title=

mawionline

Neues Jahr bringt für Anleger und Sparer wichtige Änderungen

Foto: Bernd-Kasper pixelio.de

Foto: Bernd-Kasper pixelio.de

Alle Jahre wieder müssen sich Sparer und Anleger hierzulande auf wichtige Änderungen einstellen. So auch 2015: Beispielsweise auf neue Beiträge für die Pflegeversicherung, Änderungen bei Lebensversicherungen oder beim Bezahlen der Kirchensteuer.

„Bleiben werden aber leider die niedrigen Zinsen am Kapitalmarkt. Sie erschweren ungeachtet der gesetzlichen Änderungen die langfristige Vorsorge erheblich“, sagt Professor Dr. Rolf Tilmes, Vorstandsvorsitzender des Financial Planning Standards Board Deutschland e.V. Vor allem mit dem Lebensversicherungsreformgesetz (LVRG) treten ab 1. Januar 2015 wichtige Neuerungen für Verbraucher in Kraft. So wird unter anderem der Höchstrechnungszins, umgangssprachlich oft Garantiezins genannt, für Lebensversicherungen sinken. Dabei handelt es sich um den Zinssatz, den Versicherungsunternehmen ihren Kunden maximal auf den Sparanteil im Beitrag zusagen dürfen. Er wird von bislang 1,75 Prozent auf 1,25 Prozent zurückgehen.
Der neue Zinssatz gilt für alle Verträge, die ab dem 1. Januar 2015 abgeschlossen werden. „Für Bestandskunden wird sich nichts ändern. Für sie gelten weiterhin die garantierten Leistungen ihres bestehenden Vertrages“, sagt Prof. Tilmes. Dennoch bedeutet das Gesetz, dass die Lebensversicherung, immerhin eines der beliebtesten Altersvorsorgeprodukte der Deutschen, weiter an Attraktivität einbüßt.
Der neue Garantiezins dürfte aber auch Auswirkungen auf andere Vorsorgeprodukte haben. Das gilt vor allem für die Versicherung zur Berufsunfähigkeit, die deutlich teurer werden könnte. Denn auf Grund der niedrigen Zinsen haben die Versicherer immer größere Probleme, ein Finanzpolster für ihre Kunden aufzubauen. Diese Finanzierungslücke dürfte mit höheren Beiträgen der Versicherten kompensiert werden.
Außerdem sinkt der Beitragssatz zur gesetzlichen Rentenversicherung zum 1. Januar 2015 von derzeit 18,9 auf 18,7 Prozent. Die Beiträge zur gesetzlichen Pflegeversicherung hingegen steigen. Im Zuge des Pflegestärkungsgesetzes wird der Beitragssatz um 0,3 Prozentpunkte auf 2,35 Prozent ab Januar angehoben. Auf diese staatlichen Beschlüsse hat der Einzelne keinen Einfluss.
Doch was bei der gesetzlichen Pflegeversicherung passiert, gilt auch für die private Zusatzversicherung: Die Beiträge werden steigen, denn der Bedarf wird angesichts von immer mehr Pflegefällen größer.

Pflegerisiko wird unterschätzt
Die meisten Menschen übersehen jedoch die enormen finanziellen Belastungen, die sich aus einer Pflegesituation ergeben. „Es ist sehr wichtig, das Pflegerisiko in die Finanzplanung mit einzubeziehen“, rät Prof. Tilmes, der neben seiner Vorstandstätigkeit auch Inhaber des Stiftungslehrstuhls für Private Finance & Wealth Management an der EBS Business School, Oestrich-Winkel ist.

Eine weitere Änderung betrifft die Kirchensteuer. Sie wird künftig automatisch abgebucht. Alle Banken sind seit 2014 gesetzlich verpflichtet, zu prüfen, ob für ihre Kunden eine Kirchensteuerpflicht besteht. Entsprechende Briefe von ihrer Bank sollten die Kunden in den vergangenen Monaten im Briefkasten gehabt haben. Sofern bei dieser Prüfung eine Kirchensteuerpflicht erkannt wird, erfolgt der Einbehalt der Kirchensteuer ab dem 1. Januar 2015 automatisch.

Eine große Herausforderung stellt aber unverändert das Niedrigzinsumfeld dar. Die Zinsen auf dem Sparguthaben liegen unterhalb der aktuellen Teuerungsrate, und eine Zinswende ist nicht in Sicht. So verlieren die Ersparnisse täglich real an Wert. In diesem Umfeld müssen Sparer deshalb auch höher rentierende Anlageformen wählen. Wer nur Geld auf dem Sparbuch zurücklegt, dürfte nicht zum Ziel kommen. „Ohne Risiken einzugehen, kann künftig keine ansprechende Rendite erzielt werden“, so Tilmes.
Hinzu kommt die Inflation. Selbst ein geringer Anstieg der Teuerung kann einen erheblichen Teil der künftigen Kaufkraft des angesparten Kapitals aufzehren. Anleger sollten deshalb bei ihren Finanzen den Status-quo regelmäßig prüfen lassen. „Eine langfristige und gut strukturierte Finanz- und Vermögensplanung wird sich auszahlen“, sagt der FPSB-Vorstand.