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    FoodTracks

    Mehr Intelligenz in der Bäckerei

    FoodTracks mischt das Bäckereihandwerk auf. Das Start-up hat ein Datenanalyse-Tool für Bäckereien entwickelt und befördert damit die Backbranche ins digitale Zeitalter. 

    Der große Schreibtisch im Coworking Space im Bielefelder DELIUS Haus ist akribisch aufgeräumt, hier hat alles seinen Platz. Am Bildschirm sitzt Eyüp Aramaz, der Gründer und Geschäftsführer von FoodTracks braucht das, klare Strukturen Ordnung und Übersicht – das ist ihm wichtig. Von hier aus macht er Vertrieb für das 2016 gründete Unternehmen. Sein Partner und Mitgründer Dr. Tobias Pfaff sitzt im Münsteraner Büro – der Produktentwickler ist promovierter Diplom-Kaufmann und beschäftigt sich seit über zehn Jahren mit dem Thema Datenanalyse.

    Foodtracks

    FoodTracks revolutioniert das Controlling im Bäckerhandwerk: die beiden Gründer Eyüp Aramaz und Dr. Tobias Pfaff

    Die beiden jungen Unternehmer haben sich bei Founders Foundation, einem von der Bertelsmann Stiftung initiierten Modellprojekt zur praxisorientierten Ausbildung von Start-up-Gründern, kennengelernt und hier ist die Geschäftsidee für FoodTracks entstanden. „Für Tobias war klar, dass sein Know-how in der Datenanalyse Basis für eine Unternehmensgründung sein sollte. Die Lebensmittelbranche hatten wir ebenfalls im Fokus“, sagt Eyüp Aramaz. Das Unternehmerische liegt ihm, Dinge selbst in die Hand zu nehmen und zielstrebig seinen Weg zu gehen, das ist seine Welt. Deshalb hat der 28-jährige Bielefelder auch seine Tätigkeit als auf Lebenszeit beamteter Polizeikommissar in Hannover aufgegeben, vor vier Jahren ein Wirtschaftsstudium absolviert und sich nun mit der Gründung von FoodTracks den Traum vom eigenen Unternehmen erfüllt.

    Gespräche mit großen Konzernen wie Metro und EDEKA und ihre Idee, die Lebensmittelbranche ins digitale Zeitalter zu führen, verliefen im Sande. Aramaz und Pfaff ließen sich nicht entmutigen, im zweiten Anlauf gingen sie auf das Bäckereihandwerk zu. In der Bielefelder Bäckerei Pollmeier und der Vollkornbäckerei cibaria in Münster fanden sie ihre ersten Kunden. Sie bestätigten den Gründern, dass das Potential groß sei, durch Datenanalyse Optimierungen in der Bestellplanung und im Verkauf zu erzielen.

    Jeder Bäckermeister kennt die Problematik. Welches Produkt soll in welcher Menge in welche Filiale geliefert werden? „Eine Bäckerei muss wöchentlich über 40.000 Entscheidungen alleine bei der Bestellplanung treffen. Wieviel ist genug und wieviel ist zu viel? Und damit sind nicht längst alle Entscheidungen für Verkauf und Personalplanung mit einbezogen“, bringt Aramaz die Problematik auf den Punkt. Für einen Menschen unmöglich, aufgrund der Komplexität eine richtige Entscheidung zu treffen. Helfen kann jedoch eine Software-Lösung.

    Die von FoodTracks entwickelte Smart-Data-Software basiert auf einer einzigartigen Kombination von Algorithmen aus der Wissenschaft und langjährigem Know-how in Big Data, Data Science und Predictive Analytics.

    Jede Bäckerei generiert über ihre Kasse täglich eine Menge an Daten. „Diese wertvolle Quelle nutzen wir, um mit Hilfe unserer Software Zusammenhänge zu erkennen und konkrete Handlungsempfehlungen zu erstellen, unter Berücksichtigung von Faktoren wie Wetter, Ferientagen, Rabatten oder anderen Aktionen. Auf diese Weise können Verantwortliche in den Bäckereien ihre Bestellplanung, ihren Verkauf und ihr Personalmanagement messbar optimieren und Ineffizienzen langfristig vermeiden“, beschreibt Dr. Tobias Pfaff den großen Nutzen. Außerdem gehe mit der Datenanalyse noch ein weiterer Mehrwert einher – die genaue Planung reduziere zusätzlich die Lebensmittelabfälle.

    Vom Erfolg ihrer Geschäftsidee sind die beiden überzeugt. Gemeinsam mit ihren Kunden entwickeln sie weitere Module, die die verschiedenen Problemstellungen in der Branche adressieren. „Bäckereien für die Zukunft stark zu machen, sie wettbewerbsfähig aufzustellen und das Sterben der Betriebe aufzuhalten, ist unsere Motivation. Wenn wir sie befähigen, bessere Entscheidungen zu treffen, sind sie auf einem guten Weg“, sagt Aramaz. Neben den beiden festen Kunden, konnten sie vor Kurzem zwei Bäckereien für ihre Dienstleistung begeistern. Mit fünf weiteren Betrieben befinden sie sich in Gesprächen.

    Auch der Nahrungsmittelriese Oetker ist von der Idee begeistert. Im August haben die Bielefelder in das Start-up investiert und sich eine Minderheitsbeteiligung am Unternehmen gesichert. Hier konnten die Unternehmer wieder von Founders Foundation profitieren, die als Türöffner den Kontakt herstellte. „Das hat unserer finanziellen Situation sehr gut getan.“