title=

mawionline

Innovationen entstehen in Köpfen – in jungen Köpfen

Altengerechte Sicherheitsschuhe mit Gleichgewichtssensoren und Sturzpräventionsautomatik, kontaktlose Distanz-Universalladegeräte, 24-fach-Toaster mit integriertem W-LAN-Radio für den Großküchenbetrieb – oder einfach nur Saftpresse mit automatischer Obstzufuhr und Schälautomatik als stylisches Lifestyle Küchenaccessoire – Unsinn oder gute Ideen?

"ProID_Workshop_Elektronik_2013": Junge Talente experimentieren in ProID-Workshop mit Elektronikbauteilen und setzen erste Ideen um.  (Foto ProID e.V.)

„ProID_Workshop_Elektronik_2013“: Junge Talente experimentieren in ProID-Workshop mit Elektronikbauteilen und setzen erste Ideen um.
(Foto ProID e.V.)

Innovationen beginnen im Kopf! Und welche Köpfe sind unbefangener, kreativer, neugieriger, ja – innovativer, als die Köpfe von Kindern oder Jugendlichen? Wie lassen sich die wertvollen Ressourcen Kreativität, Unbefangenheit und Neugier für Unternehmen nutzbar machen?Die einleitend dargestellten Beispiele entstammen allesamt den Köpfen 16 bis 17 jähriger Schülerinnen und Schüler, die diese im Rahmen von Planspielen in Kooperation von Schulen und lokalen Wirtschaftsbetrieben entwickelt haben. Ob „Management-Information-Game“, „Investor“, „Gründerpreis“ oder eine andere Spielform, in der Schülerinnen und Schüler ihr kreatives und betriebswirtschaftliches Potenzial ausprobieren können: Das Angebot an Planspielen, in denen Schulen und Unternehmen mit Hilfe der Unterstützung von Verbänden fruchtbare Kooperationen eingehen, ist nahezu unüberschaubar.

Die Ausrichtung der verschiedenen Angebote ist mitunter in der Sache durchaus unterschiedlich.

Die einen Planspiele oder Wettbewerbe zielen eher auf die Entwicklung betriebswirtschaftlicher Kompetenzen ab, andere verfolgen das Ziel, die naturwissenschaftliche- technischen Fähigkeiten zu fördern und zu entwickeln.In der Summe haben bisher alle etwas gemeinsam: die in den Spielen geweckte Neugier, das entdeckte Potenzial der Schülerinnen und Schüler und nicht zuletzt die oftmals hervorragenden und innovativen Produktideen – all das versickert. Sobald das Planspiel, der Wettbewerb oder das Projekt abgeschlossen ist, fehlt in der Regel der Anschluss.

