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FH Bielefeld

BESSERER LÄRMSCHUTZ UND INTELLIGENTE VERNETZUNG

Gründungsprojekt HEA²R - Headset for Augmented Auditive Reality

Projektleiter Tobias Lehmann, Mentor Prof. Dr.-Ing. Joachim Waßmuth (ISyM) und Entwicklungsleiter Dennis Kaupmann (v.l.) Foto: FH Bielefeld

Im Institut für Systemdynamik und Mechatronik (ISyM) der Fachhochschule Bielefeld ist das Gründungsprojekt HEA²R – Headset for Augmented Auditive Reality – gestartet. Hier wird ein vollkommen neuer Gehörschutz mit zahlreichen Sonderfunktionen entwickelt, der die Mitarbeiter etwa im produzierenden Gewerbe bestmöglich schützen und gleichzeitig Arbeitsabläufe erleichtern soll. Lärmbelästigung ist allgegenwärtig: Der Mensch ist im Alltag und vor allem im industriellen Umfeld dauerhaft einer großen Flut von akustischen Eindrücken ausgesetzt. Die gesundheitlichen Folgen dieses Lärms sind deutlich zu erkennen. Nach einer aktuellen Studie der Jade Hochschule Oldenburg leiden alleine in Deutschland rund elf Millionen Menschen unter Schwerhörigkeit, und in einigen relevanten Industriezweigen werden 56 Prozent aller Berufskrankheiten durch Lärm verursacht. Schätzungen des Instituts für Gesundheitsökonomik München aus dem Jahr 2011 beziffern den entstehenden volkswirtschaftlichen Schaden auf jährlich 2,6 Milliarden Euro.
Der neue, so genannte hybride Gehörschutz zeichnet sich durch drei wesentliche Merkmale aus und erweitert den industrieüblichen, passiven Gehörschutz um eine neuartige aktive Gehörschutzlösung. „Damit setzt er neue Standards bei der Unterdrückung von Lärm“, beschreibt der Projektleiter. Dies führe zur Entlastung des Nutzers und biete dauerhaften Schutz vor akustischer und mentaler Überbelastung. Lehmann: „Die integrierte Kommunikationslösung ermöglicht den Mitarbeitern auch an Lärmarbeitsplätzen eine natürliche Sprachkommunikation. Der Gehörschutz muss nicht mehr abgenommen werden, um sich mit Kollegen zu verständigen.“  Zusätzlich ermögliche der Gehörschutz durch intelligente Vernetzung im Kontext von Industrie 4.0 weitere Assistenzfunktionen, beispielsweise für Produktion und Logistik. Lehmann: „So lassen sich vielfältige und auf den Kundenbedarf zugeschnittene Anwendungen realisieren, wodurch HEA²R nachhaltig die Produktivität in Unternehmen steigert.“ Schon 2012 hatte das ISyM-Gründerteam unter der Leitung von Prof. Dr.-Ing. Joachim Waßmuth vom Fachbereich Ingenieurwissenschaften und Mathematik begonnen, an Möglichkeiten der aktiven Störschallkompensation zu forschen. Waßmuth: „Die damaligen Ergebnisse waren so vielversprechend, dass die Entwicklung von den beiden wissenschaftlichen Mitarbeitern Tobias Lehmann und Dennis Kaupmann weitergeführt wurden, um darauf aufbauend den Forschungsantrag für das jetzige Projekt auszuarbeiten.“
Das Programm Exist-Forschungstransfer adressiert herausragende forschungsbasierte Gründungsvorhaben, wobei das Projekt nach eingehender Begutachtung einer Expertenjury aus Wirtschaft und Wissenschaft im Mai 2017 von dieser für die Förderung empfohlen wurde. Waßmuth: „Das Projektformat ist einmalig in OWL und unterstreicht die Innovationshöhe des Vorhabens und das Potential der aktuell wachsenden Gründerlandschaft in der Region.“  Das Gründerteam wurde mittlerweile um zwei weitere Absolventen der Fachhochschule Bielefeld erweitert. Unterstützt wird das Team außerdem durch die Institutsmitglieder des ISyM, die ihre umfangreiche Expertise im Bereich Human Mechatronics einbringen.
Dekan Prof. Dr.-Ing. Lothar Budde vom Fachbereich Ingenieurwissenschaften und Mathematik erklärt, warum das Projekt gut zum Fachbereich passt: „Wir entwickeln Technik für den Menschen. Das ist ein bedeutender Bestandteil unserer Forschungsstrategie.“ HEA²R wird durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie und den Europäischen Sozialfonds im Rahmen des Förderprogramms „EXIST Forschungstransfer“ mit insgesamt rund 627.000 Euro gefördert. Projektleiter Tobias Lehmann: „Innerhalb der 18-monatigen Projektlaufzeit soll ein funktionaler Prototyp entstehen, der Partnerunternehmen zum Testen zur Verfügung gestellt wird. Hierfür sucht das Projektteam aktuell noch weitere Firmen, die sich eine Nutzung des Systems vorstellen können und Interesse an einer Einbindung in das Projekt haben.“ Im Anschluss an die Projektphase planen die Wissenschaftler ihre Unternehmensgründung aus der Hochschule.

Weitere Informationen: www.hea2r.com 

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