mawionline

Schwerpunkt Kapitalanlage: Studie zum Anlegerverhalten

Foto: Thomas Siepmann_pixelio.de

Foto: Thomas Siepmann_pixelio.de

Sicherheit vor Risiko

Das niedrige Zinsniveau ist derzeit in aller Munde. Dennoch sehen die meisten Deutschen keine Veranlassung, ihre Geldanlagen zu überprüfen. Dies ist kaum verwunderlich, denn nur wenige beschäftigen sich gerne mit dem Thema Geldanlage.

Die Mehrheit der Befragten hält an traditionellen, sicherheitsorientierten Anlageformen fest, die nur geringe Erträge oder real sogar Verluste erzielen.

„Das fehlende Finanzwissen und die hohe Risikoaversion der Anleger sind ein Indiz dafür, dass noch eine Menge Aufklärungsarbeit in Sachen optimale Vermögensstrukturierung geleistet werden muss“, sagt Giovanni Gay, Geschäftsführer bei Union Investment.

Das ist das Ergebnis des aktuellen Anlegerbarometers von Union Investment, einer repräsentativen Befragung deutscher Finanzentscheider in privaten Haushalten.
Die aktuell niedrigen Zinsen haben die Mehrzahl der deutschen Anleger bisher noch nicht dazu bewogen, ihre bestehenden Geldanlagen zu hinterfragen (69 Prozent). Lediglich 31 Prozent nehmen das Niedrigzinsumfeld zum Anlass, ihre Anlageformen zu überprüfen. Die allgemeine Zurückhaltung beruht zum einen auf Desinteresse und zum anderen auf mangelnden Kenntnissen. So setzen sich nur 19 Prozent der Befragten gerne mit Finanzangelegenheiten auseinander. 53 Prozent hingegen meiden dies lieber. Darüber hinaus meint lediglich jeder Fünfte, sich gut mit Geldanlagen auszukennen. Fast doppelt so viele (39 Prozent) halten ihr Finanzwissen für unzureichend.
Im Vergleich zu den anderen Altersgruppen gestehen sich vor allem junge Menschen im Alter von 20 bis 29 Jahren einen schlechten Wissensstand in Sachen Geldanlage ein: Während nur 14 Prozent glauben, über gute Finanzkenntnisse zu verfügen, behaupten 59 Prozent das Gegenteil. Unter den 40- bis 49-Jährigen sind 16 Prozent davon überzeugt, sich im Bereich der Geldanlage gut auszukennen. Bei den 50- bis 59-Jährigen sind es 24 Prozent.

Konkrete Empfehlungen des Bankberaters sowie ein gutes Bauchgefühl sind den Deutschen bei der Geldanlage wichtig

Angesichts der geringen Finanzbildung verwundert es nicht, dass immerhin 40 Prozent der Deutschen bei ihren Anlageentscheidungen eine konkrete Empfehlung ihres Bankberaters für notwendig halten. Insbesondere die 20- bis 29-Jährigen legen großen Wert darauf (47 Prozent). Der Anteil der Selbstentscheider ist dagegen kleiner: Nur 33 Prozent der Finanzentscheider in den privaten Haushalten investieren viel Zeit, um ihre Anlageentscheidung möglichst eigenständig treffen zu können. Unter dem Strich kommt es den Deutschen aber vor allem darauf an, dass sie sich bei ihrer Finanzentscheidung wohlfühlen: 71 Prozent der Befragten geben an, dass ihnen ein gutes Bauchgefühl dabei wichtig ist.

„Die Ergebnisse verdeutlichen, dass Bankberatern im Kundengespräch eine bedeutende Aufgabe zukommt. Sie müssen ihren Kunden die Vorteile einer breit gestreuten Geldanlage aufzeigen und Brücken zu chancenreicheren Investments bauen. Nur wer sein Vermögen ausgewogen strukturiert und einschätzbare Risiken eingeht, kann bei langfristig niedrigen Zinsen auskömmliche Erträge erzielen“, erläutert Gay.

