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    Fuckup Nights OWL

    Gescheiterte Helden

    Über Erfolge spricht man gerne – über ihr Scheitern reden nur wenige. Anders bei den Fuckup Nights OWL: Hier berichten Menschen regelmäßig über ihre Niederlagen. Am 5. Juli findet das Veranstaltungsformat in der Weberei in Gütersloh statt.

    Die Fuckup Nights sollen unterhalten, Optimismus verbreiten und der Inspiration dienen. Foto: Fuckup Nights OWL

    Tristan Niewöhner steht im Rampenlicht, gut 160 Augen sind auf ihn gerichtet. Professionell, unterhaltsam und mit ein wenig Humor berichtet er darüber, wie sein Start-up gescheitert ist, und warum seine zunächst so verheißungsvoll klingende Geschäftsidee keine Chance hatte, sich nachhaltig durchzusetzen. Das war im Oktober 2015 – auf der ersten Fuckup Night OWL in Bielefeld. Aktuell ist die sechste in Planung.
    Tristan Niewöhner, der mittlerweile mit seinem neuen Unternehmen persomatch gestartet ist, ist einer der Veranstalter. Zusammen mit Eyüp Aramaz organisiert er die Fuckup Nights OWL. Aramaz ist Co-Gründer von FoodTracks, ein Start-up, das Verkaufsdaten von Bäckereien analysiert, um die Wareneinsatzplanung zu optimieren. Auch er hat selbst erfahren, was es bedeutet, mit beruflichen Niederlagen umzugehen. In der Gründerszene kennen sie sich bestens aus. Beide waren vor der Gründung ihrer eigenen Unternehmen für die Founders Foundation als Botschafter in Paderborn und Bielefeld tätig und haben hier wichtige Aufbauarbeit für die Start-up-Kaderschmiede geleistet.

    Die beiden Entrepreneure wissen, dass nur wenige Gründer den Mut haben, offen über ihr Scheitern zu reden. Dabei sind solche Erfahrungsberichte eine wertvolle Ressource für die Start-up-Szene. Mit ihrem auf die Region ausgerichteten Veranstaltungsformat Fuckup Nights, dessen Ursprung in Mexiko liegt, und mittlerweile als Plattform für gescheiterte Jungunternehmer weltweit durchgeführt wird, möchten die beiden Gründer das Positive am Scheitern in den Fokus und alte Denkmuster auf den stellen Kopf stellen. „Wir wollen einen positiven Blick auf Rückschläge werfen. Scheitern ist keine Schande, sondern birgt neue Chancen“, sagt Eyüp Aramaz. Das heißt für ihn jedoch nicht, das Scheitern generell zu glorifizieren. Seine Intention ist es, den Misserfolg zu entstigmatisieren und als etwas Normales anzusehen. Ein solches Event könne helfen, den gesellschaftlichen Blick auf fehlgeschlagene Projekte zu verändern. Gleichzeitig könne sie Gründern und Gründungsinteressierten vermitteln, welche Fehler unbedingt vermieden werden sollten.

    „Wir müssen das Thema Scheitern in ein anderes Licht rücken.“

     „Scheitern kann ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum Ziel sein. Es gibt gute Bespiele dafür, dass Gründer erfolgreich aus einer Niederlage hervorgehen“, so Tristan Niewöhner. Die engagierten Macher treibt noch ein weiteres Anliegen um: Mit den Fuckup Nights wollen sie Menschen motivieren und ihnen Mut machen, ein eigenes Unternehmen zu gründen. „Viele scheuen sich, ein Risiko einzugehen, sie haben Angst vor dem Misserfolg und wählen eher eine sichere Festanstellung“, plädiert Aramaz für mehr Gründungswillige.
    Und das mit gutem Grund: Die Zahl der Unternehmensgründungen in Deutschland ist seit Jahren rückläufig. Die gute Lage auf dem Arbeitsmarkt, die demografische Entwicklung, aber auch bürokratische Hürden und finanzielle Belastungen führen dazu, dass die Bereitschaft vieler Menschen zum Gründen gering ist. Diese Entwicklung ist schädlich für die Wirtschaft und wirkt sich negativ auf die Innovationsstärke aus. Unternehmensgründer bringen wichtige Innovationen voran, schaffen Arbeitsplätze – damit fördern Neugründungen nicht nur die wirtschaftliche und soziale Entwicklung in Deutschland, sondern auch unsere internationale Wettbewerbsfähigkeit.

