A2-Forum

mawionline

Interview zum Wandel des Büroarbeitsplatzes

„Es geht um mehr Abwechslung und soziale Einbindung“

Hendrik Hund, Vorsitzender des bso Verband Büro-, Sitz- und Objektmöbel e. V., über den Wandel des Büroarbeitsplatzes und die Bedeutung eines inspirierenden Arbeitsumfeldes. 

Hendrik Hund

Hendrik Hund: „Kreativität am Arbeitsplatz gedeiht am besten, wenn sich Phasen konzentrierten Arbeitens, der Ablenkung und des Gedankenaustausches mit anderen Menschen abwechseln. Die neuen Büroarbeitsplätze sind per se schon gute Umfelder für das Entstehen neuer Ideen.“

Der Prozess der zunehmenden Digitalisierung wird sich auch auf die Kommunikationstechnik und Einrichtung niederschlagen. Inwiefern wird hiervon auch der physische Büroarbeitsplatz betroffen sein?
Hendrik Hund: Der Büroarbeitsplatz ist massiv im Wandel. Schnelle, flexible und auf den Kunden zugeschnittene Lösungen erfordern Teamarbeit. Dafür benötigt man Räume. Diese können auf einer virtuellen Plattform eingerichtet werden, brauchen aber immer auch eine physische Entsprechung. Auf der Wunschliste von Unternehmen, die ihre Arbeitsplätze neu ausstatten, stehen die Zonen für individuelle Kommunikation und für Projektarbeit ganz oben. Gefolgt von gut funktionierenden Bereichen für die konzentrierte Einzelarbeit. Das macht Sinn, denn Büroarbeit ist und bleibt ein ständiger Wechsel zwischen fokussierter Einzelarbeit, Kommunikation und Teamarbeitsphasen. Der optimale physische Arbeitsplatz ist daher fast immer ein Mix aus allen drei Bereichen.

Experten glauben, dass Projektarbeit und Kollaboration immer mehr zum Kennzeichen moderner Büroarbeit werden. Wo liegen die Vorteile für Mitarbeiter und Unternehmen und was müssen letztere tun, damit diese Entwicklung auch funktioniert?
Hendrik Hund: Die Individualisierung von Angebot und Nachfrage erfordert in der Regel die Kombination fachgebietsübergreifender Kompetzen, die am effektivsten in direkter Zusammenarbeit der verschiedenen Fachkräfte organisiert werden kann. Für die Mitarbeiter bedeutet das in der Anfangszeit oftmals einen erhöhten Koordinationsaufwand. Kurz- wie langfristig bringen diese Arbeitsformen aber vor allem interessante Arbeitsinhalte, vielfältige Kontakte und Lernen von Kollegen. Kurz, es geht um mehr Abwechslung, mehr soziale Einbindung und, soweit gewünscht, um ein höheres Maß an Eigenverantwortung. Für die Unternehmen ist eine erfolgreiche Implementierung solcher Arbeitsformen oft die Voraussetzung, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Was sie dafür tun müssen, lässt sich nur in einer Einzelfallanalyse beantworten. In jedem Fall gehören aber räumliche und digitale Strukturen dazu, eine offene Unternehmenskultur und Formate wie die Projektarbeit, in der die Mitarbeiter die neuen Arbeitsformen erproben können.

Von vielen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen wird immer mehr verlangt, zum Beispiel, dass sie Ideen einbringen und kreativ arbeiten sollen. Wie können diese Themen durch eine ganzheitliche Arbeitsplatzgestaltung stärker berücksichtigt werden?
Hendrik Hund: Kreativität gedeiht in der Regel dann am besten, wenn sich Phasen konzentrierten Arbeitens, der Ablenkung und des Gedankenaustausches mit anderen Menschen abwechseln. Insofern sind die beschriebenen neuen Büroarbeitsplätze per se schon gute Umfelder für das Entstehen neuer Ideen. Dass man aus diesen Bürolandschaften echte Kreativitäts-Inkubatoren machen kann, zeigt eine Versuchsreihe, die vor einiger Zeit an der Stanford University in Californien durchgeführt wurde. Dort sollten Probanden Aufgaben erfüllen, die unterschiedliche Formen der Kreativität erforden. Als unschlagbar erwies sich die Kombination aus Bewegung und einer abwechslungsreichen Umfeldgestaltung. Im Rahmen der Büroeinrichtungsplanung setzen wir diese Erkenntnis zum Beispiel in Projekträumen oder bei der Gestaltung von Orten der Kommunikation um, die die Beschäftigten immer wieder zu einem Ortswechsel einladen. An unserem Unternehmensstandort in Biberach bei Lahr haben wir dafür innerhalb eines modern anmutenden Büroumfeldes eine Schwarzwaldstube eingerichtet. Die angeregtesten Diskussionen finden seither dort statt.

Die Suche nach qualifizierten Fachkräften und die Steigerung der Attraktivität des eigenen Unternehmens haben einen großen Stellenwert. Welche Bedeutung hat vor diesem Hintergrund eine Neugestaltung des Arbeitsumfelds bzw. Veränderung der Bürolandschaft?
Hendrik Hund: Eine große. Die Mehrzahl der Beschäftigten achtet bei einem Arbeitsplatzwechsel auf das Umfeld, in dem sie künftig arbeiten werden. Meist wird darauf sogar mehr Wert gelegt als auf die neueste Kommunikationstechnologie. Ein Fehlen bestimmter technischer Tools lässt sich notfalls durch die Nutzung eigener Ressourcen überbrücken. Bei den Arbeitsräumen wird das schon schwieriger. Zwar können sich immer mehr Beschäftigte hin und wieder in ein nach eigenen Wünschen gestaltetes Homeoffice zurückziehen, das bedeutet aber nicht, dass sie deshalb an ihrem Hauptarbeitsplatz zu Kompromissen bereit wären. Ganz im Gegenteil. Schließlich ist die Gestaltung des Arbeitsumfeldes auch ein Indikator für die Wertschätzung eines Unternehmens für seine Mitarbeiter.