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Was beschäftigt Sie?

Frank Wolters, Wirtschaftsförderer 

„Paderborn ist auf dem Weg zur digitalen Stadt“

Frank Wolters

Frank Wolters, neuer Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Paderborn mbH

Wie beurteilen Sie die aktuelle Situation und wirtschaftliche Entwicklung Paderborns?
Der Wirtschaftsstandort Paderborn und die Region insgesamt sind im Kern gut aufgestellt. Die Entwicklung der vergangenen Jahre deuten eindeutig darauf hin, dass die konjunkturelle Entwicklung auch in Paderborn Früchte getragen hat. Das universitäre Umfeld hat einen wichtigen Beitrag dazu geleistet. Der Wissenstransfer von der Hochschule in die Wirtschaft hat sich außergewöhnlich gut entwickelt. Die Start-ups, die sich hier aus der Uni gegründet haben, sind ein gutes Beispiel dafür.

Mittlerweile steht Paderborn im Bundesvergleich aller Hochschulstandorte auf Platz zwei bei den Ausgründungen aus der Hochschule. Und genau hier gilt es auch weitere Akzente zu setzen. Darüber hinaus ist der inhabergeführte Mittelstand in Paderborn sehr stark vertreten, Paderborn zeichnet sich durch eine enge Verknüpfung von Wirtschaft und Gesellschaft aus, das sorgt für Stabilität in der Struktur und auch für einen besonderen Zusammenhalt.

Welche größeren Aufgaben stehen in der nahen und ferneren Zukunft ganz oben auf Ihrer Agenda?
Trotz der guten Ausgangslage muss der Standort weiterhin zukunftsfähig aufgestellt und damit auch weiter entwickelt werden. D.h. neben der Verfügbarkeit von Gewerbeflächen in entsprechender Lage und Qualität, muss es gelingen, auch den Wohn- und Lebensstandort Paderborn weiter zu entwickeln. Die Voraussetzungen dafür sind im Grundsatz geschaffen und mit den Konversionsflächen auch verfügbar. Hier haben Politik und Verwaltung wichtige Entscheidungen getroffen und weitere sind  zu treffen. Die Zukunft des Wirtschaftsstandortes hängt davon ab. Städte können viel von der Wirtschaft lernen; es ist wichtig, auf die Bedürfnisse von Unternehmen zu reagieren. Bei meiner bisherigen Tätigkeit war es wichtig, schnell reagieren zu können, damit Unternehmen zügig Investitionssicherheit haben. Das bedeutet auch die enge Bindung eines Projektes an einen Projektleiter, damit das Unternehmen weiß, dass die Fäden an einer Stelle zusammen laufen. Das ist eine wichtige Komponente und unterscheidet am Ende auch erfolgreiche von weniger erfolgreichen Standorten.

Die WFG Paderborn wird sich in Zukunft verstärkt dem Themenkomplex „Digitale Wirtschaft“ zu wenden. Hier gilt es mit den Akteuren (Uni, TecUP, It´s OWL u.a.) weitere Ideen und Vorstellungen für eine auf Zukunft ausgerichtete Kooperationsstrategie zu entwickeln. Paderborn ist auf dem Weg zur digitalen Stadt, die Bewerbung zum Wettbewerb von BITKOM und Dt. Städtetag ist da nur der Anfang. Hier liegen enorme Potenziale, die wir gemeinsam nutzen und heben sollten.

Und was ist für Sie das Faszinierende an Wirtschaftsförderung?
Jeder Tag ist anders. Wirtschaftsförderung ist für mich ein Traumjob. Ich kann gestalten, im Netzwerk arbeiten, lerne jeden Tag neue Menschen, neue Unternehmen und neue Projekte kennen. Probleme gilt es zu erkennen und dann mit allen relevanten Partnern auf Augenhöhe, Lösungen zu finden. Es ist ein permanenter Lernprozess, denn jeder Fall, jedes Unternehmen ist anders.

Gerne arbeite ich mit mittelständischen Unternehmen zusammen. Dort sind die Entscheidungswege kurz, die Aussagen sind verbindlich und man sieht sehr schnell die Umsetzung von Projekten. Natürlich kann man auch international arbeiten. Seit vielen Jahren kooperiere ich mit der landeseigenen Wirtschaftsförderungsgesellschaft NRWinvest, die sich um die Akquisition von internationalen Unternehmen bemüht. Aber auch die Prozesse mit Politik und Verwaltung sind spannend. Ein Bewusstsein für Interessenausgleich und Diplomatie sind wichtige Voraussetzungen, um in der Wirtschaftsförderung erfolgreich Akzente setzen zu können. Der Mensch steht im Mittelpunkt der Arbeit, das ist ganz wichtig.

KONTEXT
Frank Wolters ist seit März neuer Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Paderborn mbH. Nach dem Studium der (Wirtschafts-)Geographie und des Bauingenieurwesens in Duisburg und Aachen, hat er u.a. für die Wirtschaftsförderungs- und die Landesberatungsgesellschaft des Landes NRW gearbeitet. Anschließend folgte eine Tätigkeit als Vorstand im Bereich Politik- und Unternehmensberatung in einer Düsseldorfer Sozietät. In den letzten zwölf Jahren hat Frank Wolters den Wirtschaftsstandort Neuss als leitender Wirtschaftsförderer, zunächst als Abteilungs-, später als Amtsleiter, weiter entwickelt.