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Factoring

Foto: rawpixel

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Die einzige Finanzierung, die mitwächst

Auch in 2015 ist der deutsche Factoringmarkt wieder überdurchschnittlich stark gewachsen. Insgesamt mehr als 190 Milliarden Euro Umsatz werden aktuell von deutschen Unternehmen über Factoring abgewickelt.

Konkret bedeutet das, dass bereits mehr als 19.200 Unternehmen das Finanzierungsinstrument Factoring nutzen. Factoring oder auch „Umsatzfinanzierung“ ist der regelmäßige Verkauf von Forderungen aus Warenlieferungen und Dienstleistungen eines Unternehmens an ein Factoringinstitut (Factor). Die Beliebtheit des Factorings resultiert insbesondere aus der schnellen Finanzierung und der Tatsache, dass für diese Finanzierung – gleich in welcher Höhe – keine banküblichen Sicherheiten notwendig sind. Ferner – und das ist vor allem in unsicheren Zeiten ein deutlicher Mehrwert – ist die Forderung nach Prüfung zu 100 Prozent gegen Forderungsausfall abgesichert.
Eine weitere Besonderheit ist, dass es die einzige Finanzierungsform ist, die mitwächst. Je mehr Umsatz ein Unternehmen macht, je mehr Liquidität wird zur Verfügung gestellt. Ein deutlicher Vorteil zu klassischen Finanzierungsprodukten, bei denen gilt: Je mehr Sicherheiten gestellt werden können, desto mehr Liquidität wird vom Finanzgeber bereitgestellt.
Dabei ist Factoring nicht gleich Factoring. Es lassen sich zwei verschiedene Verfahren unterscheiden, die auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Unternehmen ausgerichtet sind: Das Full-Service Factoring und das Inhouse Factoring.

Investitionen-arvatoFull-Service Factoring

Wie der Name schon erahnen lässt, bietet das Factoringinstitut seinem Kunden (dem Unternehmen) im Full-Service Factoring ein komplettes „Rundum-Sorglos-Paket“ an. Das Unternehmen schreibt nur noch die Rechnung und übergibt diese an seinen Factor. Bis zu 90 Prozent der Brutto-Rechnungssumme erhält das Unternehmen dabei bereits am Folgetag auf seinem Konto gutgeschrieben – unabhängig davon, mit welchem Zahlungsziel die Rechnung versehen war. Bei durchschnittlichen Forderungslaufzeiten von aktuell mehr als 41 Tagen in Deutschland ist dies für Unternehmen ein existenziell wichtiges Thema, denn so wird ein Unternehmen mit sofortiger Liquidität versorgt, die zum Beispiel für Skontozahlungen gegenüber Lieferanten genutzt werden kann. Die restliche Forderungssumme von bis zu zehn Prozent folgt bei Zahlung der Rechnung durch den Kunden oder im Schadenfall. Denn die Forderungen sind zu 100 Prozent gegen Forderungsausfall abgesichert. Im Full-Service Factoring werden alle Aufgaben des Debitorenmanagements – von der Zahlungseingangsüberwachung über die Zahlungszuordnung bis hin zum Mahnwesen etc. vom Factoringinstitut übernommen.

Inhouse Factoring

Auch beim Inhouse Factoring erhält das Factoring-betreibende Unternehmen die sofortige Liquidität aus dem Verkauf der Forderung und den 100 prozentigen Forderungsausfallschutz. Jedoch bleibt das klassische Debitorenmanagement vollständig in der Hand des Unternehmens und damit auch alle Tätigkeiten von der Zahlungseingangsüberwachung bis hin zum Mahnverfahren. Der Factor übernimmt beim Inhouse Factoring lediglich die Beitreibung der Forderungen im Fall einer gerichtlichen Auseinandersetzung mit den Debitoren. Damit der Factor im Inhouse-Verfahren stetig über den aktuellen Stand aller Debitoren und Rechnungen informiert ist, erfolgt ein regelmäßiger Datenaustausch zwischen Factor und Unternehmen. Full-Service Factoring ist bereits für Unternehmen ab einem Jahresumsatz von 500.000 € möglich. Inhouse-Factoring wird in der Regel erst für Unternehmen im gehobenen Mittelstand interessant, die über eine gut funktionierende eigene Buchhaltung verfügen.
Das Modell des Inhouse-Factorings kann unter bestimmten Umständen preislich günstiger sein, da der Factor weniger Dienstleistungen anbietet und das Unternehmen mehr in Eigenregie handelt. Es gilt aber im Einzelfall abzuwägen, welches Modell für ein Unternehmen das Richtige ist. Denn erst beim genauen Hinsehen trennt sich die Spreu vom Weizen bei den Factoring-Modellen und vor allem bei den Factoring-Anbietern: Welche Debitoren werden abgesichert und mit welchen Summen finanziert? Über welche Bonität verfügt der Factoring-Anbieter selber? Welche Services werden zusätzlich vom Factor angeboten? Für welche Leistungen wird auch die Haftung übernommen? Eine gute Beratung sollte dem Einsatz von Factoring als wachstumsorientiertem Finanzierungsinstrument immer vorausgehen.

Kontext

Autor ist Matthias Schnettler, arvato Financial Solutions, Gütersloh.

weitere Informationen: www.arvato.com und matthias.schnettler@arvato.com