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Unternehmensnachfolge bei der GmbH & Co. KG

Mit Weitsicht planen

Eine beliebte Rechtsform für Familienunternehmen des Mittelstands ist die GmbH & Co. KG. Sie verbindet die Vorteile der Personengesellschaft mit der Haftungsbeschränkung der GmbH. Familienunternehmer sollten die Regelung der Unternehmensnachfolge mit  Weitsicht planen.

Dr. Sabine Cziborra

Dr. Sabine Cziborra: „Die familieninterne Nachfolge ist oft die Wunschvorstellung, aber auch hier bedarf es einer guten Planung, um negative steuerliche Konsequenzen zu vermeiden.“

Vor dem endgültigen Rückzug aus der Unternehmensspitze gilt es, sich über die gewünschte Nachfolgeart im Klaren zu werden. Die familieninterne Nachfolge ist oft die Wunschvorstellung, aber auch hier bedarf es einer guten Planung, um negative steuerliche Konsequenzen zu vermeiden.
Ohne testamentarische Regelung werden alle Erben entsprechend ihrer gesetzlichen Erbquote Gesellschafter. Die Erben verfügen als Erbengemeinschaft zunächst zur gesamten Hand über die GmbH-Anteile. Die Kommanditanteile des Verstorbenen gehen dagegen im Wege der Sondererbfolge im Verhältnis ihres Erbanteils über, sofern keine sog. Fortsetzungsklauseln oder qualifizierte Nachfolgeregelungen in den Verträgen der Personengesellschaft vereinbart wurden. Es folgt eine oft mühsame Erbauseinandersetzung, die bei Streitigkeiten das Unternehmenswohl stark gefährden kann. So kann durch ungünstige Stimmrechtsverhältnisse eine schnelle Entscheidungsfindung erschwert werden.
Problematisch ist die Unternehmensnachfolge in der GmbH & Co. KG, wenn der Gesellschafter über seine Beteiligungen an der KG und GmbH unterschiedlich letztwillig verfügt oder der Gesellschaftsvertrag der KG eine Vererblichkeit einschränkt oder ausschließt, während die Satzung der GmbH kein Einziehungsrecht und/oder keine Abtretungsverpflichtung enthält. Ein Abgleich zwischen Satzung und Testamenten ist also immer geboten. Um diesen gesellschaftsvertraglichen Problemen der GmbH & Co. KG aus dem Weg zu gehen, bietet sich die Einheits- GmbH & Co. KG an. Hier ist die KG Alleingesellschafterin der Komplementär-GmbH und der GmbH-Anteil damit im Gesamthandsvermögen der KG. Ein weiterer Vorteil der Einheits-GmbH & Co. KG ist, dass die GmbH-Anteile immer erbschaftsteuerlich begünstigtes Betriebsvermögen bleiben und auch bei mehr als vier Erben keine Poolvereinbarung  getroffen werden muss, um die Mindestbeteiligungsquote von 25 Prozent vertraglich auszugleichen.
Will der Erblasser vermeiden, dass die Gesellschafterzahl infolge der Aufspaltung seines Geschäftsanteils steigt, kann er die Kommanditbeteiligung derart ausgestalten, dass nur einzelne Erben unmittelbar in die Gesellschafterstellung nachrücken. Solch eine qualifizierte Nachfolgeklausel  bietet Gestaltungsspielraum. Ertragsteuerlich werden bei einer unentgeltlichen Übertragung die Buchwerte beibehalten und es kommt zu keiner Aufdeckung der stillen Reserven. Ein Restrisiko verbleibt, sofern bei einer qualifizierten Nachfolgeklausel kein geeigneter Erbe vorhanden ist. Bei guter Nachfolgeplanung ist dieses Risiko jedoch einfach zu vermeiden.
Die Höhe der gesetzlichen Erbquoten ist für Nachfolgeregelungen nicht maßgeblich. Erworben wird die Gesellschafterstellung im vollen Umfang. Nur dieser Erbe wird Mitunternehmer im Sinne des § 15 EStG. Allerdings darf der nachfolgende Gesellschafter letztlich nicht mehr erhalten, als ihm nach der Erbquote zusteht. Sollte dies der Fall sein, müssen sich die von der Gesellschafterstellung ausgenommenen Erben mit dem neuen Gesellschafter auseinandersetzten und es müssen Ausgleichszahlungen geleistet werden.

Auch nach der Erbschaftsteuerreform sind Unternehmensvermögen steuerlich begünstigt. Nur der Erbe, der tatsächlich Unternehmensvermögen erhält, kann die Begünstigungen der Regelverschonung (85 % Befreiung) bzw. Optionsverschonung für Betriebsvermögen in Anspruch nehmen. Sofern das Betriebsvermögen den Wert von 26 Mio. Euro nicht übersteigt und fast kein sog. Verwaltungsvermögen vorliegt, kann durch die Optionsverschonung eine 100%ige Befreiung von der Erbschaftsteuer erreicht werden. Für sog. Großerwerbe über 90 Mio. Euro wird kein Verschonungsabschlag mehr gewährt. Für diese Fälle gibt es neu geschaffene Stundungs- oder Erlassmöglichkeiten. Die Neuregelung des Erbschaftsteuerrechts enthält auch eine besondere Begünstigung für Familienunternehmen. Es besteht die Möglichkeit, einen Vorababschlag von bis zu 30 Prozent des begünstigten Vermögens in Anspruch zu nehmen. Die Voraussetzungen dazu müssen allerdings zwei Jahre vor dem Stichtag vorliegen und 20 Jahre danach bestehen bleiben. Damit eine steueroptimale Unternehmensübergabe gelingt, ist es wichtig, den Übergabeprozess zusammen mit seinem Steuerberater zu gestalten.

Autorin Dr. Sabine Cziborra ist Steuerberaterin in der Kanzlei PKF VOGT & PARTNER, Wirtschaftsprüfer Steuerberater in Herford.

Weitere Informationen: www.pkf-herford.de