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    Gründerszene Westfalen

    Wie attraktiv ist die Region für Start-ups und wo sie sich mehr Unterstützung wünschen.

    Tristan Niewöhner, Gründer persomatch, Bielefeld .

    Mehr Mut und Selbstbewusstsein

    Ostwestfalen wird immer mehr als Gründungsstandort wahrgenommen. In der Vergangenheit haben sich viele großartige Gründungen zu Weltkonzernen und mittelständischen Hidden Champions entwickelt, die den Wirtschaftsstandort bis in die Gegenwart prägen. Heute entsteht eine neue Gründergeneration, die sich anschickt, die Zukunft ebenso zu gestalten. Vielleicht liegt uns Ostwestfalen das Gründen irgendwie im Blut. Man sagt uns ja nach, wir seien Sturköpfe und Querdenker. Ich kann nicht beurteilen, ob das stimmt, aber sicherlich sind das gute Eigenschaften, um neue Ideen zu entwickeln und diese dann konsequent umzusetzen.

    Wir haben hier gegründet, weil die Wege zu den etablierten erfolgreichen  Unternehmen und Institutionen kurz sind. Durch die starke Wirtschaft in der Region gibt es eine hohe Nachfrage nach Fachkräften in allen Bereichen, so dass unser Service, Stellenanzeigen bei Google zu schalten, um so von den passenden Bewerbern gefunden zu werden, auf fruchtbaren Boden trifft. Außerdem gibt es hier viele Gleichgesinnte, die etwas bewegen wollen. Was ich mir auf jeden Fall wünschen würde – dass es uns gelingt, die Scheu vor dem „Groß Denken“ abzulegen. Start-ups in Berlin oder im Silicon Valley verfügen über das Selbstverständnis, die Welt verändern zu wollen und es auch zu können. Am Ende einer Apple-Werbung hieß es einmal: „The people who are crazy enough to think they can change the world are the ones who do.” Wir haben definitiv auch die Voraussetzungen dafür, lasst uns selbstbewusster und mutiger sein!

     

    Eyüp Aramaz, Gründer FoodTracks, Münster/Bielefeld, Foto: Oliver Krato

    Die Stärken der Region nutzen

    Die Region Ostwestfalen-Lippe hat sich mittlerweile zu einem lukrativen Gründerstandort entwickelt. Das spüre ich seit ein paar Jahren am eigenen Leib und es freut mich sehr für unsere Region. Hochschulen, private und öffentliche Initiativen und der Mittelstand arbeiten Hand in Hand mit motivierten Gründerinnen und Gründern an Lösungen für ihre Herausforderungen von morgen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ein regelrechter Umbruch stattfindet – daran möchte ich in Zukunft teilhaben und aktiv mitwirken. Ich fände es jedoch auch toll, wenn die einzelnen Städte noch enger zusammenarbeiten und an einem gemeinsamen Strang ziehen würden. Es geht nicht darum, welche Stadt in OWL die hippere Startup-Location hat oder die cooleren Events veranstaltet. Wir müssen uns gemeinsam mit Wirtschaft, Hochschulen und Stadt überlegen, welche wirtschaftlichen Stärken unsere Region heute aufweist und welche Chancen es gibt, sie zu nutzen.
    Gerade die Zusammenarbeit zwischen Mittelstand und Start-ups stellt aus meiner Sicht ein neues Kapitel in der deutschen Wirtschaft dar. So können wir uns als Land der Erfinder und Tüftler erfolgreich im internationalen Markt behaupten und unsere Chancen entlang der Wertschöpfungskette sichern. OWL kann hier als Vorbild dienen.

    Thomas Reiher, Gründer von AMendate, Paderborn

    Weniger organisatorische Hürden

    In der OWL-Metropole Paderborn sehen wir für unser Start-up ideale Bedingungen, insbesondere die Gründerwerkstatt garage33 ist ideal, um an seiner Idee zu arbeiten und sie zur Marktreife zu bringen. Als Mitarbeiter und Studierende der Universität Paderborn war bereits die geografische Nähe Grund genug, den Kontakt aufzubauen und nach den ersten Gesprächen war klar: Hier fühlen wir uns wohl! Die in der garage33 angesiedelte Gründungsförderung TecUp ist zudem ein kompetenter und starker Wegbegleiter.
    Neben unterstützendem Coaching haben wir auch eine Zugangstür in die lokale Start-up-Szene gesucht. Technische Expertise ist unsere Stärke, doch der Start als Gründer wirft einige neue Fragen auf – hier helfen uns das Netzwerk und der Austausch mit Gleichgesinnten sehr. Beispielhaft für die Region OWL macht die garage33 Aufbruchsstimmung und Dynamik spürbar. Andere Entrepreneure, die bereits ähnliche Herausforderungen meisterten, geben schnell, unkompliziert und ehrlich ihre Erfahrungen und Tipps weiter.
    Aktuell ist die Suche nach qualifizierten Fachkräften eine dieser Herausforderungen. Zur weiteren Entwicklung von AMendate benötigen wir gute Programmierer. Um unser Team zu erweitern, setzen wir bei der Suche daher auch auf das Netzwerk in der Region.
    Dank EXIST-Gründerstipendium können wir uns seit Kurzem ganz auf den Aufbau unseres Start-ups konzentrieren und bereits jetzt prototypische Anwendungen anbieten. Parallel arbeiten wir daran, unsere Geschäftsfähigkeit auszubauen – denn der Prozess von Gründung bis Ausstellung der ersten Rechnung ist aufwändiger und langwieriger als erwartet. Über mehr Erklärung und generell eine Vereinfachung der organisatorischen Hürden bei Ämtern und Verwaltung würden sich sicher zahlreiche Start-ups in OWL sehr freuen.