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Steuerliche Neuerungen zum Jahreswechsel

Foto: Copyright Coloures-pic

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Regelmäßig zum Jahreswechsel treten wieder zahlreiche  Änderungen im Steuerrecht in Kraft. Mit Spannung erwarten Unternehmen, aber auch Privatpersonen, welche Änderungen, Be- und/oder Entlastungen auf sie zukommen und welche Auswirkungen die bereits im zurückliegenden Jahr beschlossenen Neuerungen haben. Wer die steuerlichen Belastungen für sein Unternehmen möglichst gering halten möchte, muss daher gut und vor allen Dingen frühzeitig informiert sein. Steuerberater Wolfgang Wawro, Steuerexperte des Deutschen Steuerberaterverbandes (DStV), über die aktuellen Änderungen.

Steuerberater Wolfgang Wawro, Steuerexperte des Deutschen Steuerberaterverbandes (DStV)

Steuerberater Wolfgang Wawro, Steuerexperte des Deutschen Steuerberaterverbandes (DStV)


Einkommen- und Lohnsteuer:
Die Steuererklärung für 2013 war im Regelfall am 31.05.2014 abzugeben. Die steuerberatenden Berufe haben allgemein eine Verlängerung bis zum Jahresende. Arbeitnehmer, die nicht zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet sind, können noch bis zum 31.12.2014 rückwirkend bis zum Steuerjahr 2010 eine Veranlagung beantragen.

 Steuerklassen ändern:  Die Wahl der Steuerklasse hat besonders dann große Bedeutung, wenn Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit drohen oder wenn eine  Elterngeldphase bevorsteht. Mit der günstigen Steuerklasse III (Verheiratete) oder Steuerklasse II (Alleinstehende mit Kind) kann man für eine höhere Unterstützung sorgen. Beim Elterngeld ist ein frühzeitiger Wechsel der Steuerklasse (sieben Monate vor der Geburt) bedeutsam, weil der Durchschnitt der letzten sieben Monate vor der Entbindung zählt, wobei der Mutterschutz vor der Entbindung nicht mitzählt.

 Berufsausbildung: Im Gegensatz zur Fortbildung können nach der Gesetzeslage Berufsausbildungskosten lediglich begrenzt als Sonderausgaben abgesetzt werden. Der Bundesfinanzhof (BFH) hält das Verbot des Werbungskostenabzugs für berufliche Ausbildungskosten für verfassungswidrig. Mit Beschluss vom 17.07.2014 VI R 8/12 hat der BFH diese Frage dem Bundesverfassungsgericht vorgelegt. Entsprechende Fälle sollten unbedingt offen gehalten werden.

Abgeltungsteuer: Wegen niedrigster Zinserträge sollten die Freistellungsaufträge bis zu 801 Euro (für Eheleute 1.602 Euro) überprüft  und ggfs. auf mehrere Bankinstitute verteilt werden. Gerade  bei geringen Einkünften (z.B. bei Rentnern) lässt sich unter Umständen sogar eine Einkommensteuerveranlagung vermeiden, um zu hoch erhobene Abgeltungsteuer zurück zu bekommen.

Verluste im Wertpapierdepot: Solche Verluste werden von der Bank auf das nächste Jahr vorgetragen. Wer bis zum 15.12. des Jahres bei der Bank eine Verlustbescheinigung beantragt, vermeidet den Vortrag und kann die Verluste bereits im Rahmen der Steuerveranlagung  verrechnen.

Abzug von  Kreditzinsen für Geldanlagen: Durch die Abgeltungsteuer werden keine Werbungskosten berücksichtigt. Aber evtl. können solche Kreditzinsen abgesetzt werden, wenn der persönlich Steuersatz über 25 % liegt. Beim BFH ist ein Verfahren unter dem Az. VIII R 18/14 anhängig.

Die strafbefreiende Selbstanzeige wird nicht abgeschafft:
Die Bundesregierung verschärft allerdings die Regelungen. Der Bundesrat hat am 07.11.2014 keine
Einwendungen gegen die Gesetzesvorlage erhoben. Ab 2015 soll gelten:

• Absenkung der Grenze auf 25.000 €, bis zu der eine Steuerhinterziehung ohne Zuschlag bei einer Selbstanzeige straffrei bleibt.

• Darüber liegende Beträge sind zugleich von der Zahlung eines Zuschlags abhängig: über 25.000 € 10 %, über 100.000 € 15 %, über 1 Mio. € 20%.

• Hinterzogene Steuern müssen für die vergangenen zehn Jahre erklärt und nachgezahlt werden, um eine strafrechtliche Verfolgung zu vermeiden.

• Bedingung wird auch die sofortige Zahlung der Hinterziehungszinsen (6 % p.a.)

• Bei bestimmten, nicht erklärten ausländischen Kapitalerträgen beginnt der Fristlauf der steuerrechtlichen Festsetzungsverjährung erst bei Bekanntwerden der Tat, spätestens zehn Jahre nach dem Hinterziehungsjahr.