Anleger setzen weiter auf Sicherheit
Neben dem geringen Finanzwissen fällt auf, dass die deutschen Anleger sehr sicherheitsorientiert sind. Mit 63 Prozent steht der Aspekt der Sicherheit an erster Stelle bei ihren Geldanlagen. Jeder Vierte priorisiert hingegen die freie Verfügbarkeit und für jeden Zehnten steht die Gewinnerzielung im Vordergrund. Steuerliche Vorteile spielen für zwei Prozent der Befragten eine wichtige Rolle.
Nicht einmal jeder Dritte (30 Prozent) hält es für sinnvoll, zumindest einen kleinen Teil seiner Ersparnisse in chancenreichere Anlagen zu investieren. Das Erstaunliche daran: Junge Menschen im Alter von 20 bis 29 Jahren können sich am wenigsten mit dem Gedanken anfreunden, eine Streuung ihres Vermögens über verschiedene Anlageklassen vorzunehmen: Hier halten nur zehn Prozent eine Beimischung von chancenreicheren Anlagen für sinnvoll. Gut jeder Zweite (51 Prozent) sieht darin keinen Nutzen. „Dabei muss gerade die junge Generation angesichts sinkender Renten in chancenreichere Anlagen, wie beispielsweise Aktien, investieren und von den langfristigen Chancen profitieren. Denn je mehr Zeit zur Verfügung steht, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass auch größere Kursrückschläge wieder aufgeholt werden“, erklärt Gay. Die 50- bis 59-Jährigen sind im Vergleich dazu etwas risikofreudiger: 37 Prozent von ihnen versprechen sich einen Mehrwert davon, mit einem Teil ihres Vermögens in höher rentierliche Anlagen zu investieren.
Betrachtet man allerdings die meistgenutzten Geldanlagen der Deutschen, wird deutlich, dass lieber an traditionellen, sicheren Produkten wie Sparbuch (73 Prozent), Bausparvertrag (54 Prozent) oder Kapitallebensversicherung (51 Prozent) festgehalten wird.

„Sparer gefährden damit ihren Vermögensaufbau. Denn auch in nächster Zeit ist zu erwarten, dass sich diese Anlageformen bei extrem niedrigen Zinsen inflationsbereinigt nicht mehr lohnen werden. Das fehlende Finanzwissen und die hohe Risikoaversion der Befragten zeigen, dass die Vorteile einer ausgewogenen Vermögensstruktur bei den Deutschen noch nicht angekommen sind“, sagt Gay.

Aktienmärkte: Die meisten Anleger rechnen auf Sechsmonatssicht mit Seitwärtsbewegung

Dabei sehen die Anleger die Marktentwicklung gar nicht so kritisch. In Bezug auf Aktien rechnet die Mehrzahl der Deutschen auf Sicht von sechs Monaten mit wenig Veränderungen: Wie im Vorquartal gehen 31 Prozent von gleichbleibenden Börsenkursen aus. Steigende Aktienmärkte erwarten dagegen 24 Prozent. Das sind fünf Prozentpunkte weniger als bei der letzten Erhebung. Im Gegenzug nimmt der Anteil derer, die an fallende Kurse glauben, um zwei Prozentpunkte auf 25 Prozent zu. Trotz des Höhenflugs des Deutschen Aktienindex (DAX) in den vergangenen zwei Jahren und dem jüngsten Durchbruch der 10.000-Punkte-Marke bleibt Gay zuversichtlich:

„Betrachtet man nur den Kursindex, also den DAX ohne Dividenden, sind wir derzeit mit gut 5.138 Punkten noch weit vom historischen Hoch von 6.206 Punkten vom 8. März 2000 entfernt. Das aktuelle Kurs-Gewinn-Verhältnis von 18,5 im Vergleich zur damaligen Bewertung von 25,5 zeigt, dass noch Luft nach oben besteht.“

Hinterlasse einen Kommentar