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Serie: Denker und Lenker – nexus product design

DAS KOMMT AUS BIELEFELD

„Wir müssen uns darauf konzentrieren, vorauszuahnen, wovon die Menschen träumen werden“

Die Designer Kai Uetrecht und Ulli Finkeldey, Inhaber von nexus product design, über ihre Philosophie, Herausforderungen und Visionen.

Designer Ulli Finkeldey (links) und Kai Uetrecht: „Unsere Stärke liegt darin, sich entwickelnde Märkte frühzeitig zu erkennen und die richtigen Produkte zur richtigen Zeit zu konzipieren.“ Foto: nexus product design

M&W: Herr Uetrecht, Herr Finkeldey, Warum sind Sie Designer geworden?

Kai Uterecht, Ulli Finkeldey: Bei unserem Talent gab es für uns keine logische und emotionale Alternative.

M&W: Was fasziniert Sie an Ihrem Unternehmen bzw. was erfüllt Sie an Ihrer Tätigkeit?

Kai Uetrecht: Das Schönste ist, langlebige und trendunabhängige Produkte zu gestalten, die Sinn vermitteln statt Schein zu versprechen.

M&W: Welche Herausforderungen begegnen Ihnen in Ihrem Arbeitsalltag?

Ulli Finkeldey: Es liegen die unterschiedlichsten Themen auf unseren Schreibtischen von Waschbecken bis zu schwimmenden Farmen. Ein zukünftig erfolgreiches Produkt zeichnet sich sehr häufig dadurch aus, dass wir einfache Antworten auf komplexe Fragen finden. Das gelingt oftmals, indem wir die Fragen infrage stellen: Haben wir die richtige Prämisse für die Produkte der Zukunft? Für einen erfolgreichen Designprozess braucht es Raum zum Querdenken.

M&W: Welche bedeutenden Entscheidungen / Veränderungen haben Sie in den letzten Jahren vorgenommen, um Wachstum zu generieren?

Kai Uetrecht: Da wir für unsere Kunden für Innovation und Wachstum mitverantwortlich sind, ist es unsere Aufgabe, frühzeitig markengerechte Wettbewerbsvorsprünge zu generieren.

M&W: Wo sehen Sie die besonderen Stärken Ihres Unternehmens bzw. die Alleinstellungsmerkmale?

Ulli Finkeldey: Wir verstehen unsere Stärke u.a. darin, sich entwickelnde Märkte frühzeitig zu erkennen und die richtigen Produkte zur richtigen Zeit zu konzipieren. Viele unserer Designentwicklungen haben nicht nur neue Märkte erschlossen, sondern sind darüber hinaus auch wirtschaftlich sehr erfolgreich. Einige Produkte haben sich zu Archetypen entwickelt oder eigene neuartige Produktkategorien begründet. Manche Produktentwicklungen sind zu sogenannten Klassikern geworden, die durch ihr langlebiges Design immer noch aktuell sind und für eine nachhaltige Markenkultur stehen. Kurz gesagt: Es gelingt uns immer wieder, das für uns sichtbare und notwendige „Morgen“ für die Entscheider in ein vertrauensvolles „Heute“ zu übersetzen.

M&W: Stichwort Arbeitgeberattraktivität: Was tun Sie, um Ihr Unternehmen für Mitarbeiter und zukünftiges Personal attraktiv zu gestalten?

Kai Uetrecht: Wir schenken dem kreativen Nachwuchs seit 30 Jahren Verständnis und Vertrauen.

M&W: Das Thema Digitalisierung ist in der Wirtschaft bereits angekommen: Welche Bedeutung haben digitale Arbeits- und Geschäftsprozesse für Ihr Unternehmen?

Kai Uetrecht: Der Prozess der Produktentwicklung läuft nach der Konzeption und Ideenfindung seit vielen Jahren durch 3D-Software und -Drucker im Wesentlichen digital ab und hat sich deutlich beschleunigt. Um aber im ersten Schritt kreative Konzepte zu erarbeiten und zu kommunizieren, sind Handskizzen auf Papier für uns unerlässlich. Für unsere Branche wird in Zukunft aber spannend, inwieweit künstliche Intelligenz auch künstliche Kreativität hervorbringen kann.

M&W: Worin sehen Sie aktuell die größten Herausforderungen in Ihrer Branche?

Ulli Finkeldey: Mit weniger Materie im Produktdesign mehr Sinnhaftigkeit zu schaffen.

M&W: Wo wird Ihre Branche in zehn Jahren stehen, mit welchen Trends und Entwicklungen rechnen Sie?

Kai Uetrecht: Um in einer weiter digitalisierten Welt zu bestehen, müssen wir uns darauf konzentrieren, vorauszuahnen, wovon die Menschen träumen werden. Es ist dafür nicht sinnvoll, „mehr“ zu machen, sondern bewusst die Bedürfnisse der Menschen in den Vordergrund zu stellen. Sie werden auch in Zukunft von Einfachheit und Ruhe träumen, da sie die Umwelt als immer komplexer und schneller wahrnehmen.

M&W: Was würden sie sich von der Industrie/den Unternehmen wünschen?

Ulli Finkeldey: Für uns steht die Dialogbereitschaft zwischen Unternehmer und Designer angesichts der Bedeutung von Kommunikation, Wissen und Kreativität immer mehr im Mittelpunkt einer erfolgreichen Produktstrategie. Um den bevorstehenden Aufgaben gewachsen zu sein, bedarf es eines zukunftsweisenden und vertrauensvollen Dialogs. Denn maßstabsetzende Designlösungen sind immer das Ergebnis engagierter Teamarbeit.

Kontext
Das Designteam von nexus product design, Bielefeld, besteht aus Kai Uetrecht, Ulli Finkeldey, Sören Knittel und Anja Kosok. Im Einzelnen studierten sie in Essen, Helsinki, Wuppertal, Enschede und Amsterdam. Seit 1986 entwickelt nexus product design Designstrategien und gestaltet Produktlinien in kontinuierlicher und vertrauensvoller Zusammenarbeit mit namhaften Unternehmen der Konsum- und Investitionsgüterindustrie. Viele Projektentwicklungen haben nicht nur neue Märkte erschlossen, sondern sind darüber hinaus auch wirtschaftlich sehr erfolgreich und stehen für eine nachhaltige Markenkultur. Das sind entscheidende Gründe für eine Vielzahl von nationalen und internationalen Ausstellungen und Auszeichnungen.

Weitere Informationen: www.nexusproductdesign.de

Der Beitrag ist Teil unserer Serie „Das kommt aus Bielefeld“, die in Kooperation mit der WEGE Bielefeld erscheint. www.das-kommt-aus-bielefeld.de