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Energie aus Abfall

Wichtiger Beitrag zur Energiewende

Moderne Abfallverbrennungsanlagen wie die Bielefelder MVA nutzen den Energiegehalt des Abfalls zur Erzeugung von Strom und Fernwärme in Kraftwärmekopplung. So gewährleisten sie Entsorgungssicherheit und liefern einen wesentlichen Beitrag für eine umwelt- und klimaschonende Energieversorgung.

MVA Bielefeld

Die MVA Bielefeld nutzt den Energiegehalt des Abfalls zur Erzeugung von Strom und Fernwärme in Kraftwärmekopplung. Foto: MVA

In der MVA Bielefeld wird die bei der Verbrennung frei werdende Energie mittels Kraftwärmekopplung in Strom und Fernwärme umgewandelt. Auf diese Weise werden aus ca. 400.000 Tonnen Abfall jährlich ca. 160 Millionen kWh Strom und ca. 350 Millionen kWh Fernwärme erzeugt und in die Netze der Stadtwerke Bielefeld eingespeist. Diese Energiemengen reichen aus, um den Bedarf von etwa 55.000 Haushalten mit Strom und 23.000 Haushalten mit Wärme zu decken. (Quelle: Eigene Berechnungen: Strombedarf eines 4-Personen-Haushaltes = 2.800 kWh/a, Wärmebedarf eines 4-Personenhaushaltes = 15.000 kWh/a)
Die Energieerzeugung aus Abfall zeichnet sich zudem durch ihre positive CO2-Bilanz aus, da der Energieträger Abfall zu etwa 50 Prozent aus biogenen Bestandteilen besteht und die Energieerzeugung in diesem Umfang als klimaneutral eingestuft wird. Die anteilige Stromerzeugung der MVA Bielefeld ist auf dieser Grundlage seit 2014 als Erneuerbare Energie zertifiziert.
Durch die Substitution von konventionellen Energieträgern wie Öl, Kohle oder Gas trägt die Energie aus Abfall daher in hohem Maße zur Reduktion des Treibhausgases CO2 bei: So werden durch die Strom- und Fernwärmeerzeugung der MVA Bielefeld jährlich ca. 50.000 Tonnen CO2-Emissionen vermieden (Quelle: Eigene Berechnungen: Strom gegenüber Energiemix Deutschland und Wärme gegenüber Gasheizung). Und all dies bei niedrigsten Emissionen: durch ihre besonders effektive achtstufige Rauchgasreinigung werden die gesetzlichen Grenzwerte um bis zu 99 Prozent unterschritten, womit die MVA Bielefeld nach wie vor zu den Anlagen mit den niedrigsten Emissionswerten in Deutschland zählt.

Als grundlastfähige Heizkraftwerke, die umweltfreundlich und klimaschonend Strom und Wärme in Kraftwärmekopplung erzeugen, stellen Müllverbrennungsanlagen somit einen wesentlichen Baustein der Energiewende dar.

Die umweltfreundliche und klimaschonende Energieerzeugung der Müllverbrennungsanlagen ist mittlerweile allgemein anerkannt. Häufig sehen sich die Betreiber aber mit der Aussage konfrontiert, dass sie einem weiteren gewünschten Ausbau des stofflichen Recyclings entgegenstehen. Dass das stoffliche Recycling und die energetische Verwertung in der Abfallwirtschaft jedoch keinen Gegensatz bilden, sondern sich vielmehr notwendig und sinnvoll ergänzen, zeigt ein Blick in die europäische Abfallstatistik: In den EU-Ländern mit den höchsten stofflichen Recyclingquoten – wie z.B. Deutschland – findet gleichzeitig in hohem Maße die Energieerzeugung aus Abfall statt.
Insbesondere durch das Deponierungsverbot für unbehandelte Abfälle, einhergehend mit gesteigerten Recyclingraten und dem Ausbau der Energieerzeugung aus Abfall, hat die deutsche Abfallwirtschaft, laut Umweltbundesamt (Klimarelevanz d. Abfallwirtschaft, 01/2011), im Vergleich zu 1990 CO2-Emissionen von jährlich 56 Millionen Tonnen vermieden. Auf europäischer Ebene werden jedoch weiterhin jährlich ca. 75 Millionen Tonnen Restabfälle deponiert. Hier besteht ein erhebliches CO2-Minderungspotenzial von 140 bis 200 Millionen Tonnen pro Jahr zu vergleichsweise geringen Kosten, das durch den gleichzeitigen Ausbau des stofflichen Recyclings und der Energieerzeugung aus Abfall realisiert werden kann (Quelle: Umweltbundesamt: Klimaschutzpotenzial i. d. Abfallwirtschaft, 06/2010).
Der Ausstieg aus der Deponierung unbehandelter Abfälle sollte daher den Schwerpunkt der europäischen Abfallwirtschaftspolitik bilden und wäre der größte Beitrag, den die Abfallwirtschaft auf europäischer Ebene zum Klimaschutz leisten kann.

KONTEXT
Die MVA Bielefeld gehört – mittelbar über die Interargem GmbH – mehrheitlich zu den Stadtwerken Bielefeld. Darüber hinaus zählen insgesamt 15 kommunale Gesellschafter der Region zum mittelbaren Gesellschafterkreis der MVA Bielefeld. Eine weitere Tochtergesellschaft der Interargem ist die Enertec Hameln GmbH, die ebenfalls eine Abfallverbrennungsanlage betreibt. Beide Anlagen werden in einem engen Verbund betrieben und leisten neben der umweltverträglichen Energieerzeugung ein höchstes Maß an Entsorgungssicherheit für die Region.