Dabei haben eigentlich alle dasselbe Ziel:
die Schülerinnen und Schüler suchen nach ihrer Schulzeit gute Ausbildungsbetriebe oder Firmen, die sie bei einem dualen Studium unterstützen, Unternehmen – insbesondere in strukturschwachen Regionen – benötigen dringend qualifizierte, aber vor allem auch loyale Nachwuchskräfte, die ihr kreatives Potenzial in den Betrieb einfließen lassen.Dabei lohnt sich langfristiges Engagement: Unternehmen, die eine gute Beziehung zu den Schulen der Region unterhalten, die in engem Kontakt zu den Schulleitungen oder zu den Studien- und Berufskoordinatoren stehen und mit diesen Projektideen entwickeln, sind klar im Vorteil. Natürlich braucht dies manchmal einen langen Atem und vor allem gutes Personal: die Kooperation von Schulen und Wirtschaftsbetrieben muss beiderseits Chefsache sein. Erst wenn es gelingt, eine Kommunikation auf Augenhöhe zu erreichen und die beidseitig häufig vorherrschenden Vorurteile abzuschütteln, gelingen nachhaltige Kooperationen. Dass Schule eben kein Zulieferbetrieb ist, weiß jeder, der täglich mit jungen Menschen zusammenarbeitet. Erst wenn Vertrauen gewachsen ist und Kooperationen behutsam entwickelt wurden und allseits mitgetragen werden, erinnern sich Schülerinnen und Schüler gerne wieder an die Betriebe vor der eigenen Haustür.Betriebsbesichtigungen, Tage der offenen Tür, die Öffnung der betriebseigenen Labore für schulische Zwecke können die Vorstufe für fruchtbare Partnerschaften sein. Gemeinsame Planspiele oder größere Projekte, in denen Unterricht in neuen Formaten und an anderen, betrieblichen Lernorten stattfindet und in denen die im Planspiel entwickelten Ideen vielleicht in die Tat umgesetzt werden, können folgen.
Dass ein solcher Weg erfolgreich ist, lässt sich leicht erkennen: in der von mir betreuten kleineren Kommune im östlichen Kreis-Steinfurt existieren solche Partnerschaften nun seit gut fünf Jahren. Flankiert durch das Amt für Wirtschaftsförderung der Stadt und die Betreuung des Netzwerkes durch eine eigens eingerichtete Sterngruppe, die aus jeweils zwei Vertreterinnen und Vertretern der Schulen und je zwei Vertreterinnen und Vertretern von Wirtschaftsbetrieben bestehen, haben sich zahlreiche Projekte, Planspiele oder Unterrichtssequenzen zwischen allen Schulformen und nahezu allen ansässigen Betrieben entwickelt. Als Pädagoge und Verantwortlicher für die Studien- und Berufsorientierung am einzigen Gymnasium vor Ort lässt sich ein Wandel der Neigung der Schülerinnen und Schüler erkennen, sich überhaupt für Unternehmen vor Ort als mögliche Ausbildungs- oder Studienbetriebe zu interessieren.

Die Frage: „Kannst Du Dir vorstellen, Dich bei einem Unternehmen vor Ort zu bewerben?“
löst keine Verwunderung oder Ängste mehr aus, sondern bedient das existentielle Vertrautheitsgefühlt der jungen Menschen. Denn: bei einer gesunden Kooperation von Schule und Wirtschaft haben sie nicht nur die meisten Betriebe längst von innen gesehen, sondern auch die jeweils zuständige Personalchefin oder den zuständigen Personalchef persönlich kennengelernt. Das mindert den Effekt deutlich, dass sich die jungen Menschen lieber in die anonyme weite Welt hinaus bewerben, als sich vor Ort vorzustellen.Die Betriebe wiederum schätzen, dass die eingehenden Bewerbungen häufig bekannte Gesichter tragen. Unpersönliche Schulnoten relativieren sich, wenn man die dahinterstehenden Köpfe kennt – und sich mitunter einer jahrelangen Loyalität aufgrund der engen lokalen Verortung der jungen Menschen sicher sein kann. Eine Investition, die sich auszahlt: Wann sichern Sie sich den Kopf, der Ihnen die Idee für einen 24-fach-Toaster mit integriertem W-LAN-Radio für den Großküchenbetrieb liefert?Zum Autor:Lars Buchalle ist als Gründungsmitglied von ProID e.V. schwerpunktmäßig für den Bereich „Junge Talente“ verantwortlich. Der Studiendirektor aus Ibbenbüren arbeitet als Kernseminarleiter sowie als Fachleiter für Sozialwissenschaften am Zentrum für schulpraktische Lehrerausbildung in Rheine und hat einen Lehrauftrag am Institut für Ökonomische Bildung der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Er unterrichtet zudem die Fächer Sport und Sozialwissenschaften am Hannah-Arendt-Gymnasium in Lengerich und ist dort als Studien- und Berufskoordinator, sowie für die Kooperation von Schule und Wirtschaft verantwortlich.

Mehr unter: www.ProID-eV.de

 

 

 

Bildlegenden:

 

 

 

„ProID_Matthias_Kreidler_Siemon_131109.jpg“: Schüler erfahren im Workshop Vermarktungskonzepte und üben in Rollenspielen Verkaufsgespräche. Foto ProID e.V.“ProID_Workshop_Elektronik_2013″: Junge Talente experimentieren in ProID-Workshop mit Elektronikbauteilen und setzen erste Ideen um. Foto ProID e.V.

Hinterlasse einen Kommentar