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Innovationen und Netzwerke

„Die nachlassende FuE-Intensität im Maschinenbau ist ein Warnsignal“

Der Maschinenbau hat seine Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten zurückgefahren. Woran das liegt und welche Chancen die Zukunftstrends bieten,  erklärt Wolf D. Meier-Scheuven, Clustersprecher ProduktionNRW.

Wolf D. Meier-Scheuven

Wolf D. Meier-Scheuven, Clustersprecher ProduktionNRW: „Der Verzicht auf Innovationsvorhaben hat mehrere Gründe. Eine Ursache kann im Mangel an Fachpersonal liegen.“
Foto: BOGE

Wo liegen mögliche Gründe dafür, dass die Maschinenbauer ihre unternehmerischen Gestaltungsmöglichkeiten hinsichtlich des Ausbaus ihrer Innovationsaktivitäten zu wenig nutzen?
Meier-Scheuven: Die nachlassende FuE-Intensität im nordrhein-westfälischen Maschinenbau ist ein Warnsignal. Steuern die Unternehmen hier nicht gegen, könnten sie in Zukunft noch mehr den Anschluss verlieren. Daher sollten die Unternehmen in NRW mehr in Forschung und Entwicklung investieren.

Gründe, warum auf Innovationsvorhaben verzichtet wird, können zum Beispiel in einem zu hohen Innovationsrisiko und zu hohen Innovationskosten, oder auch einem Mangel an Fachpersonal, begründet sein. Gerade für Mittelständler könnte die steuerliche FuE-Förderung ein Ansatz sein, Innovationsvorhaben durchzuführen.

Wie lassen sich die Handlungsempfehlungen in der Praxis umsetzen?
Meier-Scheuven: Der nordrhein-westfälische Maschinenbau muss die Chancen der Zukunftstrends nutzen und gleichzeitig deren Risiken begrenzen. Die Unternehmen selber stellen die Weichen dafür, ob sie von den Trends profitieren oder nicht. Gleichzeitig benötigen die Unternehmen einen günstigen Rahmen, um sich auf die Bewältigung dieser Trends konzentrieren zu können. Hier kann die Politik den Unternehmen helfen und sie durch die Ausgestaltung passender Standortfaktoren unterstützen.

Auf dem Weg zu mehr Wachstum sollten folgende Aspekte geprüft werden:

•  Intensive Auseinandersetzung mit Digitalisierung, Entwicklung digitaler Geschäftsmodelle

•  Mehr Innovationsführer und frühe Innovationsfolger durch mehr FuE

•  Erschließung neuer Geschäftsfelder und Entwicklung hybrider Geschäftsmodelle

•  Einsatz von mehr Mitteln für kontinuierliche Verbesserung von Produkten, Prozessen, Organisation

BOGE KOMPRESSOREN hat sich zum Beispiel an Netzwerken wie OWL Maschinenbau oder dem Exzellenzcluster „it’s owl“ beteiligt. Nicht zuletzt dadurch haben wir den Kontakt zu Hochschulen intensiviert, was sich auch positiv auf unsere Produktentwicklung ausgewirkt hat. Mit dem High-Speed-Turbokompressor haben wir zurzeit technologisch die Nase vorn und erschließen damit auch neue Marktsegmente.

Es ist zu befürchten, dass Unternehmen vor dem Hintergrund der Herausforderungen schnell an ihre Grenzen stoßen. Wer begleitet die Unternehmen auf dem Weg in eine erfolgreiche Zukunft?
Meier-Scheuven: Mit dem Vorlegen seiner Studie „Wachstumsmotor Maschinenbau NRW – mit mehr Innovationen erfolgreich in die Zukunft“ gibt das Cluster für Maschinenbau und Produktionstechnik, ProduktionNRW, der Branche wichtige Impulse. ProduktionNRW unterstützt Unternehmen bei der Identifizierung und Analyse von Zukunftstrends und Risiken sowie bei der entsprechenden Ausrichtung der Unternehmensstrategie. ProduktionNRW greift die Kernthemen der Studie in verschiedenen Veranstaltungsformaten vertiefend auf. Darüber hinaus begleitet ProduktionNRW die Unternehmen bei ihren Innovationsvorhaben und bei Fragen zur FuE-Förderung. Aufgrund seiner Struktur und des Clustermanagements durch den VDMA kann ProduktionNRW dabei auf vielfältige und verlässliche Ressourcen zurückgreifen.