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    Gründerplattform Founders Foundation

    Ready for take off 



    Wie finden Start-ups und etablierte Unternehmen zusammen und wie können sie sich gegenseitig inspirieren? Die Founders Foundation ist eine Plattform, die für beide Seiten Raum, Begleitung und Netzwerke schafft.

    Sonnenstrahlen hüllen den großen hellen Raum in ein besonderes Licht. Zweimal zwei Tischreihen mit Stühlen stehen in der Mitte, alle mit Laptops bestückt, auf einigen Plätzen sitzen junge Menschen, die konzentriert auf ihren Bildschirm schauen. Einer von ihnen ist Kim Kreutzer. Der junge Mann ist Gründer des Start-up „Yuscale“ und hat in der Bielefelder Altstadt im Inkubations-Camp von Founders Foundation nicht nur einen Schreibtisch und ein Dach über dem Kopf gefunden. 
Hier bekommt der Unternehmensgründer alles, was er für die Entwicklung seiner Geschäftsidee braucht. Wie zum Beispiel Mentoring und Coaching, Seminare für Finanzen und Marketing oder auch Pitch-Trainings.
    Kreutzers Start-up will eine digitale Diabetikerwaage auf den Markt bringen, die Zuckerkranken die Einhaltung von Diäten erleichtern soll. Der junge Gründer ist für den Vertrieb zuständig, sein Partner ist Ingenieur und hat das Produkt entwickelt. Grundlage für das Konzept waren Interviews mit den künftigen Nutzern, um eine speziell auf ihre Bedürfnisse zugeschnittene Lösung anzubieten.

    Founders Foundation

    Founders Foundation-Geschäftsführer Sebastian Borek möchte das regionale Ecosystem nachhaltig stärken. Foto: Founders Foundation

    „Wir sehen uns als Durchlauferhitzer“
    Für Sebastian Borek, Geschäftsführer von Founders Foundation und Ansprechpartner für alle Gründer, ein Beispiel für eine zukunftsweisende Geschäftsidee, die auf die Digitalisierung und den Wachstumsmarkt Healthcare  setzt. „Künftig wollen wir unseren Fokus bei der Auswahl der ambitionierten Gründer noch stärker auf Ideen aus dem Bereich Internet of Things (IoT) und Industrie 4.0 legen. Dort steckt ein riesiges Potenzial an Wertschöpfung. In OWL wird die Industrie 4.0 seit Jahren gefördert. Für Start-ups ist das ein ideales Umfeld“, sagt Borek. Er war selbst Start-up-Gründer und hat jahrelang in der Gründerszene und in etablierten Unternehmen gearbeitet. „Unser Ziel ist es, das regionale Ecosystem nachhaltig zu stärken und in wenigen Jahren zum homeland oft IoT zu werden“, zeigt sich Borek überzeugt.

    Ambitionierte Gründungswillige, die sich für einen Platz im Co-Working-Space interessieren, müssen ein Bewerbungsverfahren durchlaufen. „Uns interessiert ihre Persönlichkeit, ihre Motivation und Experimentierfreude. Das heißt, der einzelne Mensch steht hier im Fokus. Erst an zweiter Stelle schauen wir auf die Geschäftsidee“, beschreibt Borek die Auswahlkriterien. Diejenigen, die es geschafft haben, kommen in den Genuss vieler Annehmlichkeiten, die darauf abzielen, die eigene Idee nach dem Lean Starting Modell erfolgreich voranzutreiben.

    „Die Sicht eines Start-up ist für viele etablierte Unternehmen nicht selten befremdlich“

    Die „Gründerschmiede“ arbeitet nach einem systemischen Ansatz, den Sebastian Borek mit den Begriffen „inspire, training, unable und grow“ beschreibt. „Wir geben den Start-ups über verschiedene Formate die Möglichkeit, sich voll und ganz mit der Thematik zu beschäftigen. Dazu gehören zum Beispiel Events mit Unternehmern, die von ihren Erfahrungen berichten. Unsere Akademie vermittelt den Gründern das nötige Wissen zum Aufbau eines Start-up. Die Teilnahme am sechsmonatigen Inkubations-Camp ist dann konkret für diejenigen, die mit ihrer Geschäftsidee durchstarten möchten. Danach eröffnet sich eine weitere Möglichkeit, in diesem inspirierenden Umfeld, im sogenannten Pioneers Club, weiter zu arbeiten. Ebenfalls eine Neugründung von Founders Foundation und nur einen Steinwurf vom Co-Working-Space entfernt. Gestandene Unternehmen der Region können hier Mitglied und Teil der Community werden und mit Start-ups zusammenarbeiten. Ziel ist es, dass beide voneinander lernen und sich gegenseitig unterstützen. Ein namhaftes Unternehmen hat bereits einige Mitarbeiter hierher entsandt, damit diese gemeinsam mit Gründern das eigene Geschäftsmodell auf seine Zukunftsfähigkeit überprüfen. „Die Sicht eines Start-up ist für viele etablierte Unternehmen nicht selten befremdlich, zu unterschiedlich ist ihre Denke. Beide Seiten müssen sich erst finden und ihre gemeinsame Experimentierfreude entdecken. Im besten Fall entwickelt sich hieraus Begeisterung“, beschreibt Sebastian Borek. Der Wahlbielefelder weiß, dass hier oftmals zwei Denkweisen aufeinander prallen. In vielen traditionellen Firmen herrsche ein Ingenieurdenken alter Schule: Bevor ein Produkt nicht absolut perfekt sei, dürfe es nicht einmal in die Nähe des Kunden. „Viele Unternehmen leben von Hypothesen und wissen gar nicht, was der Kunde wirklich wünscht. Wir dagegen lehren: Nach jedem Entwicklungsschritt unbedingt erst einmal Feedback von den Nutzern einholen“, so Borek, der sich über die positive Resonanz in den letzten Monaten überrascht zeigt. Alles was sie bisher gemacht hätten, habe sehr gut funktioniert.

    „Wir können uns nur als Region gegenüber den Hubs in den Metropolen behaupten“, freut sich Borek und blickt optimistisch in die Zukunft. Und das auch, weil die Unternehmen der Region von dem Engagement und den Aktivitäten begeistert sind. In den letzten Monaten haben unzählige namhafte Unternehmer den Fuß ins Gründer-Camp gesetzt, groß war ihr Interesse an der Arbeit der jungen Menschen, ebenso groß der Reiz, selbst von einigen Ideen für das eigene Unternehmen zu profitieren und Teil dieses besonderen Klimas zu werden.

    KONTEXT
    Die Founders Foundation ist eine gemeinnützige Plattform der Bertelsmann Stiftung, die interessierte Start-up-Gründer zusammen bringen möchte und ihnen hilft, erfolgreiche Unternehmen aufzubauen. Über Events, Seminare, ein Netzwerk zu erfolgreichen Gründern, Unterstützung bei der Finanzierung und der Bereitstellung von Co-Working-Spaces erleichtert die Founders Foundation die Ausbildung zum
    Gründer. In den nächsten fünf Jahren sollen bis zu 17 Millionen Euro in der Region investiert werden. Neben Bielefeld sind weitere Standorte in Paderborn, Gütersloh, Lemgo und Herford geplant.