    Mit Spannung blicken Aramaz und Niewöhner auf die bevorstehende Fuckup Night. Die beiden Veranstalter rechnen mit gut 150 Besuchern. Sie sind stolz, auch dieses Mal wieder interessante Redner präsentieren zu können. Darunter sind z. B. ein heute erfolgreicher Unternehmer aus Berlin, der in frühen Jahren gescheitert ist und seine Wurzeln in OWL hat.
    Auch das Publikum ist bunt gemischt. Gestandene Unternehmer, die nicht in der Start-up-Szene unterwegs sind, verfolgen mit Spannung, was die „gescheiterten Helden“ zu berichten haben. Außerdem finden sich Gründungsinteressierte ein, aber auch Menschen ohne konkrete Gründungsabsichten sind hier anzutreffen. „Diese Veranstaltungen sollen unterhalten, Optimismus verbreiten und auch der Inspiration dienen“, beschreibt Tristan Niewöhner.

     Aus Niederlagen lernen

    In der Regel finden etwa 80 bis 250 Interessierte den Weg in die jeweils an variierenden Orten stattfindenden Events. Neben Start-up-Gründern berichten auch klassische Existenzgründer verschiedenster Branchen über ihre Erfahrungen und auch etablierte Unternehmen sind bereit, über ihr Scheitern zu sprechen.
    Die positive Resonanz zeigt, dass das Interesse an Veranstaltungen dieser Art vorhanden und dass allmählich auch ein Bewusstseinswandel festzustellen ist. „Das Thema Scheitern gewinnt langsam in den Unternehmen und Hochschulen an Bedeutung. Immer mehr Verantwortliche begreifen, dass Niederlagen manchmal unausweichlich sind, um die eigene Innovationskraft zu behalten. Die Ermutigung der eigenen Mitarbeiter, etwas Neues auszuprobieren und dabei einen Fehler zu machen, ist Teil dieser neuen Führungskultur“, ist Aramaz überzeugt.
    Die Begleitung von Unternehmen in diesem Veränderungsprozess ist den beiden Start-up-Gründern ein wichtiges Anliegen. Mit Impulsvorträgen in Unternehmen und Schulen möchten sie Denkanstöße geben, die Philosophie der Fuckup Nights hier lebendig werden lassen.

    Im Laufe des Jahres wird es noch eine weitere Fuckup Night geben, gleichzeitig arbeiten Aramaz und Niewöhner daran, ihr Format noch weiter zu professionalisieren. „Ziel ist es, in größere Räumlichkeiten zu gehen, um noch mehr Besucher anzusprechen. Zusätzlich möchten wir auch den ein oder anderen überregionalen Kontakt generieren“, legt Niewöhner die Messlatte fest.

    Kontext

    Die 6. Fuckup Night findet am 5. Juli, 19 Uhr in der Weberei Gütersloh statt.
    Die Teilnahme ist kostenfrei. Anmeldung per Mail (mit Angabe des Vor- und Nachnamens): hi@funowl.de oder direkt: https://www.f6s.com/fuckupnightsguterslohvol6/
    Über das Thema Scheitern informiert auch ein Podcast mit dem Thema „Fuckup – gescheitert und aufgestanden.“ Eyüp Aramaz interviewt hier Menschen, die mit ihrem Start-up gescheitert sind. Mehr unter: www.fuckup-podcast.com