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Netzwerke und Kooperationen

„Unternehmen stehen vor Herausforderungen, die sie nur kooperativ lösen können“

Martina Helmcke, Vorstandsmitglied der Initiative für Beschäftigung OWL e.V., lehrt an der Universität Göttingen Netzwerk- und Projektmanagement.

m&w: Warum erfreuen sich Netzwerke und Kooperationen in letzter Zeit so großer Beliebtheit?

Martina Helmcke, Vorstandsmitglied der Initiative für Beschäftigung OWL  e. V.  begleitet als DIE HELMCKE (www.die-helmcke.de) Netzwerke und Kooperationen.

Martina Helmcke, Vorstandsmitglied der Initiative für Beschäftigung OWL e. V. begleitet als DIE HELMCKE (www.die-helmcke.de) Netzwerke und Kooperationen.

Martina Helmcke: Ich unterscheide Netzwerke und Kooperationen, weil sie unterschiedliche Funktionen erfüllen: Die reine Vernetzung von Akteuren dient dem Zugang zu Informationen, dem Aufbau von Beziehungen, der Reduzierung von Komplexität, der Identifikation und Verbreitung guter Praxis und, hier wird es spannend: dem Zugang zu Kooperationsoptionen. Kooperationen werden in der Regel eingegangen, weil einzelne Akteure nicht in der Lage sind, die Probleme alleine zu lösen. Dabei werden Ressourcen additiv oder komplementär gebündelt. Im besten Falle findet in der Kooperation Innovationslernen statt, das bis in die Akteursorganisationen zurückwirkt. Im Übrigen sind Kooperationen, die aus einem Netzwerk heraus eingegangen werden, weniger riskant, weil die Kooperationspartner in der Regel die Interessenslagen, Kompetenzen und Kooperationsgrenzen des anderen aus der Vernetzung heraus besser einschätzen können.

Unternehmen und Regionen stehen immer mehr vor Herausforderungen, die sie nur kooperativ lösen können. Das gilt in besonderer Weise für KMU und damit für die Region OWL. Daraus ergibt sich einerseits ein Bedarf von KMU zur Kooperation mit anderen Unternehmen, mal mit oder auch ohne Mitwirkung weiterer Partner und andererseits ein Bedarf nach Vernetzung in einer Region, die auf die Herausforderungen wie demografischer Wandel, Fachkräftemangel, Technologietransfer, Innovationsfähigkeit gemeinsam reagieren will und die Unternehmen bei der Lösung dieser Probleme mit akteursübergreifend ausgearbeiteten Problemlösungen unterstützen möchte.

m&w: Wo liegen die zentralen Herausforderungen, Netzwerke zu gründen bzw. welche Probleme können die Zusammenarbeit der Netzwerkpartner beeinträchtigen?

Martina Helmcke: Die erste Herausforderung ist eine gemeinsame strategische Zielsetzung, die die individuellen und kollektiven Interessenlagen der relevanten Akteure respektiert. Operative Zielsetzungen realisieren die individuellen und kollektiven  Zielsetzungen der relevanten Akteure, statt den kleinsten gemeinsamen Nenner.
Das zweite ist eine ausgeglichene Nutzenarchitektur im Netzwerk oder in der Kooperation. Das bedeutet, dass nur die Partner beteiligt sind, die auch zur Erreichung der Zielsetzung beitragen können, und dass der Nutzen jedes einzelnen seinen Beitrag übersteigt. Nutzen können sein: Informationen, Kontakte, Ressourcen, wie Stellen, Geld oder Produkte, Image, Optionen, wie beispielsweise die gemeinsame Erschließung neuer Marktsegmente, etc. Reduktion von Komplexität bis hin zur „Lösung gesellschaftlicher Probleme“, wie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.
Die dritte Herausforderung liegt in der Steuerung mittels Zielvereinbarung, um sicher zu stellen, dass die vereinbarten Ziele auch in der vorgegebenen Zeit, mit der vereinbarten Qualität erreicht werden können.
Die vierte Herausforderung ist, die Ressourcen für ein professionelles Netzwerkmanagement bereit zu stellen, das in der Rolle eines neutralen „Dritten“ den Aufbau von Vertrauen im Netzwerk unterstützt, Misstrauen managet, für die Einhaltung einer verständigungsorientierten Kommunikation und eine kooperative Kommunikationskultur sorgt und die Übergänge von Phase zu Phase begleitet.
Die fünfte Herausforderung besteht darin, die richtigen Personen zu finden, deren persönliche Zielsetzung sich in der Zielsetzung ihrer Organisation/ ihres Unternehmens und der Gesamtzielsetzung des Netzwerkes oder der Kooperation wiederfindet.

m&w: Was können gut funktionierende Netzwerke für die Mitglieder, aber auch für die Region bewirken?

Martina Helmcke: Da KMU in der Regel nicht über die Personalressourcen zur Mitarbeit an kooperativen Lösungen, noch über ausreichend Mittel zur Umsetzung kooperativer Problemlösungen verfügen, ist es notwendig, dass gut funktionierende Netzwerke vor allem diesen Unternehmen die benötigten Lösungen auf einem „Silbertablett“ servieren: niedrigschwellige Lösungen für Probleme, die für KMU finanziell relevant sind und die sie nicht alleine entwickeln können, konkrete und qualitätsgeprüfte Unterstützung bei der Umsetzung im Unternehmen und all dies zu einem für KMU akzeptablem Preisleistungsverhältnis, gegebenenfalls durch die Einbindung öffentlicher Förderung. Dies gilt für die Handlungsfelder Fachkräftebedarf, Innovation, Vereinbarkeit von Familie und Beruf, einen inklusiven Arbeitsmarkt und viele mehr.

Weitere Informationen: www.die-helmcke.de