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Interview zum Thema Ladungsdiebstähle

Auf dem richtigen Weg

Frank Huster, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Speditions- und Logistikverbandes e. V. (DSLV)., über den zunehmenden Diebstahl von Sendungen, Ladungen und kompletten Ladungsträgern und was die Branche dagegen tun kann. 

Frank Huster

Frank Huster: „Der Start muss für mehr Sicherheit auf Rastplätzen sorgen.“ Foto: DSLV

Was sagen Sie zu der Kritik, Ladungen seien oft nur mit Planen und damit zu schlecht gegen Diebstahl geschützt?
Frank Huster: Die Marktbeobachtung des BAG zu Diebstählen im Transportbereich bestätigt, dass Transportunternehmen eine Vielzahl an technischen, baulichen, organisatorischen und personellen Maßnahmen ergreifen, um Ladungsdiebstählen vorzubeugen. Von schlechtem Schutz der Ladungen kann deshalb nicht die Rede sein. Die Planenauflieger durch feste Kofferfahrzeuge zu ersetzen, ist schwierig. Höhere Gewichte der Auflieger würden die zuladbare Ladung reduzieren und überdies werden aus Zeitgründen Beladungs- und Entladungsvorgänge häufig seitwärts durchgeführt. Hier haben Planenauflieger ihre Vorteile. Gerade in diesem Punkt  liegt aber eine wesentliche Herausforderung: Es handelt sich aus Sicht des DSLV um organisierte „Zufalls“diebstähle: Die Täter schlitzen und schauen, was sie gebrauchen können. So erklären sich auch die oft unter dem Durchschnitt liegenden Schadenssummen.

Es ist immer wieder zu hören, dass sowohl den Fahrern als auch den Speditionen der Anreiz fehle, die Ladung besser gegen Diebstahl zu schützen. Ist das korrekt?
Frank Huster: Zum einen ist jedem Unternehmen daran gelegen, den Gütertransport ohne Schaden, Verzögerung, Ärger mit Kunden, Behörden und Versicherungen abzuwickeln. Es sind nicht nur die unmittelbaren Sachschäden wie die geschlitzte Plane und das entwendete Gut, die als Kostenbelastung zu Buche schlagen. Bei Umsatzrenditen von durchschnittlich zwei Prozent ist der Anreiz hoch, zusätzliche Kosten zu vermeiden. Gleichzeitig rüsten die Unternehmen aber auch aktiv auf und ergreifen sowohl organisatorische als auch technische Maßnahmen zur Diebstahlsprävention. Besonders wertvolle Güter werden mit zwei Fahrern transportiert, so dass keine Pausen auf Rastplätzen erst entstehen. Das kann aber nicht zielführend sein. Vielmehr muss der Staat für mehr Sicherheit auf Rastplätzen, beispielsweise durch eine umfassende Videoüberwachung in Verbindung zu polizeilichen Leitstellen, sorgen.

Wie sieht es aus in Sachen Versicherungen: Macht die Versicherungswirtschaft keine strengen Auflagen, was Sicherheits-Standards beim Ladungstransport angeht?
Frank Huster: Der DSLV arbeitet eng mit der Versicherungswirtschaft zusammen, um Lösungen zu entwickeln. Es kommt auch vor, dass wertvolle und diebstahlsgefährdete Güter nur auf Anfrage oder unter strengeren Auflagen transportiert werden dürfen. Oftmals wird auch die Nutzung nur bewachter oder gesicherter Parkplätze vorgegeben, von denen es aber viel zu wenige gibt. Es darf nicht Aufgabe der Fahrer sein, sich während ihrer Ruhezeiten noch als Wachpersonal für die Ladung zu betätigen. Die Verhütung von Straftaten muss in erster Linie Aufgabe des Staates bleiben.

Gleichwohl bleibt die Transport- und Logistikbranche nicht untätig: In ihrem Bemühen um einen hohen Sicherheitsstandard hat die „Schutz- und Aktionsgesellschaft für die Entwicklung von Sicherheitskonzepten in der Spedition (SAFE)“  als Ergebnis einer  Brancheninitiative das sogenannte „s.a.f.e.-certificate“ eingeführt. Oberstes Ziel des Zertifikates ist es, die Schadensituation an Logistikstandorten durch ergänzende Sicherungsmaßnahmen nachhaltig zu verbessern.

Gerade Planen machen es den Dieben leicht. Wäre es sinnvoll, wenn es nur noch Hartschalen-LKW gäbe?
Frank Huster: Die Frage, ob der Einsatz eines Planen- oder Hartschalen-Lkw  in Frage kommt, hängt in erster Linie von den zu befördernden Gütern ab. Anders als bei einem Planen-Lkw, wo die Plane oder das Verdeck zurückgezogen werden kann, gibt es beim Hartschalen-Lkw nicht die Möglichkeit, von der Seite oder von oben zu be- oder entladen.

Welche Sicherungsmaßnahmen gibt es und inwieweit werden diese umgesetzt?
Frank Huster: Es gibt eine Reihe von technischen Maßnahmen, die unternehmensseitig zur Prävention beitragen können. Dazu zählen zum Beispiel Diebstahlwarnanlagen, Wegfahrsperren, abschließbare Deichsel- und Kupplungssicherungen, schnittfeste Gitterplanen, Kofferaufbauten mit Hartschale oder Überwachung und Kontrolle durch GPS und RFID. Die Investitionen derartiger Schutzmaßnahmen werden auf Initiative des DSLV seit 2016 vom Bundesamt für Güterverkehr im Rahmen eines Förderprogramms zur Förderung von Sicherheit und Umwelt finanziell unterstützt. Gleichwohl verteuern entsprechende Maßnahmen den Transport.