von CrossMentoring OWL und OWL Maschinenbau teil. Über ein Jahr lang werden dabei junge Frauen von einer erfahrenen Führungsfrau aus einem anderen Unternehmen begleitet, die zudem zum individuellen Austausch zur Seite steht. Neben diesen Entwicklungsprogrammen bietet WAGO unter dem Stichwort „WAGO Plus“ eine Unterstützung für Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen mit dem Ziel an, Orientierung und Entlastung in belastenden und neuen Lebenssituationen zu ermöglichen.

    Sie sind Ingenieurin, wie lassen sich mehr Frauen auch für MINT-Berufe begeistern?

    Nicole Kreie: Die Prägung für die Wege der späteren Berufswelt beginnt bereits im Elternhaus, in der Familie und in der Schule. Meiner Erfahrung nach studieren Mädchen Technik, wenn sie bereits früh an MINT herangeführt wurden und sie den Spaß an der Technik für sich entdeckt haben. Uns fehlt in der Gesellschaft das Bild der Ingenieurin – viele junge Frauen können sich unter diesem Beruf nichts vorstellen. Hier spielt das Thema Sichtbarkeit von Frauen in MINT-Berufen erneut eine große Rolle. Mittlerweile werben daher viele große Firmen gezielt mit Frauen in technischen Berufen. Um die Sichtbarkeit besonders in OWL zu erhöhen, haben wir das Netzwerk MANAGERINNEN OWL gegründet und unterstützen gezielt junge Frauen auf ihren Karrierewegen.

     

    Kontext

    Nicole Kreie hat nach ihrer Ausbildung zur Technischen Zeichnerin Fachrichtung Elektrotechnik ein Studium der Elektrotechnik mit der Fachrichtung Elektrische Energietechnik absolviert und als Dipl.-Ing. Elektrotechnik (FH) abgeschlossen. Zusätzlich studierte sie postgradual den Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen mit dem Abschluss Dipl. Wirtschaftsingenieurin (FH). 2001 startete sie ihre Karriere bei WAGO Kontakttechnik, Minden, und baute mit ihrem Team das Projektgeschäft für Systemlösungen der Gebäudetechnik international auf. Seit 2011 ist sie Leiterin des Bereichs Projektservice International. Nicole Kreie, die 2013 eine internationale Auszeichnung der Hannover Messe „Engineer PowerWomen“ erhalten hat, ist als Ehrenamtliche in verschiedenen Gremien tätig und engagiert sich im Mentoring für junge Nachwuchsingenieurinnen der FH Köln sowie im Programm Cross Mentoring OWL für weibliche Nachwuchsführungskräfte. Außerdem ist sie im Netzwerk Managerinnen OWL und als MINT-ROLE-MODEL aktiv.

    Weitere Informationen: www.Managerinnen-owl.de