mawionline

Anlegerstudie 2015

Mehr Flexibilität bei der Geldanlage

Während die Deutschen bei der Geldanlage Anfang letzten Jahres vor allem auf Sicherheit gesetzt haben, ist nun ein Trend hin zur Flexibilität zu erkennen. Das ist ein Ergebnis einer repräsentativen Studie zum Anlageverhalten der Deutschen, die die Gothaer Asset Management AG (GoAM) von der forsa Politik- und Sozialforschung durchführen ließ.

Gestiegen ist vor allem der Wunsch, die Geldanlage flexibel gestalten zu können. Dies wünschen sich 36 Prozent der Befragten. Eine solche Tendenz zeigt sich auch bei der Risikobereitschaft: Während bei der letzten Umfrage rund fünf Prozent dazu bereit waren, bei der Geldanlage auch ein höheres Risiko einzugehen, sind es bei der aktuellen Erhebung schon fast ein Viertel der Befragten. Das Sicherheitsbedürfnis hat hingegen abgenommen. Statt vormals 57 Prozent der Anleger räumen nur noch 43 Prozent der Sicherheit absolute Priorität bei der Geldanlage ein. Auch die Rendite spielt lediglich für sieben Prozent der Befragten eine wichtige Rolle. Beim letzten Mal waren es rund neun Prozent.

Aktien und Fonds holen auf
Bei der Wahl der Geldanlageform ist und bleibt das Sparbuch trotz geringer Renditen das beliebteste Anlagevehikel der Deutschen (aktuell 51 Prozent). 35 Prozent investieren in Bausparverträge oder Tagesgeld (letzte Erhebung: 32 Prozent). Auch Kapital-Lebensversicherungen sind weiter beliebt und werden von 30 Prozent zur Geldanlage genutzt. Aufholen konnten hingegen Dividendenpapiere. Mit 24 Prozent liegen Investmentfonds sowie Immobilien (letzte Erhebung: 25 Prozent) im Mittelfeld, 15 Prozent platzieren die Aktien neben Festgeld (letzte Erhebung: 15 Prozent) und noch vor Anleihen (letzte Erhebung: 4 Prozent).
Bei der Fondsanlage setzen die Deutschen stärker auf Diversifikation: Die Anzahl der Fonds, die die Deutschen besitzen, ist insgesamt gestiegen. Im Vergleich zum letzten Mal hat sich die Anzahl der Befragten, die in vier bis fünf oder sogar in sechs oder mehr Fonds investieren, fast verdoppelt. 21 Prozent der Deutschen haben inzwischen vier oder mehr verschiedene Fonds im Depot, neun Prozent sogar sechs und mehr. Im Januar 2014 waren es nur zwölf Prozent, beziehungsweise fünf Prozent bei mindestens sechs Fonds.

„Dieses Ergebnis zeigt, dass viele Anleger die Bedeutung der Diversifizierung erkannt haben und Chancen und Risiken breiter streuen. In der Niedrigzinsphase können gerade Mischfonds die Schwankungen des Börsenmarktes über eine breite Diversifikation ausgleichen, ohne auf Rendite zu verzichten. Ihr großer Vorteil ist, dass sie sich durch ihre vielen Standbeine an das wechselhafte Marktgeschehen erheblich besser anpassen können als reine Aktienfonds – durch die Streuung sinkt das Risiko“, kommentiert Christof Kessler  das Ergebnis. „Zu dieser aktiven Steuerung der Aktienquote ist aber auch bei den Mischfonds eine intensive und regelmäßige Analyse der Kapitalmärkte unablässig, nur so kann auf kurzfristige Marktschwankungen angemessen reagiert werden. Wer dazu keine Zeit oder Muße hat, sollte diese Aufgabe Experten überlassen.
Kritischer Blick auf die Niedrigzinspolitik
Über die Hälfte der Befragten hält die Niedrigzinspolitik der EZB für ein untaugliches Mittel, um den Problemen im Euro-Raum zu begegnen. 30 Prozent fürchten sogar das Auseinanderbrechen der Währungsunion. Diese Befürchtung spiegelt sich allerdings nicht im Anlageverhalten wider: Noch können sich lediglich 21 Prozent der Befragten vorstellen, ihr Geld auch außerhalb von Europa anzulegen.
Die Verunsicherung der Anleger zeigt sich auch bei der Angst vor einer Inflation: Von rund 44 auf 63 Prozent ist sie deutlich  angestiegen. Ebenso haben die Sorgen um einem sinkenden Lebensstandard zugenommen: 61 Prozent der Befragten befürchten, dass ihre Geldanlagen später nicht ausreichen, um ihren jetzigen Lebensstandard zu halten.

Foto: Lupo_pixelio.de