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Interview: Professorin Dr. -Ing. Eva Schwenzfeier-Hellkamp

„Der Bedarf an exzellent ausgebildetem Nachwuchs bleibt eine große Herausforderung“

Professorin Dr. -Ing. Eva Schwenzfeier-Hellkamp, bisher stellvertretende Vorsitzende des VDI OWL, steht seit März an der Spitze des Vereins. Die Professorin lehrt und forscht am Fachbereich Ingenieurwissenschaften und Mathematik der Fachhochschule (FH) Bielefeld im Bereich Elektronik, effiziente Lichttechnik und regenerative Energien.

Frau Professor Schwenzfeier-Hellkamp, wo werden Sie als Vorsitzende des VDI in den nächsten Jahren Ihre Schwerpunkte setzen?

"Wir setzen nachhaltig Impulse, unsere Ingenieure in der Region OWL zu halten", Professorin Dr. -Ing. Eva Schwenzfeier-Hellkamp. (Foto: VDI)

„Wir setzen nachhaltig Impulse, unsere Ingenieure in der Region OWL zu halten“, Professorin Dr. -Ing. Eva Schwenzfeier-Hellkamp. (Foto: VDI)

Schwenzfeier-Hellkamp: Wir haben in den vergangenen Jahren ein Konzept erarbeitet, an dem ich auch weiterhin festhalten möchte, um Kontinuität und Beständigkeit in der Arbeit sicherzustellen. Im Mittelpunkt stehen die Schwerpunkte der „VDI fördert Talente“, der „VDI ist Expertennetzwerk“ und der „VDI ist weiblich“.
Unter dem Stichwort Talente haben wir seit März bereits verschiedene Formate neu begründet, die allesamt das Ziel haben, Kinder und Jugendliche möglichst früh für die Technik zu begeistern. Das beginnt bereits bei den Vierjährigen – das neue Format VDIni spricht Kindergartenkinder sowie Kinder bis zu einem Alter von 12 Jahren gezielt an. Ältere Kinder und Jugendliche bekommen mit dem Projekt Zukunftspiloten Zugang zum Thema Faszination Technik, das wir regionalspezifisch mit hier ansässigen Unternehmen durchführen. Der „Bobby Solar Cup“ ist ein seit Jahren erfolgreich laufendes Projekt, das auf jeden Fall fortgeführt werden soll. 

Im Arbeitskreis Netzwerk haben wir im Sommer erstmals das Format „Talk Lounge“ veranstaltet. Konzept ist es, Vertreter von Unternehmen (Fördermitglieder und Sponsoren) und Hochschulen in lockerer Atmosphäre einzuladen und hier eine Vernetzung für gemeinsame Aktivitäten zu schaffen. Die Thematik Frauen im VDI ist uns sehr wichtig. Das soll sich zum Beispiel bei Veranstaltungen zeigen, indem hier eine Referentin auftritt. Erstmals spricht auf dem ing.meet.ing am 10. November 2014 mit Gabriele Riedmann de Trinidad eine Frau zum Thema „Ingenieur 4.0 – Unsere neue Verantwortung“.  Wir haben bereits gute Akzente gesetzt, im Dialog mit unseren Mitgliedern sollen jedoch weitere Aktivitäten ins Leben gerufen werden.

 

Thema Fachkräfterekrutierung: Haben Unternehmen in der Region Schwierigkeiten, Ingenieure zu finden bzw. offene Stellen zu besetzen. Welche Branchen sind besonders betroffen?

Schwenzfeier-Hellkamp: Für die Region liegen mir keine Zahlen vor, da wir selbst keine Erhebungen für die Region vornehmen. Der Bedarf an exzellent ausgebildetem Nachwuchs bleibt jedoch eine große Herausforderung zur nachhaltigen Fachkräftesicherung der nächsten Jahre. Laut dem aktuellen Ingenieurmonitor 2014 liegt NRW mit seiner Ausbildungsquote von 4,4 Prozentpunkten oberhalb des Bundesdurchschnitts, mit seiner Beschäftigungsquote jedoch 5,7 Prozentpunkte darunter.

 Welche konkreten Anstrengungen unternimmt Ihr Verein hinsichtlich der Anwerbung von Ingenieuren?

Schwenzfeier-Hellkamp: Wir selbst betreiben kein aktives Rekrutierung von Ingenieuren und treten damit auch nicht in eine Konkurrenzsituation zu anderen Bezirksvereinen. Durch die Vielzahl verschiedener Veranstaltungen und unserer qualifizierten Arbeit, wie die Angebote für Kinder und Jugendliche, der Studierendenkongress, spannende Fachvorträge und Workshops bei unserer Mitgliederversammlung und bei unserer Veranstaltung ing,meet.ing, dem Treffen der Technik in OWL. Mit der Teilnahme an  Forschungsprojekten der Hochschulen in der Region und durch Werbung an den Hochschulen für Projektausschreibungen des Hauptvereins VDI e.V. machen wir eher indirekt Werbung für das Berufsbild Ingenieur und setzen so nachhaltig Impulse, unsere Ingenieure in der Region OWL zu halten.

Wie lässt sich das Interesse an Technik und naturwissenschaftlichen Zusammenhängen schon bei Kindern und Jugendlichen wecken?

Schwenzfeier-Hellkamp: Kinder und Jugendliche altersadäquat anzusprechen, wie wir dieses mit verschiedenen Projekten bereits aktuell tun, ist der beste Weg. Denn die innovativste Technologie nützt wenig, wenn es keinen Nachwuchs gibt, der sie bedienen und weiterentwickeln kann. Der gerade gegründete VDIni Club möchte Kinder schon von klein auf für Technik begeistern. Gleiches gilt für das Projekt „Haus der kleinen Forscher“, wo die Erzieherinnen in den Kitas als ideale Multiplikatoren fungieren. Es ist zu spät, wenn wir erst bei Schülerinnen und Schülern in den zehnten Klassen beginnen. Unsere bisherige Erfahrung zeigt, dass eine projektbezogene und frühe Ansprache der Kinder positiv sind. Hier lernen sie zudem im Team zu arbeiten und sich untereinander auszutauschen.

 Kontext

In Ostwestfalen-Lippe steht der VDI für Erfahrung und Kompetenz sowie zunehmend junge und weibliche Mitglieder. Weit über ein Drittel der 3.700 Vereinsmitglieder sind unter 30 Jahre alt, rund 300 sind Frauen, Tendenz steigend (2006: nur circa 60). Der VDI OWL ist in der Region verankert, in einer Hochschullandschaft mit verschiedenen naturwissenschaftlichen und technischen Studiengängen und in zahlreichen, auf Ingenieurwissen basierenden Unternehmen.

 

 

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