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Interview: Innovative Eventformate

„Interaktion ist einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren“

Matthias Schultze, Vizepräsident Europäischer Verband der Veranstaltungs-Centren e.V. und Geschäftsführer des German Convention Bureau e.V., über innovative Eventformate, die fortschreitende Technisierung und zunehmende Interaktivität von Events.

Matthias Schultze im Gespräch

Matthias Schultze: „Personalisierung, Individualisierung und der persönliche Kontakt von Mensch zu Mensch werden zentrale Voraussetzungen für erfolgreiche Veranstaltungen.“ Foto: GCB

Herr Schultze, was macht den Erfolg einer Veranstaltung aus? Worauf müssen Veranstaltungsplaner und Locationbetreiber achten, um ein interessantes Event durchzuführen?
Matthias Schultze: Wissen wird immer interaktiver, kollaborativer, mobiler und erlebnisorientierter vermittelt. Die Herausforderung liegt darin, neuen Formaten eine Chance zu geben. Dafür können innovative Formate, wie Boot Camp, TED Talks, World Café etc. genauso eingesetzt werden, wie neue Technologien, also zum Beispiel Hologramme, Tangible Media und Bluescape. Oder man ergänzt reale Veranstaltungen mit virtuellen Räumen, in denen sich Teilnehmende austauschen können. Die Netzwerkbildung wird ein zentraler Erfolgsfaktor, den Veranstalter und Locationbetreiber gezielt unterstützen können: Zum Beispiel mit digitalen „Matchmaking“-Tools für die die Teilnehmenden im Vorfeld der Veranstaltung ihre thematischen Präferenzen und Interessen übermitteln. Oder indem sie soziale Netzwerke viel stärker als Plattform zum wechselseitigen Austausch von Meinungen, Erfahrungen und Informationen nutzen.

Das Thema Nachhaltigkeit ist in der Veranstaltungsbranche fest etabliert. Welche zukunftsweisenden Themen sind zurzeit aktuell?
Matthias Schultze: Interaktion und Individualisierung, weil Veranstaltungen mit der rasant fortschreitenden Technisierung flexibler, vernetzter und hybrider werden. Interaktion ist dabei einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren, denn Lerneffekte sind umso nachhaltiger, je aktiver man sich einbringen kann. Hinzu kommt, dass die „Normveranstaltung“ mehr und mehr ausgedient hat: Personalisierung, Individualisierung und der persönliche Kontakt von Mensch zu Mensch werden zentrale Voraussetzungen für erfolgreiche Veranstaltungen. Die Macht des Publikums wächst, vor allem beim informellen Veranstaltungsteil, da persönliche Begegnungen und emotionale Erfahrungen immer mehr mit den digitalen Medien konkurrieren.

Wie können Veranstaltungen noch interaktiver gestaltet werden?
Matthias Schultze: Große Showeffekte sind dafür weniger wichtig als die Interaktion mit und unter den Teilnehmenden, indem mit innovativen Formaten alle Sinne angesprochen werden. Das können zum Beispiel spielerische Elemente und Rituale wie beim „Speed-Dating“ sein, um sich zu Veranstaltungsbeginn schnell kennenzulernen und das Eis zu brechen. Die entstehende ‚Wohlfühl-Atmosphäre‘ erhöht nicht nur die Aufnahmefähigkeit, sondern auch die Bereitschaft, sich mit eigenen Beiträgen aktiv zu beteiligen. Die Basis für interaktivere Veranstaltungen sind unterschiedlich große Räume, flexible Settings bei Sitzordnung, Mobiliar und Technik sowie eine intuitiv bedienbare und individuell buchbare Ausstattung. Ein sicherer, stabiler und kostenloser WLAN-Zugang werden genauso vorausgesetzt wie ausreichend vorhandene Stromanschlüsse sowie Lademöglichkeiten für Smartphones, Notebooks und Tablets.

KONTEXT

Projekt Future Meeting Space
Wie Veranstaltungen interaktiver gestaltet werden können, zeigt der „Future Meeting Room“  – ein integriertes Gesamtszenario, das der Innovationsverbund „Future Meeting Space“, bestehend aus dem Fraunhofer IAO, dem EVVC Europäischer Verband der Veranstaltungs-Centren e. V. sowie dem GCB German Convention Bureau e.V., entwickelt hat.
Der Innovationskatalog bildet eine Reihe von Trends ab, die für die neue Generation von Tagungs- und Kongressteilnehmern eine Rolle spielen. Das Projekt „Future Meeting Space“ gibt klare Handlungsempfehlungen. Die Management Summary des „Future Meeting Guide“ fasst die von Januar 2015 bis Juni 2016 erhobenen Ergebnisse aus Analysen, Experteninterviews und Fokusgruppen zusammen.
Weitere Informationen: www.future-meeting-space.de