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Kapitalanlage

Finanzen

© Pavel Ignatov/123rf.com

Investieren mit Kopf

Obwohl die Entwicklung der Aktienmärkte in den vergangenen Jahren sehr gut verlaufen ist, haben viele Deutsche weiterhin negative Einstellungen zur Aktienanlage. Missverständnisse und Fehleinschätzungen sind weit verbreitet, dabei war gerade 2016 ein gutes Jahr für die Aktienanlage im DAX mit einer Gesamtrendite von fast sieben Prozent.  Christine Bortenlänger, Geschäftsführender Vorstand Deutsches Aktieninstitut, über die Vorteile von Aktien für den Vermögensaufbau und die Altersvorsorge. 

Dr. Christine Bortenlänger

Dr. Christine Bortenlänger: „Die Vorteile der Aktienanlage kommen zum Tragen, wenn man in verschiedenen Branchen und Regionen investiert und Geduld mitbringt. Dabei muss der Anleger auch keine übermäßigen Risiken eingehen, denn nach 13 Jahren ist das Verlustrisiko gleich null.“
Foto: Deutsches Aktieninstitut

Wie steht es derzeit mit dem Vertrauen in die Aktie oder in Aktienfonds, d.h. welche Bedeutung haben Investitionen in diese Form der Kapitalanlage in der deutschen Bevölkerung?

Dr. Christine Bortenlänger: Leider fehlt den allermeisten Deutschen die Erfahrung im Umgang mit Aktien. Sie wissen einfach zu wenig über die Chancen, die Aktien bei der Geldanlage bieten. Auch schätzen die Allermeisten das Risiko, das mit Aktien verbunden sein kann, falsch ein. Deswegen legen die Menschen ihr Geld sehr konservativ, also in der Regel auf Tagesgeldkonten und Sparbüchern, an. Aktuell gibt es nur rund neun Millionen Aktionäre und Besitzer von Aktienfonds. Damit ist nur circa jeder siebte Bundesbürger, der älter als 14 Jahre ist, am Produktivkapital von Unternehmen beteiligt. Nur gut acht Prozent des Geldvermögens der Deutschen ist in Aktien oder Aktienfonds investiert. Das ist eindeutig zu wenig, denn Aktien haben in der Vergangenheit im langfristigen Mittel eine Rendite von sechs bis neun Prozent erwirtschaftet. Wer sein Geld mehren möchte und auch für das Alter angemessen vorsorgen will, kommt an Aktien nicht vorbei.

Nicht wenige Anleger werfen „das Handtuch“ und ziehen sich aus Aktien und Fonds zurück. Sei es aus Angst vor Verlusten, genereller Skepsis, schlechten Erfahrungen und fehlendem Wissen. Was raten Sie Anlegern, bzw. welche Grundsätze sollten Anleger bei der Kapitalanlage in Aktien beherzigen?
Dr. Christine Bortenlänger: Zunächst einmal eine gute Nachricht: Seit Erreichen der Tiefststände bei den Aktionärszahlen nach der Finanzkrise haben wir rund 700.000 neue Aktionäre und Aktienfondsbesitzer hinzugewonnen. Der Rückzug aus der Aktie ist also gestoppt, allerdings auf einem viel zu niedrigen Niveau.
Wenn Anleger langfristig agieren, kontinuierlich sparen und breit streuen, dann machen sie im Prinzip alles richtig. Die verbreitete Vorstellung, dass das Ziel einer Aktienanlage ist, schnell viel Geld zu machen, ist grundfalsch. Für kurzfristige Sparziele ist der Aktienmarkt nicht der richtige Platz. Die Vorteile der Aktienanlage kommen zum Tragen, wenn man in verschiedenen Branchen und Regionen investiert und Geduld mitbringt. Dabei muss der Anleger auch keine übermäßigen Risiken eingehen, denn nach 13 Jahren ist das Verlustrisiko gleich null, wie man an unserem Rendite-Dreieck ablesen kann. Darüber hinaus ist es sinnvoll, auch andere Anlageformen, wie beispielsweise Anleihen, dem Depot beizumischen, nach dem Grundsatz: nie alle Eier in einen Korb legen! Wer diese Grundprinzipien beachtet, der wird an seiner Geldanlage viel Freude haben.

Aktien oder Aktienfonds sollten aus Sicht des Deutschen Aktieninstituts – natürlich in Abhängigkeit von der persönlichen Lebenssituation – ein fester Bestandteil der Vermögensbildung und Altersvorsorgestrategie sein. Welche Bedeutung hat in diesem  Zusammenhang das Renditedreieck des Deutschen Aktieninstituts?
Dr. Christine Bortenlänger: Unser Rendite-Dreieck weist die durchschnittliche jährliche Rendite aus, die man bei Aktienanlagen in den DAX zwischen einem und fünfzig Jahren erreicht hätte. Es beweist, dass bei einem Anlagehorizont von 20 bis 30 Jahren die jährliche Rendite in der Vergangenheit zwischen sechs und neun Prozent lag. Darüber hinaus kann man sehen, dass kurz- und mittelfristige Kursschwankungen bei Aktien in diesen Zeiträumen kompensiert werden. Negative Renditen werden im Rendite-Dreieck rot angezeigt, positive grün. Das Rendite-Dreieck ist überwiegend grün, das heißt, die erzielten Renditen waren in den meisten Jahren positiv. Unser Rendite-Dreieck ist also der Beleg dafür, dass Aktien für den Vermögensaufbau und die Altersvorsorge prädestiniert sind, denn wie bei Aktien muss man einen langen Atem haben, um mit dem Vermögensaufbau und der Altersvorsorge erfolgreich zu sein.

Die Diskussion um die Zukunft der deutschen Altersvorsorge und die damit verbundene Sicherung des Lebensstandards im Alter ist aktueller denn je. Kann eine Kapitalanlage in Aktien die Rentenlücke schließen?
Dr. Christine Bortenlänger: Kommende Rentnergenerationen müssen aufgrund der demographischen Entwicklung, die zu weniger Beitragszahlern und niedrigerem Renteneinkommen führt, mehr Geld zurücklegen, um die drohende Rentenlücke zu schließen. In unserer Studie „Lebensstandard im Alter sichern – Rentenlücke mit Aktien schließen“ zeigen wir, dass dies nur funktionieren wird, wenn man im Rahmen der privaten und betrieblichen Altersvorsorge (mehr) auf Aktien setzt. Dies liegt daran, dass die Aktienanlage im Vergleich zu anderen Anlageformen eine deutlich höhere Rendite abwirft. Je höher meine Rendite ist, desto weniger muss ich als Arbeitnehmer an zusätzlichem Geld für das Alter zurücklegen. Dies ist besonders für Menschen mit geringerem Einkommen wichtig, die die Rentenlücke nicht durch immer höhere Sparbeträge ausgleichen können.