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Intelligent investieren – Risiko minimieren

Das persönliche Risikoprofil bestimmen

Jürgen Grüneklee, geschäftsführender Gesellschafter Grüneklee Wealth Management GmbH & Co. KG und Honorar-Finanzanlagenberater, über die richtige Wahl der Anlagestrategie und wie sich Risiken reduzieren lassen.  

Jürgen Grüneklee

Jürgen Grüneklee, geschäftsführender Gesellschafter Grüneklee Wealth Management GmbH & Co. KG, und Honorar-Finanzanlagenberater: „Anleger, die eine strukturierte und diversifizierte Strategie verfolgen, erhöhen die Wahrscheinlichkeit, Renditen zu erfassen, wo immer diese von Jahr zu Jahr auftreten.“

Der Begriff „Risiko“ wird ebenso wie der Begriff „Geld“ von jedem Menschen anders interpretiert. Aus finanzpsychologischer Sicht ist die finanzielle Risikobereitschaft aber ein relativ stabiles Persönlichkeitsmerkmal und ändert sich eher nicht, daher ist eine professionelle Risikoprofilierung unabdingbar. Dafür reichen die gesetzlich vorgeschriebenen Fragebögen, zum Beispiel der Banken, nicht aus. Vielmehr sollten Investoren auf wissenschaftlich fundierte psychometrische Fragebögen zurückgreifen. Diese existieren am Markt und idealerweise fließen die Ergebnisse in einen individuellen und objektiven Finanzplan ein. Daraus ergeben sich dann der persönliche Risikobedarf, die eigene Risikotragfähigkeit und die finanzielle Risikobereitschaft als Basis für nachhaltige Anlageentscheidungen.

Investieren statt spekulieren
Aktiv gemanagte Investmentfonds versuchen oftmals, den Marktdurchschnitt zu schlagen, indem sie nur eine selektive Auswahl an Wertpapieren bevorzugen. Es gibt jedoch zahlreiche Belege dafür, dass es aktiven Fondsmanagern im Durchschnitt nicht gelingt, ihren Referenzindex dauerhaft zu übertreffen (besonders nach Kosten). Es ist schlicht nicht möglich, die Entwicklung an den Kapitalmärkten vorherzusagen und bei der heutigen Informationsdichte kann man davon ausgehen, dass alle bekannten Informationen in den Kursen der Wertpapiere enthalten sind. Ein weiterer Fehler ist es, aus der Vergangenheit Rückschlüsse auf die Zukunft zu ziehen. Die Gruppe der Fondsmanager, die es eventuell schafft, ihren Referenzindex zu übertreffen, wechselt ständig und ist im Vorfeld nicht identifizierbar. Es erscheint daher nicht sinnvoll, seine Anlagestrategie auf solchen aktiven Strategien aufzubauen. Es existieren inzwischen viele Produkte, wie zum Beispiel Indexfonds oder börsengehandelte ETF (Exchange Traded Funds), mit denen Anleger eine Vielzahl von Indizes und Anlageklassen deutlich kostengünstiger abdecken können. Diese Produkte lassen sich wie ein Baukastensystem in eine individuelle Anlagestrategie einbinden. Auch der Einsatz von Misch-/Dachfonds oder Multi-Asset-Strategien, die in einem Investmentfonds vereint werden, ist, neben den hohen Kosten, wenig geeignet das persönliche Chance-/Risikoprofil abzubilden. Bei der Vielzahl der Investoren in dem Fonds kann das Fondsmanagement gar keine Rücksicht auf den Einzelnen nehmen.

Kosten kontrollieren
Die Frage ist nicht, ob Anleger Kosten tragen müssen, sondern, ob bestimmte Kosten sinnvoll und gerechtfertigt sind, beispielsweise durch die mögliche Wertschöpfung der „aktiven“ Entscheidungen eines Fondsmanagers. Einige Kosten wie etwa Ausgabeaufschläge, Verwaltungsgebühren oder Plattformkosten sind offensichtlich, andere wie beispielsweise Handelskosten sind schon deutlich schwieriger zu identifizieren. Niedrige Kosten führen automatisch zu höheren Renditen.

Diversifikation ist wichtig
Hierunter versteht man die Streuung des Investmentrisikos. Eine breit diversifizierte Anlagestrategie hilft Anlegern dabei, Unsicherheiten zu reduzieren, Risiken zu streuen und die Verlässlichkeit des Investmentergebnisses zu erhöhen. Je größer die Anzahl der Anlageinstrumente, Industriesektoren sowie die Anzahl der Länder, in denen man investiert, desto besser. Anleger neigen hierzulande eher dazu, in deutsche oder europäische Unternehmen zu investieren, weil sie meinen, diese zu kennen. Allerdings gibt es auf der ganzen Welt gute und solide Unternehmen und diese sogenannte „Home Bias“ führt eher dazu, Risiken zu erhöhen und Chancen nicht wahrzunehmen. Die weltweiten Kapitalmärkte entwickeln sich unterschiedlich. Anleger, die eine strukturierte und diversifizierte Strategie verfolgen, erhöhen daher die Wahrscheinlichkeit, Renditen zu erfassen, wo immer diese von Jahr zu Jahr auftreten und verringern das Risiko, Anlagen zu sehr in Ländern zu konzentrieren, welche in bestimmten Jahren besonders schlecht abschneiden.