Eile ist geboten, denn noch in diesem Jahr kann eine Selbstanzeige zu den alten Bedingungen erfolgen. Ab 2015 wird eine Rückkehr zur Steuerehrlichkeit erheblich aufwändiger und teurer. Zugleich drohen die multilateralen Datenaustauschabkommen. Ab April 2015 wird auch Luxemburg daran teilnehmen.

Prüfungshandlungen des Finanzamtes ohne Ankündigung:
Eine Umsatzsteuer-Nachschau oder Lohnsteuer-Nachschau  kann ohne vorherige Ankündigung zu den üblichen Geschäftszeiten durchgeführt werden. Wenn bei einer solchen Nachschau getroffene Feststellungen hierzu Anlass geben, kann ohne vorherige Prüfungs-anordnung   zu einer  Außenprüfung  übergegangen werden. Achtung: Solche Handlungen können zur einer Sperrwirkung einer wirksamen Selbstanzeige  führen!

Steuer auf Gewinne aus der Veräußerung von Xetra-Gold-Wertpapieren ist in Frage gestellt:
Die börsenfähigen Inhaberschuldverschreibungen, die jeweils einen Anspruch auf Lieferung von einem Gramm Gold verbriefen, erfüllten nicht die Voraussetzungen als Kapitalerträge, weil sie keine Kapitalforderung verbrieften, so das FG Baden-Württemberg; beim BFH ist nun ein Revisionsverfahren unter dem  Az. VIII R 35/14 anhängig.

Kosten für Zivilprozesse: Diese sind grundsätzlich nicht steuerlich zu berücksichtigen. Aber: Scheidungskosten werden aufgrund eines Urteils des BFH, das jetzt auch von der Finanzverwaltung angenommen wird, als außergewöhnliche Belastungen anerkannt.

 Immobilien-Besitz und Instandhaltung:  Vermieter, die nach dem Erwerb einer Immobilie Instandhaltungen durchzuführen haben, können Steuern sparen, wenn sie in den ersten drei Jahren maximal 15 Prozent der Gebäude­anschaffungskosten als Aufwand disponieren. Bei Überschreitung des Grenzwertes müssen die Kosten als Herstellungskosten über 50 Jahre lang abgeschrieben werden.

 Grunderwerbsteuer: Bereits 2014 haben fünf Bundesländer Steuersatz erhöht. Den höchsten Satz hat mit 6,5 % derzeit Schleswig-Holstein. Eine solche Erhöhung auf 6,5 % beabsichtigen ab 2015 auch Nordrhein-Westfalen und das Saarland.

Bauleistungen in umsatzsteuerlicher Hinsicht aus den Fugen geraten: Fehlerhafte Gesetzanwendung durch die Finanzverwaltung und Gegenwind durch den BFH haben für Chaos gesorgt. Für Auftragnehmer und Auftraggeber von Bauleistungen gelten im Jahr 2014 drei Zeitabschnitte:

• Bis 14.02.2014 kann an der früheren Gesetzeslage (10%-Grenze) festgehalten werden, aber auch die Rechtsprechung angewendet werden. (BMF-Schr. v. 05.02.u. 08.05.2014)
• Vom 15.02.2014 bis 30.09.2014 ist die Rechtsprechung maßgebend; entscheidend ist die Beendigung der Baumaßnahme. (BMF-Schr. wie vor).
• Ab 01.10.2014 gilt die neue gesetzliche Regelung, die der früheren Verwaltungspraxis weitgehend entspricht, aber durch ein neues Bescheinigungsverfahren praktikabler  wird.

Änderungen zur Steuervereinfachung,  die der Bundesrat vorgeschlagen hatte, wie:
Erhöhung des Arbeitnehmerpauschbetrages auf 1.130 €;
Monatliche Pauschale von 100€ für die Benutzung des häuslichen Arbeitszimmers, wenn kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht;
höhere Nachweisauflagen für Unterhaltszahlungen ins Ausland;
die Anhebung der Behinderten-Pauschbeträge;
oder die Einführung eines Sockelbetrags von 300 EUR für Handwerkerleistungen
w
erden wohl nicht mehr bis zum 1.1.2015  umgesetzt werden.

Die folgenden Überlegungen werden auch durch die Bundesregierung bejaht, sodass mit einer Umsetzung zum neunen Jahr gerechnet werden kann:
Sonderausgabenabzug für Zahlungen zur Vermeidung eines Versorgungsausgleichs; Freistellungsaufträge oder NV-Bescheinigungen sollen nachgereicht werden können, solange noch keine Steuerbescheinigung durch die Bank erstellt worden ist; Nachbesserung zur umsatzsteuerlichen Steuerschuldnerschaft bei der Lieferung von Metallen.

Eine doppelte Nichtbesteuerung von Einkünften („weiße Einkünfte“) oder den doppelten Abzug von Betriebsausgaben („double dip“) durch sog. hybride Gestaltungen sollen gesetzlich ausgeschlossen werden. Hier wird  möglicherweise  die Umsetzung erst gesondert im Laufe des Jahres 2015 erfolgen.