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Hirndoping am Arbeitsplatz

Dauerhaft überbelastet

Gedopt ins Büro, in die Schule oder in die Uni: Das ist heute keine Ausnahme mehr, sondern eine weit verbreitete Realität. Diplom-Psychologe Werner W. Wilk, Geschäftsführer der PECON GmbH, über die dauerhafte Überbelastung vieler Menschen und die Konsequenzen.

Diplom-Psychologe Werner W. Wilk: „Wenn wir eine Arbeits- und Lebenssituation wollen, die für das Unternehmen effizient ist, und für den Beschäftigten Freude bringt, müssen alle Beteiligten schleunigst neue Wege beschreiten.“

Diplom-Psychologe Werner W. Wilk: „Wenn wir eine Arbeits- und Lebenssituation wollen, die für das Unternehmen effizient ist, und für den Beschäftigten Freude bringt, müssen alle Beteiligten schleunigst neue Wege beschreiten.“

Bisher hat man den Gebrauch von hirnleistungssteigernden Substanzen eher bei Studierenden vermutet, die besonders hohen geistigen Anforderungen ausgesetzt sind. Eine Studie des Schweizer Nationalfonds besagt jedoch, dass auch nicht akademische Altersgenossen im Schnitt fast wöchentlich (ca. 40-mal im Jahr) das Medikament Ritalin und andere Heilmittel zu sich nehmen, die eigentlich gegen Aufmerksamkeitsstörungen verschrieben werden. Nach eigener Aussage der Befragten ist das Motiv, länger wach bleiben zu können. Studierende dagegen konsumieren im Schnitt fünfmal im Jahr hirnstimulierende Medikamente. Ihnen geht es in der Regel darum, ihre Leistungen zu verbessern. Eine repräsentative Umfrage der Deutschen Angestellten Krankenkasse (DAK) bestätigte, dass Hirndoping auch immer öfter von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern genutzt wird. Etwa zwei Millionen befragte Beschäftigte (ca. 5 % der Befragten) im Alter zwischen 20 bis 50 Jahren gaben an, als Gesunde bereits einmal leistungssteigernde, stimmungsaufhellende Medikamente genommen zu haben.

Gesunde Erwachsene versuchen also durch einen Missbrauch verschreibungspflichtiger Medikamente zu einer Leistungssteigerung, aber auch zu einer emotionalen und sozialen Kompetenzsteigerung zu gelangen. Genauso häufig wird versucht, damit das Wohlbefinden zu steigern. Die Einnahme von Medikamenten, die rezeptpflichtig sind und z.B. zur Behandlung von Depressionen (Antidepressiva) oder des ADHS-Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom (Ritalin) eingesetzt werden, führt in der Regel nicht zum gewünschten Erfolg und kann gegenteilige Effekte auslösen. Häufig treten Leistungsminderungen auf, die in der Kopplung mit Zuständen von Euphorie und Überschwänglichkeit, zu einer Verzerrung des eigenen Selbstbildes führen können. Die Unkenntnis, ein Medikament mit Suchtpotential zu konsumieren, kann dazu führen, dass selbst schon nach kurzer Zeit Suchtpotentiale entstehen, die einen dauerhaften Missbrauch von Medikamenten nach sich ziehen.

 Dauerhafte Überbelastung ist ein Leistungskiller und „Krankmacher“

Auf die einfache Formel gebracht: Dauerhafte körperliche oder psychische Überbelastungen drängen auf eine Lösung – weil wir intuitiv wissen, dass wir dauerhafte Überbelastung nicht lange durchhalten. Kommt es zu keiner Lösung, werden wir krank. Es kommt zu körperlichen, psychosomatischen und/oder psychischen Erkrankungen. Die Ursachen, zumindest aus psychologischer Sicht, sind bekannt. Menschen sind dauerhaften Überbelastungen nicht gewachsen, egal, ob im beruflichen oder privaten Bereich. Diese sind aber heute an der Tagesordnung: die Schnelllebigkeit von technischen Entwicklungs- und Produktionszyklen, die immer knapper werdenden Zeitressourcen, Führungskräfte, die nicht führen können, mangelndes Zeitmanagement und fehlende Ruhepausen für unser hochbeanspruchtes Gehirn. Hinzu kommen persönliche Krisen. Ständig sind wir gefordert hinzuzulernen und uns anzupassen. Bis zu dem ganz persönlichen Punkt, wo der Einzelne sagen muss, ich kann nicht mehr.

In Unternehmen sind Spitzenleistungen zum Tagesziel erklärt…

 …365 Tage im Jahr. Die Realität ist jedoch anders: Dauerhafte Spitzenleistungen können selbst Profis im Spitzensport nicht täglich vollbringen, obwohl sie dafür bezahlt werden. Beschäftigte befinden sich häufig in einem persönlichen Dilemma. Unsere menschlichen Grundbedürfnisse nach Sicherheit, Wohlstand, Lebensfreude prägen unsere Wünsche und Idealvorstellungen und bestimmen unser Handeln. Sie werden aber auch von gesellschaftlichen Normen und Ansprüchen mitbestimmt. Erreichen können wir dies in der Regel nur durch unsere Arbeit, für die wir entlohnt werden. Unsere Leistungsfähigkeit unterliegt jedoch erheblichen Schwankungen, die wir oft mit Anstrengung noch ausgleichen können. Deshalb muss man die Frage stellen, sind Spitzenleistungen von Beschäftigten dauerhaft über Jahre überhaupt möglich? Gibt es heute noch das, was man früher einen normalen Arbeitsalltag nannte, einen der nicht damit endet, dass man abends erschöpft, müde, ausgelaugt ist und zu nichts mehr Lust hat?

Umdenken – Umsteuern – Handeln

Wenn wir eine Arbeits- und Lebenssituation wollen, die sowohl für das Unternehmen effizient ist, als auch für den Beschäftigten Freude bringt, müssen alle Beteiligten schleunigst neue Wege beschreiten. Sonst besteht für einen Teil der Beschäftigten ernsthaft die Gefahr von dauerhafter Überbelastung, der zur Pille greift: „Ich bin nur so gut, wie die Pille wirkt.“ So findet auf ganz individuelle Weise ein Zerfall unserer eigenen und gesellschaftlichen Werte statt.

 Wie lässt sich die Entwicklung zu stoppen?

–        Analyse von Arbeit und Beschäftigung im Hinblick auf dauerhafte Überbelastungen.

–        Analyse von Lebensumständen, die dauerhafte Überbelastungen beinhalten.

–        Das Erlernen von Stressbewältigungsmaßnahmen für alle Beschäftigten.

–        Sensibilisierung der Führungskräfte, so dass sie ihre eigenen Überbelastungen und die der anderen frühzeitig erkennen und Hilfestellung geben können.

–        Entwicklung einer Akzeptanz auf allen Führungsebenen gegenüber externer fachlich qualifizierter Beratung durch Psychologinnen/Psychologen und Psychotherapeutinnen/Psychotherapeuten. Kein Unternehmer würde bei juristischen Fragestellungen auf eine Rechtsberatung verzichten.

Weitere Informationen: www.pecon-gmbh.de

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