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OnlineSpezial: Eventmarketing

Foto: jbrouckaert

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Messen und Events – Nachhaltiges Handeln bringt Aufmerksamkeit

Nachhaltiges Verhalten entwickelt sich auch in der Messe- und Veranstaltungsbranche zunehmend zum Wirtschaftsfaktor. Unternehmen, die sich nachhaltig aufstellen, profitieren in der Wahrnehmung ihrer Partner und Kunden. Gerade bei Kommunikationsmaßnahmen, wie es Messen und Marketing-Events nun einmal sind, gelangen Kunden und Partner durch das persönliche Erleben sehr nah an Unternehmenswerte heran. Umso wichtiger ist ein transparentes, glaubwürdiges Verhalten aller beteiligten Partner.

 

 Nachgefragt

„Wer nicht klimagerecht ist, riskiert die Aufträge“

 Uta Goretzky, Pressesprecherin des FAMAB Verband Direkte Wirtschaftskommunikation e.V., über die nachhaltige Entwicklung in der Messe- und Eventbranche sowie die Zielsetzungen und Nachhaltigkeitsmaßnahmen des neuen Zertifikats „Sustainable Company“.

M&W: Nachhaltiges Verhalten entwickelt sich zunehmend zum Wirtschaftsfaktor. Inwiefern können nachhaltig aufgestellte Unternehmen der Messe- und Eventbranche hiervon profitieren bzw. sogar Kosten einsparen?

Uta Goretzky vom FAMAB-Verband Direkte Wirtschaftkommunikation, Foto: FAMAB e.V

Uta Goretzky vom FAMAB-Verband Direkte Wirtschaftkommunikation, Foto: FAMAB e.V

Goretzky: Nachhaltiges Verhalten entwickelt sich zunehmend zum Wirtschafts­faktor. Unternehmen, die sich nachhaltig aufstellen, profitieren in der Wahrnehmung ihrer Stakeholder. Denn je stärker die „Anspruchs­grup­pen“ eines Unternehmens auf nachhaltige Werte achten, desto stärker wird Sustainability zum Wettbewerbsvorteil. Und es geht noch weiter: Richtig und konsequent eingesetzt führt nachhaltiges Verhalten zur Kostenreduktion. Gerade bei Messen und Marketing-Events, also bei Kommunikationsmaßnahmen, bei denen Stakeholder durch das per­sönliche Erleben sehr nah an Unternehmenswerte herankommen, wird ein transparentes, glaubwürdiges Verhalten aller beteiligten Partner zur conditio sine qua non. Daher fordern immer mehr Auf­traggeber dieses nachhaltige Verhalten in zunehmendem Maße auch von ihren Dienstleistern bei Messen und Events. Und spätestens dann, merken es die Unternehmen auch in ihrer Kasse.

M&W: Ihr neues Zertifikat „Sustainable Company“ macht bewusst keine standardisierten Vorgaben für Unternehmen im ökologischen, ökonomischen und sozialen Bereich. Ziel ist es vielmehr, den „Zertifikanten“ beim konkreten Blick auf das eigene Unternehmen Verbesserungspotenziale aufzuzeigen und diese umzusetzen. Ein Blick in die Praxis: Wo besteht konkret Handlungs- bzw. Verbesserungsbedarf?

 Goretzky: Es ist richtig, dass Sustainable Company sich sehr bewusst von „multiple choice-Zertifizierungen abhebt, denn generell müssen Unternehmen in allen abgefragten Unternehmensbereichen Nachhaltigkeitsmaßnahmen definieren und umsetzen, um die jeweilige Mindestpunktzahl für die Zertifizierung zu erreichen. Nur dann kann ein Unternehmen erfolgreich auditiert werden, d.h. es ist bei „Sustainable Company“ nicht möglich, einen Bereich komplett außer Acht zu lassen. Ganz konkret wurden elf nachhaltigkeitsrelevante Unternehmensbereiche für den Standard identifiziert. Hierin finden sich jeweils zahlreiche Maß­nahmen für die nachhaltige Unternehmensführung. So muss ein angehendes „Sustainable Company“ belegen, inwiefern es u.a. im Rahmen von Energieeinsatz, Abfallvermeidung, Mobilität oder Mitarbeiterverantwortung nachhaltig arbeitet. Doch nicht alle Maßnahmen haben das gleiche Gewicht: Sie wurden von Brancheninsidern gemeinsam mit den Nachhaltigkeitsexperten in hoch, mittel und niedrig eingestuft und werden im Rahmen einer Zertifizierung einzeln überprüft, bewertet und im Kontext bepunktet.

Aus den Erfahrungen der letzten Jahre sind die Bereiche, in denen es noch viel Potenzial zur Steigerung gibt, Mobilität und externe Kommunikation. Die Mobilitätsplanung ist häufig ein Prozess, der sich koordinativ, auch in Abstimmung mit externen Personen, unter nachhaltigen Gesichtspunkten noch steigern lässt. Der Bereich Kommunikation wird intern, d.h. in der Kommunikation mit den Mitarbeitern, schon sehr gut abgedeckt. Mit der Positionierung nach außen könnte jedoch noch proaktiver umgegangen werden.

 M&W: Verfügen Sie über Erfahrungswerte bzw. Beispiele, die zeigen, dass Unternehmen, die verstärkt auf nachhaltige Werte achten, durch die  „Sustainability“ auch von einem Wettbewerbsvorteil profitieren?

 Goretzky: Es hat sich viel Verständnis und Einsicht bei den Entscheidern aufgebaut. Ein gesellschaftlicher Wandel ist erkennbar. Unternehmen sind sich der Aufmerksamkeit, die nachhaltiges Handeln für sie bringt, bewusst. Insbesondere Lieferanten werden hier auf Nachhaltigkeit überprüft, denn so wird die Lösung der eigenen Klimagerechtigkeit zum delegierbaren Denksport für andere. Wenn die Verantwortung in Produktion und Handel nicht auf den Preis umgelegt wurde, also ebenso erschwinglich bleibt wie die alternativen Angebote, gefällt das besonders.

Derzeit ist es dennoch so, dass der Vorteil von Nachhaltigkeit vornehmlich bei börsennotierten Unternehmen und Konzernbetrieben verstanden wird. Der Hintergrund ist denkbar einfach: Ratingagenturen fragen danach. Nachhaltigkeit bringt Punkte. Das ist gut so, denn es hilft tatsächlich dem Prozess zu einer nachhaltigeren Wirtschaft. Die wichtigen und guten Ziele einiger Unternehmen sind hoch gesteckt. Aber natürlich sind diese nicht durch eine Reduktion der Emissionen im eigenen Betrieb alleine zu schaffen. Auch die Dienstleister sind zur Mitwirkung aufgefordert. Wer nicht klimagerecht ist, riskiert die Aufträge. Und spätestens an dieser Stelle bietet „Sustainability“ einen echten Wettbewerbsvorteil.