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Lernende Energie-Effizienz-Netzwerke

„Erst das Zusammenspiel aller hebt die Effizienzschätze“

 Klaus Meyer, Geschäftsführer EnergieImpuls OWL, über Möglichkeiten zur   Steigerung der Energieeffizienz durch gemeinsame Kooperation und  ungenutzte Potenziale.

 Die „Lernenden Energie-Effizienz-Netzwerke“ (LEEN) gehen in die dritte Runde. Ziel der Kooperation ist es, in den nächsten drei Jahren eine zehnprozentige Steigerung der Energieeffizienz zu erreichen. In welchen Bereichen und mit welchen Technologien soll dieses Ziel umgesetzt werden? 

Klaus Meyer, Geschäftsführer EnergieImpuls OWL: „Die Energiewende stockt zurzeit daran, dass bei der Energie noch nicht systemübergreifend und systemintegrativ gedacht wird.  (Foto: EnergieImpuls OWL)

Klaus Meyer, Geschäftsführer EnergieImpuls OWL: „Die Energiewende stockt zurzeit daran, dass bei der Energie noch nicht systemübergreifend und systemintegrativ gedacht wird.
(Foto: EnergieImpuls OWL)

 Klaus Meyer: Es sind noch immer die klassischen Bereiche, in denen Energie verschwendet wird: Druckluft, Antriebstechnik wie Motoren, Wärme und Pumpen. So sind allein die verschiedenen Pumpen für zehn Prozent des gesamten (weltweiten) Energiebedarfs verantwortlich! Dabei lässt sich hier die Effizienz insgesamt um fast 60 Prozent steigern. Die Technik ist also da, darum arbeiten wir auch verstärkt daran, diese in die Praxis der Betriebe zu bringen.

Aus Ihrer Erfahrung: Wie steht es derzeit mit der Nutzung von Energieeffizienzmaßnahmen in den Unternehmen aus?  Ist die Einsicht in die Notwendigkeit  in den Betrieben vorhanden?

Klaus Meyer: Der Wille ist schon da, gerade unsere Unternehmen in OWL sind für Klimaschutz und Energieeinsparung aufgeschlossen. Nur die Umsetzung scheitert oft, meistens an Kleinigkeiten im Tagesgeschäft. Um das besser zu managen, haben sich bereits 1/6 der größeren ostwestfälischen Unternehmen in den Effizienz-Netzwerken organisiert. Zum Beispiel das Medien Centrum Giesdorf in Detmold: Der kaufmännische Leiter Alexander Riedel wollte sich nicht mit dem schon erreichten zufriedengeben, obwohl dort schon ein Blockheizkraftwerk für die Senkung der Energiekosten installiert wurde. In unserem Energieeffizienz-Netzwerk hat er sich zusammen mit den anderen Teilnehmern zu einer weiteren Senkung der Energiekosten um zehn Prozent verpflichtet. Mit Erfolg! Die Impulse und Lösungsansätze aus anderen Unternehmen haben das möglich gemacht.

26 Unternehmen haben in den ersten beiden Netzwerken LEEN OWL und LEEN OWL II über 350 Effizienz-Maßnahmen umgesetzt. Welche Maßnahmen haben sich dabei durchgesetzt bzw. sind auch unter dem Kosten/Nutzen-Verhältnis zur Energieeinsparung am wirkungsvollsten?

Klaus Meyer: Alle Querschnittstechnologien wie Antriebe, Pumpen, Druckluft, Wärmerückgewinnung, Kälteanlagen, Ventilatoren, Serverräume, Beleuchtung haben zur Senkung der Energiekosten beigetragen. Trotzdem ist ein isolierter Blick auf die einzelnen Technologien nur der halbe Weg: Erst das Zusammenspiel in einem Gesamtkonzept hebt die Effizienzschätze für die Betriebe. Die Menschen spielen da eine entscheidende Rolle. So haben einige Teilnehmer – wie z.B. Reitz-Ventilatoren in Höxter – erstaunliche Erfolge damit erzielt, indem sie die Auszubildenden als Energyscouts zur Suche nach Energielecks im Betrieb aufgerufen haben. Ein frischer Blick auf alte Abläufe kann einiges verbessern. Immer mehr Unternehmen machen das jetzt nach. Insgesamt haben die Unternehmen eine jährliche Energiekosten-Einsparung von 3,2 Mio. Euro mit unseren Netzwerken realisiert. Bei einem Investitionsvolumen von 9 Mio. Euro.

Was wünschen Sie sich von der Industrie, damit die Energiewende gelingen kann?

Klaus Meyer: Ganz vorne stehen zwei Themen: Die Betrachtung der Lebenszykluskostenrechnung statt Betrachtung der Amortisationszeit bei der Anschaffung von energierelevanten Produkten und Maschinen sowie die konsequente Nutzung des vorhandenen Know-hows von Experten und Kollegen, wie es in unseren Energieeffizienznetzwerken ja schon geschieht.

Zum anderen stockt die Energiewende daran, dass bei der Energie noch nicht systemübergreifend und systemintegrativ gedacht wird. Eine Optimierung nur einzelner Technologien wird unserer Region mit dem Spitzencluster it’s owl auf dem Weg in die Industrie 4.0 überhaupt nicht gerecht. Da können wir mehr!

In den nächsten Monaten soll ein weiteres Netzwerk entstehen, an dem sich zusätzliche Industrieunternehmen beteiligen können. Wer kann mitmachen, bzw. welche Teilnahme-Voraussetzungen müssen Interessenten erfüllen?

Klaus Meyer: Das nächste Netzwerk ist in diesen Tagen mit zwölf Unternehmen in die nächsten drei Jahre gestartet. Neben den neuen Teilnehmern sind auch solche weiter mit dabei, die bereits schon die vergangene Drei-Jahresperiode sehr erfolgreich bei uns mitgemacht haben und noch immer weitere Potenziale mit uns finden. Lohnend ist die Teilnahme für alle produzierenden Unternehmen ab 250.000 € Energiekosten pro Jahr. Ein weiteres Lernendes Energieeffizienz-Netzwerk (LEEN) –  bereits das fünfte in der Region – wollen wir im Spätsommer starten.

 

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