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Westfalens Beste 2014: Phoenix Contact GmbH & Co.KG

Zweiter Platz mawi Innovationsranking 2014
„Ehrgeiz, Neugier, Bodenständigkeit und ein echtes Klima“

M&W: Welche innerbetrieblichen Faktoren sind für Sie die tragende Säule Ihres Innovations- und Geschäftserfolgs?

Angela Josephs, Pressesprecherin, Phoenix Contact GmbH & Co.KG

Angela Josephs, Pressesprecherin, Phoenix Contact GmbH & Co.KG

Angela Josephs: Ich sehe drei wesentliche Faktoren: Einerseits ist es die von den Firmenvätern vermittelte Kultur, sich mit erreichten Neuerungen nicht zufrieden zu geben, sondern immer weiter zu forschen, was Produkte im wahrsten Sinne des Wortes „er-tüchtigt“, also leistungsfähiger, komfortabler für den Anwender oder kleiner, also platzsparender macht. Das ist die vornehmste Verpflichtung im Sinne des Kundennutzens. Andererseits ist es der unternehmerische Drang, neue Märkte, regional und branchenbezogen, zu erobern. So sind wir sehr früh nach China gegangen, in Zeiten, wo andere das für ein Himmelfahrtskommando hielten. Heute ist es unser zweitgrößter Auslandsmarkt. 2013 haben wir unsere Tochtergesellschaft für Elektromobilität gegründet, um uns als Lieferant von Produkten und Systemen für Lade-Infrastruktur der PKW als auch der Ladesäulen zu etablieren. Damit sind wir jetzt direkter Zulieferant der Automobilindustrie, und zwar beim Endprodukt, dem Auto. Drittens ist ein geschäftlicher Erfolgsfaktor die eiserne Regel: Liquidität vor Wachstum. Es muss immer genug Wasser unterm Kiel sein, damit der Tanker schwimmt, also immer Geld in der Kasse. Bei aller Leidenschaft für Wachstum – sich in Wachstumseuphorien zu verlieren, ist bei uns Tabu. Man könnte es auf drei Eigenschaften bringen: Ehrgeiz – Neugier – Bodenständigkeit. Die Abrundung des Ganzen ist ein ideeller Faktor: Die gute Unternehmenskultur, in der Menschen gerne und leistungsfähig arbeiten. Ohne ein echtes Klima gedeiht nichts.

M&W: Lässt sich feststellen, dass ein Teil Ihres Erfolgs auch in der Wirtschaftsstruktur des Standortes begründet ist?

Angela Josephs: Ja, zum Teil in der Struktur der Wirtschaft und zum Teil in der Region selbst. In einer überschaubaren Region wie Lippe ist die Vernetzung und das kooperative Arbeiten schon lange geübte Praxis: Wirtschaft und Hochschule tun das, Wirtschaft und allgemeinbildende Schulen, Wirtschaft und Kommune oder Kreisverwaltung sowie Wirtschaftsunternehmen untereinander. Ein Kammerbezirk wie Lippe lässt Anonymität nicht zu, man kennt sich und pflegt Kontakt. Andererseits schätzen wir die Region als Standort: Er bietet Raum, unser expandierendes Werksgelände auszudehnen oder neue Gelände zu erwerben, attraktive Immobilienpreise für Mitarbeitende, die Hochschule OWL als Ingenieurs-Schmiede für beruflichen Nachwuchs und den heimatliebenden Lipper, der der Region und uns als Arbeitgeber treu bleibt – auch wenn Headhunter mit höheren Gehältern und Karrieresprossen locken.